Berichte über fünf Tote
Unmittelbar nach dem Zugriff gegen die mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter in Dammartin-en-Goele hat die Polizei auch den Schauplatz der zweiten Geiselnahme in Paris gestürmt. Dort hatte der Islamist Amedy Coulibaly zu Mittag mehrere Geiseln genommen. Fünf Menschen wurden bei der Geiselnahme und ihrer Beendigung getötet, unter ihnen der Geiselnehmer, der auch Sprengstoff bei sich getragen habe.
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Zudem gab es sieben Verletzte, darunter drei Polizisten. Während der Geiselnahme soll der Täter telefonisch Gesinnungsgenossen zu ähnlichen Attacken aufgefordert haben. Der Islamist rief am Nachmittag gegen 15.00 Uhr den französischen Sender BFMTV an und teilte mit, er habe 17 Menschen in seiner Gewalt, darunter ein Kind. Mehrere Geiseln wurden noch während des Zugriffs von den Sondereinheiten der Polizei in Sicherheit gebracht. Auf Fernsehbildern waren mindestens drei Menschen in Zivil zu erkennen, die aus dem Geschäft an der Porte de Vincennes rannten.
Der Mann sagte weiters gegenüber dem Sender, er fordere, dass sich „die Armee aus dem Islamischen Staat zurückzieht, aus allen Gebieten, wo sie den Islam bekämpft“. Er sei bereit zu verhandeln und forderte den Reporter auf, seine Telefonnummer an die Polizei weiterzuleiten.

APA/AP/Michel Euler
Aus dem Supermarkt geflüchtete Geiseln werden in Sicherheit gebracht
Bei dem Angreifer soll es sich um jenen Mann handeln, der am Donnerstag südlich der französischen Hauptstadt eine Polizistin erschossen haben soll. Bei der Attacke auf das jüdische Geschäft an der Porte de Vincennes soll es Verletzte gegeben haben. Laut dem „Figaro“ soll der Geiselnehmer mit der Ermordung der Geiseln gedroht haben, sollte die Polizei die Druckerei östlich von Paris stürmen, in der sich die mutmaßlichen Urheber des Terroranschlags auf „Charlie Hebdo“ verschanzt haben.

APA/EPA/Ian Langsdon
Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt
Schwer bewaffnet in Supermarkt eingedrungen
Der Mann drang gegen 13.00 Uhr in den kleinen Supermarkt ein. Er schoss Ermittlern zufolge um sich und nahm Geiseln, darunter offenbar auch mehrere Kinder. Ein Angestellter konnte offenbar flüchten. „Das ist der Schütze von Montrouge“, versicherte ein Ermittler der Nachrichtenagentur AFP. Französische Medien berichteten zudem, er habe beim Betreten des Geschäfts gerufen: „Ihr wisst, wer ich bin.“ Weder bestätigt noch dementiert wurden bisher Spekulationen über einen weiteren Täter.
Die Einsatzkräfte rückten mit einem Großaufgebot am Tatort an. Das Gebiet um das jüdische Geschäft wurde abgeriegelt, Schulkinder in der Gegend dürfen die Schulen derzeit nicht verlassen. Auch die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Man sei zudem aufgefordert worden, sich den Fenstern nicht zu nähern, teilte eine Hotelangestellte ORF.at mit. Gesperrt ist zudem die nahe gelegene U-Bahn-Station. Auch die Stadtautobahn an der Porte de Vincennes wurde in beide Richtungen gesperrt.
Zusammenhang mit „Charlie Hebdo“-Anschlag
Zwischen dem tödlichen Angriff auf die Polizistin vom Donnerstag und dem islamistischen Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am Mittwoch in Paris sehen die Ermittler seit Freitag einen Zusammenhang. Es gebe eine „Verbindung“ zwischen den mutmaßlichen Tätern der beiden Angriffe, wie ein Polizeivertreter am Vormittag bestätigte. Die beiden mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter hatten sich am Freitag nordöstlich von Paris mit einer Geisel verschanzt und wurden am Abend beim Zugriff der Polizei getötet.

twitter.com/Französische Polizei
Der mutmaßliche Todesschütze wurde zusammen mit seiner Freundin zur Fahndung ausgeschrieben
Die Behörden hatten zunächst erklärt, es gebe keinen ersichtlichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten. Am Donnerstag übernahm dennoch die Anti-Terrorismus-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschat die Ermittlungen zu der Bluttat von Montrouge. Am Freitag verlautete aus Ermittlerkreisen, der mutmaßliche und noch auf der Flucht befindliche Täter sei identifiziert. Bei dem Verdächtigen soll es sich um den amtsbekannten Amedy Coulibaly handeln, der zusammen mit seiner Freundin Hayat Boumeddiene zur Fahndung ausgeschrieben wurde.
Mitglieder von „Buttes-Chaumont-Netzwerk“?
Das französische Magazin „Le Point“ hatte zuvor berichtet, alle drei mutmaßlichen Attentäter hätten dem nach einem Park im 19. Pariser Bezirk benannten „Buttes-Chaumont-Netzwerk“ angehört, das Dschihadisten zum Kampf gegen die US-Truppen in den Irak geschickt haben soll. Bei der Terrororganisation soll es sich um einen Ableger von Al-Kaida gehandelt haben. Als Kopf des „Buttes-Chaumont-Netzwerkes“ gilt der radikale Prediger Farid Benyettou, der Medienberichten zufolge bereits vor Jahren zu einer Art Mentor von Cherif Kouachi, einem der „Charlie Hebdo“-Attentäter, geworden sein soll.

Reuters/Youssef Boudlal
Tausende Polizisten sind im Einsatz
Nun soll dieser zusammen mit seinem Bruder Said für den schwersten Terroranschlag in Frankreich seit über 40 Jahren verantwortlich sein. Insgesamt starben bei dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ zwölf Menschen, darunter praktisch die gesamte Führungsmannschaft des Pariser Satiremagazins. Mehrere Personen wurden schwer verletzt, sie befinden sich Cazeneuve zufolge aktuell aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Einen Tag später eröffnete schließlich in der Nähe der Porte de Chatillon im Süden von Paris ein Mann mit einer schusssicheren Weste und einem Schnellfeuergewehr das Feuer auf Polizisten, die zu einem Unfall gerufen worden waren. Eine Polizistin wurde in den Rücken getroffen und verstarb wenig später an den schweren Verletzungen. Ein ebenfalls getroffener Mitarbeiter der Straßenreinigung liegt weiterhin schwer verletzt im Spital.
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