Themenüberblick

Sorge über Vorsorge

Schon im Juni sind die ersten Briefe verschickt worden, in den vergangenen Tagen und Wochen folgten Zehntausende weitere: Mittlerweile haben mehr als zwei Millionen der betroffenen Österreicher das Schreiben der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) erhalten, das den Stand ihres Pensionskontos anzeigt. Und die Ernüchterung ist oft groß. Denn auch wenn es sich nur um einen Zwischenstand handelt, wächst bei vielen die Verunsicherung, wie man in der Pension das finanzielle Auslangen finden kann.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Dabei hat die PVA auf entsprechende Kritik längst reagiert: In dem Schreiben wird deutlich versichert, dass es sich nur um die Erstgutschrift zum Stichtag 1.1.2014 handelt, dass die Summe mit jedem Erwerbsjahr weiter wachsen wird.

Insgesamt werden 3,6 Millionen Briefe verschickt. Bei manchen handle es sich um eine „vorläufige“ Erstgutschrift, nämlich dann, wenn individuell nachgereichte Nachweise zu „Versicherungslücken“ noch berücksichtigt werden müssen. An der Bearbeitung dieser Zusendungen arbeite man parallel, hieß es von der PVA gegenüber ORF.at. Immerhin hätten 70 Prozent der angeschriebenen Österreicher bereits Unterlagen eingesendet.

Verunsicherung groß

Auch auf den eigens eingerichteten Websites wird informiert - inklusive eines Pensionskontorechners, der anzeigt, mit welcher Summe tatsächlich im Ruhestand zu rechnen ist. Dennoch ist die Verunsicherung groß - quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Bei Personen, die mehrere Beschäftigungswechsel hatten und häufig auch in atypischen Verhältnissen gearbeitet haben, stellt sich etwa häufig die Frage, wie viele Versicherungsjahre bisher gesammelt werden konnten. Ähnliches gilt bei noch nicht berücksichtigten Kindererziehungs- und Ausbildungszeiten.

Wer den Brief bekommt

Das Pensionskonto gilt für alle Versicherten, die ab dem 1. Jänner 1955 geboren sind. Die Mitteilung erhalten Pensionskontoinhaber, die bereits vor 2005 Versicherungszeiten erworben haben.

Akademiker wiederum, die nach ihrer Ausbildung vergleichsweise spät in die Arbeitswelt eingestiegen sind und am Beginn ihrer Berufskarriere stehen, müssen sich zunächst mit einer relativ geringen Erstgutschrift begnügen, dürfen aber freilich auf steigende Löhne und dementsprechend größere Beiträge auf dem Pensionskonto hoffen. Pro Jahr werden 1,78 Prozent der Beitragsgrundlage - also zumeist des Bruttoeinkommens bis zur Höchstbemessungsgrundlage - auf das Konto gutgeschrieben. Bei der Hotline der PVA würden sich tatsächlich eher jüngere Menschen melden, heißt es gegenüber ORF.at. „Pensionsnahe Jahrgänge“ hätten sich wohl ohnehin bereits stärker mit Pensionsfragen auseinandergesetzt, heißt es.

Zugang zu Onlinekonto als Flaschenhals

Zudem enthält das Informationsschreiben nur den derzeitigen Stand der Bruttopension pro Monat bzw. pro Jahr. Davon sind noch Sozialversicherungsabgaben und die Einkommenssteuern abzuziehen. Detaillierte Informationen gibt es nur in der Onlineansicht des Pensionskontos - und hier wartet der nächste Flaschenhals.

Denn für das Einloggen sind entweder Bürgerkarte oder Handysignatur nötig - und beides ist bisher in Österreich kaum verbreitet. Der leichteste Zugang scheint derzeit der über FinanzOnline zu sein, immerhin schon über drei Millionen Nutzer haben bisher ihre Steuerangelegenheiten online abgewickelt und können so auch auf ihr Pensionskonto zugreifen.

Werben mit der „Pensionslücke“

Insgesamt ist es jedenfalls nicht verwunderlich, dass Banken, Versicherungen und andere private Finanzdienstleister Lunte gerochen haben. Schon im Juni gab es die ersten Werbewellen für Vorsorgeprodukte, etwa des Allianz-Konzerns und auch von Wüstenrot. Die Arbeiterkammer warnte schon damals vor unüberlegten Reaktionen und Panik. Man solle mehrere Meinungen einholen, bevor Privatpensionen abgeschlossen werden. Mittlerweile sehen weitere Unternehmen die Gunst der Stunde und warnen vor der „Pensionslücke“, eine Wortschöpfung, die gleich mehrere Banken und Versicherer für sich entdeckt haben.

Erste Bank startet große Kampagne

Am offensivsten geht derzeit die Erste Bank vor. Am Montag wurde die aktuelle Kampagne gestartet, flankiert auch von Werbeclips. Auch per Schreiben an seine Bankkunden wirbt das Institut für Vorsorgeprodukte: Bei einem Termin in der Bank solle man seine Handysignatur freischalten lassen, gemeinsam mit extra dafür eingeschulten Beratern, wie es von der Ersten gegenüber ORF.at heißt. Angeboten werde zusätzlich zu diesem „Service“ auch ein Beratungsgespräch für „passendes Vorsorgen“.

Auch „zweite Säule“ will mitnaschen

Die meisten großen Banken und Versicherungen werben auf ihren Homepages mit Produkten gegen die „Pensionslücke“, andere wie Generali und Wiener Städtische bieten Beratungsgespräche zum neuen Pensionskonto an. Die Uniqa will ihre Kunden für besagtes „Pensionskonto fitmachen“. Die Liste ließe sich fortsetzen. Doch nicht nur die „dritte Säule“, also die private Pensionsvorsorge, sondern auch die „zweite Säule“, die Betriebspensionen, erhofft sich kräftige Zuwächse. Der Obmann des Pensionskassen-Fachverbandes und Valida-Vorsorge-Chef, Andreas Zakostelsky, glaubt an einen Schub durch die Einsicht in die Pensionskontoauszüge.

Das Pensionskonto werde den Menschen vor Augen führen, wie groß die individuelle „Pensionslücke“ sei, und sie dadurch zu mehr Eigenvorsorge veranlassen, sagte Zakostelsky, der gleichzeitig ÖVP-Nationalratsabgeordneter und Chef des parlamentarischen Finanzausschusses ist, im August. Er verwies dabei vor allem auf die steuerliche Absetzbarkeit der Eigenbeiträge der Arbeitnehmer zu einer Pensionskasse.

Links: