Ehrengrab „ist eine Option“
Eine öffentliche Trauerfeier für Udo Jürgens soll frühestens Mitte Jänner stattfinden. Das kündigte sein Sprecher Thomas Weber am Dienstag an. „Das muss alles ohne Hektik vorbereitet werden“, sagte Weber. Der Sänger war am Sonntag im Alter von 80 Jahren in der Schweiz gestorben. Seine Leiche wird eingeäschert.
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Der Künstler habe eine Feuerbestattung verfügt, die im engsten Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll - dieser Wunsch möge respektiert werden, so Weber weiter. Es gibt auch Spekulationen darüber, dass Jürgens ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in Wien erhält. „Das ist eine Option“, sagte Weber dazu.
Am Montag ließ die Vizebürgermeisterin von Klagenfurt, Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), mit dem Vorschlag aufhorchen, den Klagenfurter Flughafen nach dem Verstorbenen zu benennen. Landesrat Gerhard Köfer (Team Stronach) brachte die Idee ein, die Wiener Gasse in der Klagenfurter Innenstadt nach dem gebürtigen Klagenfurter umzunennen. Dort befand sich einst das Tanzcafe Lerch, in dem Jürgens in den 50er Jahren als Swing- und Jazz-Musiker auftrat. Im Klagenfurter Rathaus und im Wiener Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds, wo der Sänger als Wachsfigur präsent bleibt, wurden Kondolenzbücher für den verstorbenen Künstler aufgelegt.
TV-Hinweise
- Die ORF-Produktion „Udo Jürgens: Es werde Licht - Meine Winter- und Weihnachtslieder“ aus dem Jahr 2003 zeigt am Dienstag um 21.05 Uhr in ORF2 den Künstler noch einmal von seiner ganz persönlichen Seite.
- In der „Helene Fischer Show“ am Christtag um 20.15 Uhr in ORF2 ist Udo Jürgens bei seinem letzten TV-Auftritt zu sehen, der wenige Tage vor seinem Tod aufgezeichnet wurde.
- ORF III blickt am 26. und 28. Dezember noch einmal zurück, u. a. mit dem Spielfilm-Zweiteiler „Der Mann mit dem Fagott“ (26., 22.25 und 0.10 Uhr) sowie mit „Udo Jürgens: Geradeaus“ (28., 12.00 Uhr), den Höhepunkten eines Konzerts aus dem Jahr 1992.
Großer Dank im Internet
Die Nachricht von Jürgens’ Tod hatte seine zahlreichen Fans am Sonntag hart getroffen. In seinen Songs, die irgendwo zwischen Schlager und Chanson changierten, hat Jürgens nicht selten Lebenskrisen angesprochen. Nun ist der Dank auf Social-Media-Plattformen groß.
So gibt es etwa unter den zahlreichen Song-Contest-Fans auf der Facebook-Seite „Building Bridges“ kaum ein anderes Thema. Jürgens hatte 1966 als erster und bis auf Conchita Wurst einziger Österreicher den Grand Prix Eurovision, wie er vormals hieß, gewonnen.
Viele User sagen in Anspielung auf „Merci, Cherie“, seinem Gewinnerlied, „Merci, Udo“. Eine Userin beklagt den Tod Jürgens’ so knapp vor dem großen Song-Contest-Event in Wien: „Es ist so schade, dass du nächstes Jahr beim ESC nicht mehr dabei sein kannst. Du hast so viel für unser Österreich erreicht, vielen, vielen Dank!“ Die Bestürzung wird auch greifbar in dem knappen Posting „Nein! Nein!“
„Sooo traurig“
Männliche Fans erweisen sich als genauso traurig wie weibliche: Ein Mann schreibt etwas „R. I. P. Danke für alles, Udo, in unseren Herzen wirst du ewig weiterleben.“ Facebook zeugt auch davon, wie viel Tränen gestern Abend geflossen sind: „Das ist sooo traurig! Hab geweint, als ich das gehört habe! Udo hoffentlich geht es dir da oben gut!“
Und groß ist die Trauer über Versäumtes: „Wir hätten uns so gefreut, diesen wunderbaren Menschen und seine einzigartigen Songs mit seiner zauberhaften Stimme einmal im Leben persönlich in der Stadthalle zu hören. Es war das Geburtstagsgeschenk für meine Mama, es war ihr größter Traum. Udo, du wirst bis in alle Ewigkeit in unseren Herzen sein! R. I. P.“

www.facebook.com/ESCBuildingBridges
Viele trauernde Fans posten auf der Facebook-Seite „Building Bridges“
Fans feiern Jürgens als Mutmacher
Ähnliches findet sich auf der offiziellen Facebook-Seite von Udo Jürgens: „Danke, lieber Udo. Du hast für uns wunderschöne Lieder geschrieben. Ich bin sehr traurig. Deine Lieder begleiteten mich von Jugend an.“ Und eine andere Userin: „Danke für jede Antwort ohne Frage, für jede unberührte Berührung, fürs Tränen trocknen und Tränen weinen können, fürs nachdenken und leben können. Danke fürs verstehen, ohne sich zu kennen, danke für dich, du unglaubliches Talent, du Mutiger, aus der Seele Sprechender (...) im Herzen auf ewig.“
Viele persönliche Geschichten werden erzählt. Ein User etwa berichtet von einer tiefen persönlichen Krise, die ihn an den Rand des Suizids getrieben habe. Jürgens habe ihn während dieser Zeit zufällig bei einem Konzert in den Arm genommen und gesagt: „Alles wird gut.“ Dadurch habe er neuen Mut gefasst und sein Leben wieder in den Griff bekommen.

