Themenüberblick

Multitalent Paul Mazursky

Anfang des Monats hat Hollywood bereits eine seiner Größen verloren: Paul Mazursky, der Filme wie „Eine entheiratete Frau“ und „Zoff in Beverly Hills“ drehte, starb am 2. Juli mit 84 Jahren.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Mazursky, der als Drehbuchautor und Produzent seiner Regiewerke fünfmal für einen Oscar nominiert war, starb an Herzversagen. Komödiant und Regisseur Mel Brooks (88) bekundete seine Trauer auf Twitter. „Er war unser amerikanischer Fellini“, schrieb Brooks. Mazursky habe zu den talentiertesten Autoren und Regisseuren gezählt. „Ich werde ihn sehr vermissen.“ Brooks war im vorigen Dezember unter den Gästen auf dem Hollywood Walk of Fame, als Mazursky auf dem berühmten Bürgersteig mit einer Sternenplakette geehrt wurde.

Der Hollywood-Stern war ein kleines Trostpflaster für den bei den Oscars übergangenen New Yorker Filmemacher: Trotz fünf Nominierungen als Drehbuchschreiber und Produzent war der Nachfahre jüdischer Immigranten aus der Ukraine bei den Academy Awards stets leer ausgegangen.

Karrierestart als Schauspieler

Mazurskys erste Liebe war die Schauspielerei. Er spielte in Stanley Kubricks erstem Spielfilm „Fear and Desire“ (1953) mit, dann in dem Kassenschlager „Die Saat der Gewalt“ (1955). Mit Barbra Streisand drehte er „A Star is Born“, unter der Regie von Brian de Palma „Carlito’s Way“.

In Hollywood verdiente er sein Geld zunächst als Drehbuchautor für das Fernsehen („Danny Kaye Show“). Gleich mit seinem Regiedebüt, der Beziehungssatire „Bob & Carol & Ted & Alice“ über sexuelle Freiheit in der Ehe, begeisterte er 1969 die Kritiker. In weiteren Filmen wie „Heirat ausgeschlossen“ oder „Harry und Tonto“ nahm er wenige Jahre später die Seelennöte der amerikanischen Mittelklasse aufs Korn.

„Eine entheiratete Frau“ (1978), die einfühlsame Geschichte einer Emanzipation, holte drei Oscar-Nominierungen, darunter als bester Film. Mit seiner Kamera folgt Mazursky der von ihrem Mann verlassenen Erica (Jill Clayburgh), wie sie hilflos durch New York irrt. In der Komödie „Ein ganz normaler Hochzeitstag“ ist es Woody Allen, der nach einem Streit mit seiner Frau (Bette Midler) allein durch ein Einkaufszentrum stolpert.

Parallelen zu Woody Allen

Wie Woody Allen schrieb Mazursky die Drehbücher für die meisten seiner Filme und spielte selbst auch häufig mit. Auch drehten sich die Geschichten - wie bei Allen - oft um Treue, Trennungen und Therapie.

Den größten Erfolg an den Kinokassen feierte er mit der satirischen Gesellschaftskomödie „Zoff in Beverly Hills“ (1986) über Amerikas Neureiche. Richard Dreyfuss und Bette Midler mimen High-Society-Eheleute, die einen Obdachlosen (Nick Nolte) in ihre Villa aufnehmen.

Auseinandersetzung mit eigenen Wurzeln

Immer wieder kehrte Mazursky zu seinen jüdischen Wurzel zurück. In dem halb autobiografischen Film „Ein Haar in der Suppe“ (1976) flieht ein junger Mann aus der Enge seines jüdischen Elternhauses in das New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village. Mit der dunklen Komödie „Feinde - Die Geschichte einer Liebe“ verfilmte er 1989 den Bestsellerroman des polnischen Literaturnobelpreisträgers Isaac Singer. Mazurskys letztes Regiewerk war die Dokumention „Yippee“ (2006) über chassidische Juden in der Ukraine.

Link: