Motorengeräusch könnte Panik auslösen
Angesichts Zehntausender auf einem Küstenstrich von Alaska gestrandeter Walrosse haben die zuständigen Behörden ein Flugverbot über der betroffenen Region verhängt. Das Gebiet darf nur noch in einer Höhe von mehr als 600 Metern überflogen werden. Zur Begründung hieß es, die Tiere könnten durch Motorengeräusche in Panik versetzt werden und einander bei einer Flucht ins Wasser töten.
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Die Massenansammlung der Walrosse nahe dem Inuit-Dorf Point Lay war kürzlich aus der Luft beobachtet worden. Binnen wenigen Tagen stieg die Zahl der Tiere laut offiziellen US-Angaben von etwa 1.500 auf rund 35.000. Experten führen das Phänomen auf den Klimawandel zurück, der das Packeis in der Arktis zum Schmelzen bringt. Laut einem Forscher zog sich das Packeis der Arktis wegen des wärmeren Klimas stärker zurück als bisher.
Walrosse brauchen Eisschollen
Deshalb mussten die Walrosse offenbar auf das Festland ausweichen. Die Tiere leben normalerweise auf dem Eis und fischen von dort aus in seichten Gewässern. Wegen der Eisschmelze wurden die Fischgründe aber wohl zu tief. Walrosse können nicht unbegrenzt schwimmen und brauchen die Eisschollen zum Rasten.

APA/AP/NOAA/Corey Accardo
Die Walrosse sind auf der Suche nach Eis vor Alaska gestrandet
Weibchen nutzen das Meereis für die Geburt und suchen im seichten Schelfmeer nach Nahrung wie Schnecken, Muscheln und Würmern. Durch die höheren Temperaturen im Sommer zieht die Eisgrenze aber immer weiter Richtung Norden. Die weiblichen Walrosse und die Jungen driften ebenfalls nach Norden zur Tschuktschensee nördlich der Beringsee. Nach Angaben des World Wide Fund For Nature (WWF) sammelten sich große Gruppen von Walrossen auch auf der russischen Seite der Tschuktschensee.

APA/ORF.at
Phänomen tritt häufiger auf
In den vergangenen Jahren zog sich das Eis zunehmend in Meeresregionen zurück, die tiefer als drei Kilometer sind. Dort können die Walrosse aber nicht mehr bis zum Grund tauchen und nach Nahrung suchen. Neu ist das Phänomen nicht, es wird aber zusehends häufiger. Das erste Mal wurden Walrosse so weit im Norden bereits 2007 gesichtet. 2009 verendeten 130 Walrosse, vor allem Jungtiere, nach einem Ansturm auf Küstenland vor Alaska. Massenpanik kann auch durch einen Eisbären, menschliche Jäger und niedrig fliegende Flugzeuge ausgelöst werden. Auch heuer wurden 50 Kadaver gefunden, berichtete Andrea Medeiros vom US Fish and Wildlife Service gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Die Todesursache wird noch untersucht.
„Umweltbedingungen ändern sich dramatisch“
Für Margaret Williams, zuständig für das WWF-Arktisprogramm, sind die gestrandeten Walrosse „ein weiteres auffallendes Zeichen dafür, wie sich die Umweltbedingungen aufgrund der Eisschmelze im Meer dramatisch ändern. (...) Die Walrosse erzählen uns, was schon die Eisbären und die indigene Bevölkerung der Arktis erzählt haben - dass sich die arktische Umwelt extrem schnell wandelt.“
Der WWF sieht den Klimawandel als die größte Bedrohung für den Eisbären. Umweltschützer fürchten, dass zwei Drittel der Population in den nächsten 40 Jahren durch Eisschmelze und den Verlust des Lebensraums verschwinden werden. Es sei nun an der Zeit für den Rest der Welt, das zur Kenntnis zu nehmen und Maßnahmen gegen die Ursachen des Klimawandels zu setzen, betonte Williams.
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