www.facebook.com
Abschied auf der offiziellen Facebook-Fanseite
„Mitten aus dem Leben gerissen“
Auch sämtliche Medien im deutschen Sprachraum sind voll der Würdigungen. „Der Standard“ schreibt: „Udo Jürgens war einer der größten Stars und Entertainer des deutschsprachigen Raums. Seine Musik begleitete mehrere Generationen.“ Die Tageszeitung „Heute“ titelt mit „Merci, Genie“, die „Kronen Zeitung“ schreibt von „Schock und Trauer“, der „Kurier“ titelt mit „Merci, Udo“ und spricht von einem „schrecklichen Verlust“.
„Merci, Udo“, titelte auch die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ und räumte die Frontseite für ein ganzseitiges Bild des populären Musikers. „Die Welt muss Abschied nehmen von einem der letzten großen Entertainer“. „Mitten aus dem Leben gerissen“, heißt die Schlagzeile beim Schweizer „Tages-Anzeiger“. Anspielungen auf den Titel seiner gerade abgeschlossenen Tournee „Mitten im Leben“ machen viele Zeitungen und Websites.
„Abschied von einer Musiklegende“
„Abschied von einer Musiklegende“, verkündet die „Neue Zürcher Zeitung“ nüchtern auf ihrer Titelseite. „Das Ende einer unaufhörlichen Melodie“, schreibt die „Basler Zeitung“. Udo Jürgens lebte im Kanton Zürich, kam in Österreich als Sohn deutschstämmiger Eltern auf die Welt und hatte sowohl die schweizerische wie auch die österreichische Staatsbürgerschaft - entsprechend überspannt sein Tod die Medien in den drei Ländern.
„Keiner beherrschte die Kunst besser, dem deutschen Schlager Tiefgang zu geben. Keiner stand zugleich so über diesem Genre. Udo Jürgens war die Größe in der Branche, die doch sonst so von Oberflächlichkeit lebt“, schreibt der „Spiegel“ (Onlineausgabe). „Merci dem Mann am Klavier“, titelt Welt.de. Eine stilbildende Art von Lied habe er entwickelt, das Udo-Jürgens-Lied. „Er sang über unsere Hoffnungen, weil er sie teilte“, hieß es auf Sueddeutsche.de.
Betroffenheit bei Künstlern und Politikern
Auch zahlreiche Künstler, Politiker, Sportler und Medienmanager kommentierten den Tod von Jürgens tiefbetroffen. „Jürgens war nicht nur ein Botschafter Österreichs in der Welt, sondern hat auch stets politische Haltung bewiesen, indem er sich immer für die Demokratie starkgemacht und nie seine Heimat Österreich vergessen hat“, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sagte, der Sänger hätte am 27. Februar das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen bekommen sollen.
Die Sängerin Conchita Wurst, die erste heimische Song-Contest-Siegerin seit dem Triumph von Jürgens, würdigte den Entertainer als einen „großartigen Künstler“ und bedankte sich mit einem „Merci“. Der deutsche Sänger Udo Lindenberg schrieb von einem „schmerzlichen Verlust“: „Es ist, als wäre ein Familienmitglied von uns gegangen.“ Fußballmanager Franz Beckenbauer schrieb auf Twitter von einer „schrecklichen Nachricht“, Jazztrompeter Till Brönner schrieb bei Facebook: „Verneigung, lieber Udo!“ ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz würdigte Jürgens als „eine historische Persönlichkeit“.
