Weltweites Eingreifen möglich
Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt worden. Die Einschätzung wurde einstimmig von den Viren- und Seuchenexperten des Notfallkomitees der zuständigen Weltgesundheitsorganisation (WHO) getroffen. Das teilte die WHO am Freitag in Genf mit.
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Damit kann die Organisation jetzt weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen. Möglich sind unter anderem Quarantänemaßnahmen wie die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr.
Weitere Ausbreitung verhindern
WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gab bekannt, dass sie die Empfehlungen des Notfallkomitees vollständig angenommen hat und diese damit als weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft setzt. „Alle Maßnahmen sind darauf gerichtet, eine weitere internationale Ausbreitung (von Ebola) zu verhindern“, sagte sie bei einer Pressekonferenz in Genf.

APA/EPA/Salvatore di Nolfi
Chan und ihr Assistenzdirektor Keiji Fukuda verkündeten die neuesten Maßnahmen
Es ist erst das dritte Mal, dass die WHO-Seuchenexperten für die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotfalls stimmten. Zuvor wurde im Mai 2014 wegen der Ausbreitung von Polio in Pakistan und Afghanistan zu dieser Maßnahme gegriffen sowie 2009 wegen der Schweinegrippe. Der Ebola-Epidemie sind in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria laut WHO-Erkenntnissen wahrscheinlich bereits fast 1.000 Menschen zum Opfer gefallen. Laut den jüngsten Zahlen erkrankten bis zum 4. August 1.779 Menschen an dem Virus, 961 Menschen starben daran.
Betroffene Länder sollen nationalen Notstand ausrufen
Derzeit hält das Notfallkomitee noch keine weltweiten Verbote im Reiseverkehr für nötig. Reisende müssten aber obligatorisch über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung informiert werden, heißt es in den WHO-Empfehlungen. Ebola-Patienten sollen demnach nur in Ausnahmefällen reisen dürfen, wenn eine medizinische Behandlung an Ort und Stelle nicht hinreichend möglich ist. Die Regierungen der betroffenen Länder werden aufgerufen, wo noch nicht geschehen umgehend den nationalen Notstand auszurufen.
Washington ordnete unterdessen die Ausreise der Familien seines Botschafterpersonals in Liberia an. Die Angehörigen der Diplomaten in Monrovia seien aufgefordert worden, das Land zu verlassen, erklärte das US-Außenministerium am Donnerstag in Washington. Die Regierung warnte zudem ihre Bürger vor nicht zwingend notwendigen Reisen in das westafrikanische Land und erneuerte damit entsprechende vorherige Anweisungen der Gesundheitsbehörden.
Geringe Auswirkungen auf Österreich
Mit der Ausrufung des Notstands gibt es kaum Auswirkungen auf Österreich, da keine direkte Gefährdung existiert. Allgemeine Vorkehrungen werden trotzdem empfohlen. „Für alle anderen Staaten (inklusive Österreich) werden folgende Maßnahmen empfohlen: Es sollte kein allgemeines Reiseverbot oder ein Verbot des Handels ausgesprochen werden. Reisende in betroffene Länder sollten über Risiken und Präventionsmaßnahmen informiert werden“, sagte der verantwortliche Experte im Gesundheitsministerium, Peter Kreidl, am Freitag nach der Erklärung der WHO.
Ärzte ohne Grenzen fordert entschiedenes Handeln
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte am Freitag in einer Reaktion auf die Ausrufung des Notstands ein entschiedenes Handeln. Es dürfte nicht bei Erklärungen bleiben. „Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands zeigt, wie ernst die WHO den derzeitigen Ebola-Ausbruch nimmt. Stellungnahmen allein retten aber keine Leben“, sagte Bart Janssens, Leiter der Einsätze in der Brüsseler Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen, in einer Aussendung. Es gingen Menschenleben verloren, weil die Reaktion auf diese Krise zu langsam erfolge.
„Sofort Experten schicken“
„Länder, die über die nötigen Kapazitäten verfügen, müssen sofort Experten für Infektionskrankheiten in die Region schicken. Es steht fest, dass die Epidemie nicht ohne einen massiven Personaleinsatz aus diesen Ländern eingedämmt werden kann“, sagte der Experte.
