Themenüberblick

50 Punks verschanzt

1.700 Beamte, Räumpanzer, Polizeihubschrauber, Sonderkommandos: Unter massivem Aufwand hat die Polizei am Montag die Räumung eines von Punks besetzten Hauses in Wien-Leopoldstadt begonnen. Der Einsatz läuft nicht ohne Gegenwehr ab. So errichteten die Punks bereits im Vorfeld Barrikaden - nach dem Beginn der Räumung kam es zu Auseinandersetzungen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Bereits um 5.00 Uhr bereiteten sich die Aktivisten vor dem Haus auf den massiven Polizeieinsatz vor und verbarrikadierten die Gasse in beide Richtungen unter anderem mit Sperrmüll und Sofas. Die Delogierung der Pizzeria Anarchia - wie die Punks das Haus bezeichnen - wurde von behördlicher Seite für 10.00 Uhr anberaumt, um 10.30 Uhr begann der Zugriff.

Panzer und Hausbesetzer

APA/Herbert Oczeret

Die Polizei geht von einem längeren Einsatz aus

Im Zuge dessen rückte die Polizei mit schwerem Gerät an. So fuhr etwa ein Panzerwagen vor und rammte die Haustür auf. Die Aktivisten reagierten und warfen Farbbeutel, faule Eier, Flaschen und Fäkalien auf das Fahrzeug. Rund 50 Punks haben sich im obersten Geschoß des dreistöckigen Hauses verbarrikadiert.

Buttersäure von oben

Längst ist die ganze Gasse weiträumig abgesperrt. Nach Angaben des Innenministeriums wurden insgesamt 1.700 Exekutivbeamte abgestellt, über 1.000 sollen an Ort und Stelle im Einsatz stehen - mehr dazu in wien.ORF.at. Ein genaue Zahl bestätigen wollte die Polizei nicht. Wie der „Standard“ aus Polizeikreisen erfuhr, soll im Zuge des Zugriffs ein Polizist verletzt worden sein. Laut Angaben der Polizei versuchten sich die Demonstranten auch mit Buttersäure gegen die Räumung zu wehren.

Wasserwerfer

APA/Herbert Neubauer

Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz

Polizei befürchtet Stromfallen

Parolen wie „Ihr könnt nach Hause gehen“ und „Die Häuser denen, die drin wohnen“ wurden gebrüllt. Zugleich versuchten die Einsatzkräfte, durch den mit Möbeln verbarrikadierten Gang zu gelangen. Es kommen offenbar Kettensägen zum Einsatz, um durch die Barrikaden in das Stiegenhaus zu gelangen. Die Hintertür des Gebäudes haben die Punks zubetoniert, die Vordertür ist zugeschweißt - mehr dazu in fm4.ORF.at. Bis zum frühen Nachmittag konnten Einsatzkräfte mehrere verschweißte Eisentüren aufbrechen. Doch der Einsatz ging nur langsam voran - auch befürchtete die Exekutive eingebaute Stromfallen.

Erste Sympathisanten abgeführt

Am Nachmittag nahm die Polizei erste Abführungen vor: Konkret wurden am frühen Nachmittag rund 30 Sympathisanten, die sich vor der Pizzeria Anarchia aufgehalten hatten, aus dem abgeriegelten Gebiet gebracht. Von den abgeführten Personen, die teils weggetragen wurden, werde nun die Identität festgestellt, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger der APA. Ihnen droht zumindest eine Pönale wegen Verwaltungsübertretung.

Polizisten führen eine Person ab

APA/Herbert Neubauer

Die Sympathisanten hatten sich vor der Pizzeria Anarchia aufgehalten

Rechtskräftiges Urteil zu Räumung

Ziel des Einsatzes ist es, das Haus aufgrund eines rechtskräftigen Urteils zu räumen. „Und alle Personen, die nicht freiwillig oder selbstständig das Haus verlassen, müssen wir dann auffordern, das Haus zu verlassen, und dann, wenn sie nicht gehen wollen, müssen wir sie raustragen“, so Polizeisprecher Hahslinger.

Seit rund zweieinhalb Jahren ist ein Wohnhaus von Punks besetzt. Die Eigentümer hatten diesen vor etwa drei Jahren einen auf drei Monate befristeten Mietvertrag angeboten - das mit dem Hintergedanken, die bestehenden Mieter aus dem Haus zu bekommen. Doch der Plan der Eigentümer ging nicht auf - denn es kam zu einer Solidarisierung der Punks mit den bestehenden Hausbewohnern.

Polizisten

APA/Herbert Oczeret

Über die genaue Zahl der Polizisten besteht Unklarheit

Grüne kritisieren „überbordenden Polizeieinsatz“

Die Angelegenheit hat unterdessen auch die Kommunalpolitik erreicht: Georg Prack, Landessprecher der Wiener Grünen, kritisierte am Montag per Aussendung den „überbordenden Polizeieinsatz“, der „in keinem Verhältnis zum Anlass“ stehe. Er ortete in der Causa einen „üblen Fall von Immobilienspekulation“, deren Handwerk mit der nunmehrigen Räumung letztlich verrichtet werde.

Paul Hefelle, ÖVP-Bezirksrat in der Leopoldstadt, stellte sich indes hinter die Polizei. Man könne diese nicht zum Sündenbock stempeln. Auch wenn der jetzige Eigentümer das betreffende Haus als Spekulationsobjekt erworben haben sollte, hätten sich die Aktivisten auf den Deal eingelassen. Nun hätten die Besitzer die Räumung vor Gericht durchgefochten und damit sei diese rechtskräftig.

FPÖ begrüßt Räumung

Auch die Bezirks-FPÖ reagierte: „Viel zu lange hat der linke Pöbel (...) hausen, die Gegend verdrecken und die Lebensqualität der Anrainer zerstören dürfen“, sagt der Leopoldstädter FPÖ-Obmann Wolfgang Seidl zur Räumung des Hauses. Kritik wurde an den Aussagen der Grünen geübt: Diese hätten den „gefährlichen Polizeieinsatz schlecht und somit den linken Randalierern gleichsam die Mauer gemacht“, so Seidl.

Links: