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Weitere Viertel erobert

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drängt die sich verzweifelt wehrenden Kurden in der Grenzstadt Kobane immer weiter in die Enge. Trotz erbitterter Gegenwehr und US-Luftangriffen konnten die Dschihadisten im Häuserkampf weitere Viertel der Stadt erobern.

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Am Donnerstag meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die IS-Milizen kontrollierten bereits ein Drittel der Ortschaft. Demnach übernahmen die Dschihadisten auch das Hauptquartier der kurdischen Polizei im Nordosten Kobanes. Damit rücken die Extremisten auch näher an die türkische Grenze heran. Das Polizeigebäude sei am Vortag mit einem mit massiven Sprengsätzen bestückten Lastwagen angegriffen worden, hieß es.

Anhaltende Luftangriffe

Nach Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien stützt, wurden bei den jüngsten Gefechten Dutzende Kämpfer auf beiden Seiten getötet. Die US-Armee betonte, die kurdischen Einheiten würden nach wie vor einen Großteil der Stadt kontrollieren und den Dschihadisten weiterhin Widerstand leisten.

Die internationale Militärallianz flog demnach auch am Donnerstag erneut Angriffe auf IS-Stellungen südlich von Kobane. Dabei seien unter anderem zwei Kampfeinheiten, Fahrzeuge und ein Trainingscamp der Dschihadisten bombardiert worden. Zudem seien eine kleine und eine große IS-Einheit getroffen worden.

Auch von kurdischer Seite wurden Erfolge gemeldet. Idris Nassan, Vizeaußenminister der Regionalregierung von Kobane, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass kurdische Kämpfer mehr als elf IS-Angriffe auf Ostkobane abgewehrt hätten. „Unsere Kämpfer haben es geschafft, den Vormarsch tief in die östlichen Bezirke Kobanes hinein zu bremsen“, sagte er. IS-Kämpfer waren am Montag erstmals in die strategisch wichtige Stadt einmarschiert.

„Wir tun aus der Luft aus alles“

Dass der Kampf um Kobane für die USA jedoch nicht oberste Priorität hat, ließ unterdessen die Sprecherin im US-Außenministerium, Jennifer Psaki, durchblicken. Es werde noch andere Dörfer und Städte in Syrien geben, die ebenfalls bedroht würden, hatte sie am Mittwoch gesagt. „Wir müssen uns hier auf unsere strategischen Komponenten konzentrieren - das sind Kommando- und Kontrollzentren, das sind Ölraffinerien, das sind andere Teile, bei denen wir in den vergangenen Wochen unsere Präzisionsschläge gemacht haben“, betonte Psaki.

Karte von Syrien und Irak

APA/ORF.at

Pentagon-Sprecher John Kirby versicherte jedoch: „Wir tun aus der Luft alles, was wir können, um den Schwung des IS gegen diese Stadt aufzuhalten.“ Luftangriffe allein würden Kobane aber nicht retten können, räumte auch er ein. Die Türkei, die Panzerverbände in Schuss- und Sichtweite von Kobane an ihrer Südgrenze stationiert hat, ist jedoch trotz des drohenden Falls von Kobane nicht bereit, allein gegen die Terroristen vorzugehen. Gefordert wurde von der Türkei vielmehr eine gemeinsame Strategie, wobei sich eine Ausweitung der laufenden Anti-IS-Strategie derzeit weiter nicht abzeichnet.

Die Militärchefs der Koalition zum Kampf gegen IS wollen nun bei einem Treffen auf höchster Ebene über ihre Strategie im Irak und in Syrien diskutieren. Dazu habe US-Generalstabschef Martin Dempsey mehr als 20 seiner Kollegen eingeladen, sagte ein Angehöriger des US-Militärs der Nachrichtenagentur dpa. Die Gespräche sollen kommenden Montag mit einem gemeinsamen Abendessen beginnen und am Dienstag am Militärstützpunkts Andrews bei Washington fortgesetzt werden. Es sei das erste Treffen auf dieser Ebene seit Beginn der Luftschläge im Irak Anfang August, sagte der Militärangehörige.

Obama bittet um Geduld

US-Präsident Barack Obama bat im Kampf gegen IS indes ein weiteres Mal um Geduld. „Es bleibt eine schwierige Mission“, sagte Obama am Mittwoch nach Beratungen mit ranghohen Militärvertretern im Pentagon. „Ich habe von Beginn an gesagt, dass das nicht etwas ist, was über Nacht gelöst wird.“

Bereits 24 Tote bei Kurdenprotesten

Kurdenvertreter fordern unterdessen mehr Druck auf die Regierung in Ankara, kurdische Kämpfer etwa aus anderen Teilen Syriens über türkisches Gebiet nach Kobane reisen zu lassen. Die Zahl der Toten in der Türkei bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes stieg auf mindestens 24, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Dogan Haber Ajansi (DHA) am Donnerstag. Viele der Opfer seien bei Zusammenstößen von Islamisten mit Anhängern der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im kurdisch geprägten Südosten des Landes ums Leben gekommen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Proteste am Donnerstag als „Schauspiel“, das zum Ziel habe, den Friedensprozess mit den Kurden in der Türkei zu sabotieren. Der inhaftierte Chef der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, hatte vergangene Woche vor einem Ende des Friedensprozesses gewarnt, sollte es in Kobane zu einem Massaker kommen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu stellte sich am Donnerstag hinter den Friedensprozess mit den Kurden: „Wir opfern den Friedensprozess keinem Vandalismus.“

Kurz telefonierte mit türkischem Amtskollegen

Der Ruf nach mehr Druck auf Ankara wird auch in Österreich unterstützt. So gibt es einen Hungerstreik von kurdischen Aktivisten in Wien und Innsbruck - mehr dazu in tirol.ORF.at. Die Grünen blockierten Donnerstagvormittag symbolisch für einige Minuten die türkische Botschaft und forderten auch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) zum Handeln auf - mehr dazu in wien.ORF.at. Kurz drängte laut einem Sprecher die Türkei in einem Telefongespräch mit seinem Amtskollegen Cavusoglu dazu, den Kurden in der umkämpften syrischen Grenzstadt zu helfen. „Österreich hat betont, dass aus seiner Sicht alles getan werden müsse, was die Sicherheit und die humanitäre Situation vor Ort betrifft“, so der Sprecher am Donnerstag.

Das Gespräch sei am Mittwoch mit der türkischen Botschaft in Wien vereinbart worden, hieß es. Der türkische Außenminister habe im Gegenzug über die „dramatische Situation“ in Nordsyrien informiert und auf den Beschluss des Parlaments in Ankara über ein mögliches militärisches Eingreifen verwiesen. Ob in dem Gespräch auch ein Korridor für Hilfsgüter und kurdische Kämpfer durch die Türkei oder der Umgang mit der militanten Kurdenorganisation PKK und ihren syrischen Ablegern besprochen wurde, ist nicht bekannt.

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