Konkret benötige man eine radikale Aufstockung der Hilfe in folgenden Bereichen: bei der medizinischen Behandlung von Patienten, der Schulung von Gesundheitspersonal, der Infektionskontrolle, der Nachverfolgung von Verdachtsfällen, der epidemiologischen Überwachung, der Einrichtung von funktionierenden Alarm- und Überweisungssystemen für Verdachtsfälle sowie bei der Mobilisierung der betroffenen Gemeinden und der Aufklärung.
EU beruhigt
Die EU-Kommission schätzt unterdessen das Risiko einer Ausbreitung der Ebola-Seuche in Europa als niedrig ein. Eine solche Gefahr sei „extrem gering“, sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Freitag in Brüssel. „Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ebola die EU erreicht, sind wir darauf vorbereitet, dem Virus entgegenzutreten.“
Liberia riegelt Hauptstadt ab
Bereits in der Nacht auf Donnerstag hatte Liberia den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Armee riegelte die Hauptstadt Monrovia von den von Ebola betroffenen Gebieten ab. In der an Sierra Leone angrenzenden Provinz Grand Cape Mount saßen Hunderte Menschen fest, weil die Zufahrtstraßen in die Hauptstadtregion abgesperrt waren.
Soldaten sollen an strategischen Kontrollpunkten stationiert werden, um die Bewegungen der Menschen zu beobachten und sie dazu zu ermuntern, nicht von einem Landesteil in den anderen zu reisen. Das kündigte der Verteidigungsminister des westafrikanischen Landes, Brownie Samukai, am Donnerstag in der Hauptstadt Monrovia an. Er appellierte an die Menschen, in ihrem jeweiligen Bezirk zu bleiben.
Die „Weißer Schutzschild“ genannte Maßnahme sei im Rahmen des dreimonatigen Ausnahmezustandes rechtmäßig, den Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf am Mittwochabend verhängt hatte. In ihrer Ansprache hatte sie angekündigt, dass einige Bürgerrechte unter Umständen eingeschränkt werden könnten. Die Epidemie bedrohe die Gesellschaft, was Sondermaßnahmen erfordere. Der vor Wochen ausgerufene Notstand habe nicht ausgereicht, um Ebola einzudämmen.
Infizierter Geistlicher in Spanien gelandet
Noch am Donnerstag verließ der spanische Geistliche Miguel Pajaras Liberia. Die spanische Regierung ließ den mit Ebola Infizierten am Mittwoch nach Spanien ausfliegen und in die Quarantänestation eines Madrider Krankenhauses bringen. An Bord des Airbus A310 der spanischen Luftwaffe war auch eine spanische Nonne, die mit dem Priester in Liberia zusammengearbeitet hatte, bei der aber bisher keine Ebola-Infektion festgestellt wurde.
Wie die Ärzte mitteilten, war der Gesundheitszustand des Geistlichen stabil. „Pajares ist bei Bewusstsein, er atmet ohne Probleme und weist keine Blutungen auf“, sagte der Internist Abelardo Garcia in Madrid. Das Wichtigste sei nun, Zeit zu gewinnen. Die aus Äquatorialguinea stammende Nonne Juliana Bohi, die die spanische Staatsangehörigkeit besitzt, befinde sich einem „guten Allgemeinzustand“.
USA erlauben Medikamententests an Menschen
Vor einer knappen Woche hatten die USA bereits zwei erkrankte US-Bürger aus Liberia ausgeflogen. Sie wurden in den USA mit einem neuen experimentelln Wirkstoff behandelt. Jener Wirkstoff wird nun auch für Tests an Menschen zugelassen. Wie die kanadische Pharmafirma Tekmira mitteilte, revidierte die US-Gesundheitsbehörde FDA eine frühere Entscheidung, mit der Tests an gesunden Probanden gänzlich untersagt wurden.
Tekmira entwickelt mit Unterstützung des US-Verteidigungsministeriums eine Therapie mit der Bezeichnung TKM-Ebola. Es handelt sich dabei um ein Medikament aus RNA-Molekülen, das die Ebola-Viren einem intensiveren Angriff des Immunsystems preisgeben soll. Die FDA hatte erst Anfang Juli den Stopp der ersten, bereits seit Anfang Jänner angelaufenen Tests an gesunden Probanden verfügt. Nun sei das Verbot gelockert worden, wodurch das Medikament bei Ebola-Patienten eingesetzt werden könnte.
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