„Lieder ohne Ablaufdatum“
Von vielen weiteren Politikern gab es am Sonntagabend Trauerbekundungen, auch aus dem Ausland. Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner sagte, Jürgens habe einen „wesentlichen Beitrag für die internationale Anerkennung der österreichischen Musikwirtschaft“ geleistet. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gab sich „tieferschüttert“ und sagte, Jürgens habe sich in die Herzen aller Österreicher gesungen.
Mit Jürgens verliere Österreich seinen größten Entertainer, so Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen. NEOS-Kultursprecherin Beate Meinl-Reisinger sah ihn als „Unbeugsamen, der an sich und die Kraft seiner Lieder geglaubt hat“. Für das BZÖ war Jürgens „der größte Entertainer, den Österreich jemals gesehen hat“.

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Udo Jürgens bei einem Konzert vor wenigen Wochen in Zürich
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) schrieb, dass der Entertainer „Kärntens bekanntester Botschafter“ gewesen sei. „Seine Lieder sind ohne Ablaufdatum.“ Parteikollege Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes, sprach von einem „unermesslichen Verlust für unser Land“ - mehr dazu in kaernten.ORF.at.
Getrauert wird auch in Wien, wo der Künstler oft bei seinen Konzerten gefeiert wurde. 33-mal gastierte Jürgens in vier Jahrzehnten in der Wiener Stadthalle, kein anderer Künstler hat so viele Konzerte in so einem langen Zeitraum absolviert. „Mit Udo Jürgens ist ein Ausnahmekünstler von der Bühne gegangen, der die Geschichte der Wiener Stadthalle über vier Jahrzehnte mitgeprägt hat“, so die Geschäftsführer Wolfgang Fischer und Kurt Gollowitzer heute, „wir bedanken uns für 33 grandiose Konzerte“. Auf dem Roland-Rainer-Platz wurde als Zeichen der Trauer eine schwarze Fahne hochgezogen - mehr dazu in wien.ORF.at.
Jürgens’ Bruder fassungslos
„Ich kann nicht fassen, dass es so plötzlich passiert ist“, sagte Jürgens Bruder, der Maler Manfred Bockelmann, gegenüber der APA. Die Nachricht sei „ein großer Schock für die Familie“. Mehr könne er zunächst nicht zum Tod seines Bruders sagen, ergänzte der 71-jährige Künstler, der mit seiner Familie in Kärnten lebt. Jürgens hatte seinem Bruder Manfred mit seinem Lied „Mein Bruder ist ein Maler“ 1977 ein musikalisches Denkmal gesetzt.
Tochter Jenny Jürgens traf die Nachricht ebenfalls völlig unvorbereitet, wie ihr Düsseldorfer Management auf Anfrage der dpa mitteilte. „Der Schmerz und die Traurigkeit sind groß. Ihr ganzes Ansinnen gilt im Moment ihrer Familie, der sie nun in dieser schwierigen Zeit nahe sein möchte“, so Jenny Jürgens’ Management.
Fans legen Blumen nieder
Fans des verstorbenen Musikers legten in Gottlieben (Kanton Thurgau) an der Seepromenade zu Ehren ihres Idols Blumen nieder und zündeten Kerzen an. „Man kannte Udo Jürgens in Gottlieben“, sagte die Gemeindepräsidentin Rosmarie Obergfell am Montag der Nachrichtenagentur sda. Noch letzte Woche habe sie mit ihm gesprochen. „Der See war ihm wichtig.“

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Vor Jürgens’ Haus in Gottlieben zeigen Fans ihre Anteilnahme
Wenn ihn die Gemeinde Gottlieben zum Sommernachtsfest oder zum 1. August einlud, habe Jürgens teilgenommen. Dabei habe er nicht als Star das Bad in der Menge gesucht, sondern wollte „als Privatmann wahrgenommen werden, im Gespräch“, erinnert sich Obergfell. Er sei ein „Mann von Welt“ und ein sehr großzügiger Mensch gewesen, jemand, der etwas zu sagen hatte. So habe er sich zum Beispiel für die Asylsuchenden interessiert, die im Dorf untergebracht sind.
Bei Spaziergang zusammengebrochen
Der Sänger und Entertainer brach bei einem Spaziergang in Gottlieben bewusstlos zusammen, teilte sein Management am frühen Sonntagabend in einer Aussendung mit. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen sei Jürgens im Krankenhaus von Münsterlingen um 16.25 Uhr an Herzversagen gestorben. „Nach den gemeinsamen triumphalen Konzerterfolgen der aktuellen Tournee sind alle erschüttert und fassungslos über den unerwarteten und plötzlichen Tod.“ Der Familie und den Angehörigen gehöre ihr tiefempfundenes Beileid.
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