Insgesamt drei Obduktionen
Ferguson, ein Vorort der US-Stadt St. Louis, kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Tod des schwarzen 18-jährigen Michael Brown gibt es seit mehr als einer Woche immer wieder Ausschreitungen und gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei. Brown wurde von einem weißen Polizisten erschossen, laut einem nun bekanntgewordenen Gutachten mit sechs Kugeln.
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Laut einem Bericht der „New York Times“ („NYT“) gab die Familie Browns eine am Sonntag durchgeführte unabhängige Autopsie in Auftrag, nachdem bereits örtliche Experten die Leiche untersucht hatten. Die Ergebnisse von deren Obduktion wurden aber bisher nicht bekannt. Am Sonntag hatte das Justizministerium mitgeteilt, dass wegen der außergewöhnlichen Umstände und auf Bitten der Familie eine eigene Obduktion durch die nationalen Behörden durchgeführt wird.
Vier Schüsse in den Arm, zwei in den Kopf
Dem privaten Obduktionsbericht zufolge wurde der 18-Jährige zweimal in den Kopf und viermal in den rechten Arm getroffen. In allen Fällen seien die Kugeln von vorne eingedrungen. Die Autopsie habe der ehemalige leitende Gerichtsmediziner der Stadt New York, Michael Baden, durchgeführt. Die Schüsse wurden vermutlich nicht von nächster Nähe abgefeuert, so Baden, da keine Rückstände auf dem Körper zu finden gewesen seien. Diese Einschätzung könnte sich noch ändern, denn Baden hatte keinen Zugang zur Kleidung des Opfers.
Fatale Wunde am Scheitel
Ein Schuss traf Brown demnach in das rechte Auge, ein zweiter am Scheitel des Kopfes. Dieser Schuss dürfte der letzte gewesen sein und habe eine tödliche Wunde hinterlassen, so der Gerichtsmediziner. Er könne davon stammen, dass Browns Kopf nach vorne gebeugt wurde - möglicherweise ein Zeichen, dass sich Brown ergeben wollte, oder aber, dass er auf den Polizisten zugestürmt sei. Brown war unbewaffnet, als die tödlichen Schüsse am Samstag vergangener Woche fielen. Seitdem hat es in der Stadt immer wieder gewalttätige Proteste gegeben.
Genauer Tathergang weiter unklar
Erst vor wenigen Tagen machte die Polizei den Namen des derzeit vom Dienst suspendierten Todesschützen öffentlich. Es handle sich um Darren Wilson, einen Beamten mit sechsjähriger Berufserfahrung, sagte der Polizeichef von Ferguson, Thomas Jackson, am Freitag vor Journalisten. Der Polizist habe zuvor niemals gegen die Disziplinarregeln verstoßen.
Laut Jackson hatte sich der Beamte nach einem versuchten Ladendiebstahl durch Brown zum Tatort begeben. Brown hatte dem Polizeichef zufolge versucht, in einem Geschäft mehrere Päckchen Zigarillos zu stehlen, und habe sich „aggressiv“ verhalten, bevor er erschossen wurde. Wilson sei bei einer Auseinandersetzung mit Brown verletzt worden. Ein Augenzeuge hatte dagegen einen anderen Tathergang geschildert: Der unbewaffnete Brown sei auf dem Weg zu seiner Großmutter gewesen. Als auf ihn geschossen worden sei, habe er die Hände in die Höhe gehalten.
Die örtliche Polizei und die US-Bundespolizei FBI haben angesichts des nach wie vor unklaren Tathergangs Ermittlungen eingeleitet. Das US-Justizministerium ermittelt in einem getrennten Verfahren.
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