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Wahres Ausmaß der Taten noch unklar

Im britischen Rotherham in South Yorkshire sind einem Bericht der Kommunalverwaltung zufolge in den Jahren 1997 bis 2013 bis zu 1.400 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden. Zum Teil seien elfjährige Mädchen von mehreren Tätern vergewaltigt, entführt, in weitere Städte Englands geschleust, geschlagen und eingeschüchtert worden.

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Auch Buben seien unter den Opfern gewesen, sagte die Autorin des Berichts, die Professorin Alexis Jay, die auch mit den Behörden hart ins Gericht ging: Entsprechende Berichte seien in Schubladen verschwunden, die Polizei und Sozialarbeiter hätten von etlichen Fällen gewusst, sie aber ignoriert. Ein Drittel der Opfer seien Kinderschutzeinrichtungen bekannt gewesen, heißt es in dem Bericht.

Ein Rücktritt, sonst keine Konsequenzen

Roger Stone, Chef der Lokalverwaltung seit 2003, erklärte am Dienstag umgehend seinen sofortigen Rücktritt. Er übernehme für das Council die Verantwortung für die historischen Verfehlungen. Weitere disziplinäre oder rechtliche Maßnahmen innerhalb der Behörden soll es aber nicht geben. Die damals Verantwortlichen arbeiteten nicht mehr für die Kommune, sagte ein leitender Beamter der Verwaltung. Am Mittwoch forderten mehrere Stadträte allerdings den Rücktritt von Polizeichef Shaun Wright, der bis 2010 für den Kinderschutz zuständig war.

Bedroht und vergewaltigt

Jay schildert dramatische Fälle: Kinder seien mit Benzin übergossen und mit dem Anzünden bedroht worden, auch mit Schusswaffen seien Jugendliche gefügig gemacht worden. Es habe mehrfache Vergewaltigungen gegeben, einige Opfer seien gar in andere Städte entführt worden. Ein Opfer schilderte der Autorin, dass Gruppenvergewaltigungen quasi zum „normalen“ Aufwachsen in Rotherham gehört hätten, heißt es in der BBC.

Berichte ignoriert

Die Fehler der Polizei seien offensichtlich gewesen, heißt in dem Report. Das Ausmaß der Probleme sei von höheren Stellen heruntergespielt worden. Dabei habe es zwischen 2001 und 2006 drei Berichte gegeben, die auf die Situation hingewiesen hätten. Der erste sei bewusst unter Verschluss gehalten, die beiden weiteren schlicht ignoriert worden.

Einer der Gründe, wieso die Behörden nicht reagierten, war offenbar die Furcht vor dem Vorwurf, rassistisch zu agieren: Die meisten Opfer hätten die Täter als Männer mit asiatischer Herkunft beschrieben, heißt es im Bericht. Manche Polizisten hätten eben aus Unsicherheit und Furcht vor Diskriminierungsvorwürfen diesen Sachverhalt nicht aktenkundig werden lassen. Anderen sei vorgeschrieben worden, das nicht zu erwähnen.

Urteil löste Untersuchungen aus

2010 war eine fünfköpfige Bande mit Wurzeln in Pakistan zu langen Haftstrafen wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Opfer aus Rotherham hatten ausgesagt, dass die meisten Verdächtigen aus dieser Region stammten, sagte Jay. Der Gerichtsprozess im Jahr 2010 war der erste von mehreren größeren Prozessen, die auch Missbrauchsfälle in anderen englischen Städten wie Leeds, Derby und Oxford bekanntmachten. Nach den Prozessen berichte die „Times“ 2012 unter Berufung auf behördeninterne Unterlagen erstmals über das Versagen von Polizei und Verwaltung. Erst diese Vorwürfe führten schließlich zu den Untersuchungen.

Viele offene Fragen

Niemand kenne das wahre Ausmaß der Taten, heißt es am Ende des Berichts. „Unseren konservativen Schätzungen zufolge wurden über den gesamten untersuchten Zeitraum, von 1997 bis 2013, etwa 1.400 Kinder sexuell ausgebeutet.“

Doch der Report wie auch die Berichterstattung der britischen Medien lassen viele Fragen offen. Wie konnte in einer Stadt mit 250.000 Einwohnern die alltägliche sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche so vertuscht werden? Warum gab es bei der enormen Häufung von Fällen keinen Aufschrei in der Bevölkerung? Und schließlich bleibt auch offen, ob es sich um organisierte Phädophilenbanden handelte, die ihre Verbrechen begingen oder in der Stadt ein Klima herrschte, das die sexuelle Ausbeutung von Kindern unbeachtet und ungesühnt an der Tagesordnung stehen ließ.

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