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Fiat weiter unter Erwartungen

Der nun in London sitzende Autokonzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hat Ende Oktober bekanntgegeben, intern grünes Licht für die Abspaltung der Sportwagentochter Ferrari gegeben zu haben. Laut Konzernchef Sergio Marchionne würden FCA und Ferrari künftig „getrennter Wege“ gehen, ein Teil soll an die Börse gebracht werden. Über eine Abspaltung von Ferrari war bereits lange spekuliert worden.

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Diese Gerüchte verdichteten sich vor rund zwei Monaten mit dem überraschenden Abgang des langjährigen Ferrari-Chefs Luca di Montezemolo. Zehn Prozent sollten auf den Aktienmarkt gebracht werden, kündigte der Konzern an. Die restlichen Anteile würden an die Aktionäre von Fiat Chrysler gehen, darunter auch die Agnelli-Familie, die Fiat einst gründete. Die Transaktion dürfte nächstes Jahr über die Bühne gehen. Ferrari-Aktien sollen vor allem in den USA gehandelt werden.

Investoren reagierten euphorisch auf die Nachricht. In Mailand verteuerten sich Fiat-Aktien um mehr als 13 Prozent auf 8,64 Euro, obwohl der Quartalsgewinn hinter den Erwartungen zurückblieb. Der 1947 vom ehemaligen Rennfahrer Enzo Ferrari gegründete Hersteller von Sportwagen und Formel-1-Fahrzeugen mit Stammsitz in Maranello ist zu 90 Prozent im Besitz des Fiat-Konzerns, der 1966 bei der Luxusmarke eingestiegen war. Zehn Prozent befinden sich in Händen von Piero Lardi Ferrari, dem Sohn von Enzo Ferrari.

Geld wird in Fiat-Expansionspläne gesteckt

Mit der Abspaltung will der siebentgrößte Autoproduzent seine Expansionspläne finanzieren. Fiat hatte 2009 Chrysler übernommen, nachdem der traditionsreiche US-Hersteller in der Weltwirtschaftskrise mit staatlichen Geldern aufgefangen wurde. Das neue Unternehmen ist nun nach niederländischem Recht organisiert.

Sitz ist aus steuerlichen Gründen London. Das operative Geschäft wird von Turin und Detroit aus gesteuert. Der Absatz soll sich in den kommenden Jahren auf sieben Millionen Wagen erhöhen, was einem Zuwachs von 60 Prozent entsprechen würde. Der Nettogewinn soll sich bis 2018 verfünffachen - auf dann 5,5 Milliarden Euro.

Kurz nach Abgang di Montezemolos

Bei Ferrari ist gerade erst Firmenchef Luca Cordero di Montezemolo nach fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze zurückgetreten. Er hatte sich stets für die Eigenständigkeit starkgemacht und lag oft mit Fiat-Chef Sergio Marchionne über Kreuz. Marchionne hatte unter anderem das zuletzt schwache Abschneiden Ferraris in der Formel 1 als „nicht akzeptabel“ kritisiert. Zwischen 2000 und 2004 hatte der Stall mit Michael Schumacher noch fünf Weltmeistertitel in Folge eingefahren.

Abschied von Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo in Maranello

APA/EPA/Ferrari Press Office

Die Ferrari-Mitarbeiter verabschieden sich von Di Montezemolo

Via Twitter hatte sich di Montezemolo, der jahrelang den Esprit der Automarke verkörperte, mit nostalgischen Worten: „Ciao Ferrari, die schönste Firma der Welt, erschaffen von außergewöhnlichen Menschen.“

Differenzen über künftige Strategie

Mit den auf dem Pariser Autosalon prominent platzierten Worten „Ein Ferrari, der auf der Rennstrecke nicht gewinnt, ist kein Ferrari“ hatte Marchionne zuvor die Ära Di Montezemolo de facto für beendet erklärt. Kurz darauf folgte die Ankündigung Di Montezemolos. Der Abschied wurde Di Montezemolo finanziell versüßt: Er erhielt Abfindungszahlungen von insgesamt 27 Mio. Euro. Montezemolo bekommt sein Jahresgehalt - insgesamt 13,71 Millionen Euro - verteilt über 20 Jahre. Weitere 13,25 Mio. Euro erhält der 67-Jährige im Rahmen einer Wettbewerbsschutzklausel. Demnach wird er bis März 2017 nicht für Fiat-Konkurrenten tätig werden.

Gewinn unter Erwartungen

Im dritten Quartal stieg der operative Gewinn von Fiat Chrysler um sieben Prozent auf 926 Millionen Euro, blieb damit aber unter den Erwartungen der Analysten, die mit 940 Mio. gerechnet hatten. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro. Vor allem in Lateinamerika stockt der Motor. Insgesamt erhöhte sich der Konzernumsatz aber dank der internationalen Expansion um 14 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro.

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