Waffenruhe für Netanjahu kein Thema
Die Hamas hat die Bewohner des Gazastreifens am Donnerstag dazu aufgerufen, sich bei israelischen Luftangriffen als menschliche Schutzschilde zu postieren. Das Innenministerium in Gaza warnte die Palästinenser außerdem davor, ihre Häuser nach anonymen Warnungen zu verlassen. Gewöhnlich kündigt die israelische Armee ihre Angriffe telefonisch an, um zivile Opfer zu vermeiden.
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Die israelische Menschenrechtsorganisation Betselem hatte am Mittwoch berichtet, mehrere Familienmitglieder und Nachbarn eines Hamas-Mitglieds seien am Vortag vor einem israelischen Angriff auf ihr Hausdach gestiegen. Dennoch sei eine Rakete abgefeuert worden, die acht Menschen getötet habe.
Die israelische Armee betonte, sie habe die Bewohner mehrfach gewarnt und abgewartet, bis sie das Haus verlassen hätten. Offenbar seien einige Personen aber unmittelbar vor dem Angriff zurückgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt sei der Einschlag der israelischen Rakete nicht mehr zu verhindern gewesen, sagte Armeesprecher Arje Schalikar. Er betonte, dass die israelische Armee alles tue, um den Tod von Zivilisten zu verhindern.
UNO-Chef fordert rasche Waffenruhe
Unterdessen hat die Eskalation des Konflikts die internationale Gemeinschaft auf den Plan gerufen: Bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats appellierte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon an Israelis und Palästinenser, schnellstmöglich eine Waffenruhe zu vereinbaren. Ban betonte, eine israelische Bodenoffensive könne nur verhindert werden, wenn die Hamas den Raketenbeschuss auf Israel stoppe. Auch die internationale Gemeinschaft müsse alles in ihrer Macht Stehende tun, um zur Entschärfung der Lage im Gazastreifen beizutragen, forderte Ban bei dem Sondertreffen am Donnerstag in New York. Zuvor hatte er die Konfliktparteien bereits vor einem „regelrechten Krieg“ gewarnt.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu telefonierte im Vorfeld der UNO-Sitzung mit zahlreichen führenden Politikern vor allem des Westens, um sich deren Unterstützung zu sichern. Laut der Zeitung „Haaretz“ betonte er vor dem Außen- und Verteidigungsausschuss des israelischen Parlaments aber, dass derzeit keine Gespräche über eine Waffenruhe geführt würden und das auch „nicht auf der Tagesordnung“ stehe. Die Forderung rechtsgerichteter Abgeordneter, die Stromversorgung für den Gazastreifen abzuschalten, wies Netanjahu demnach zurück. „Wir können uns nicht aufführen wie Russland in Tschetschenien“, habe er dazu bemerkt.
Stattdessen kündigte Netanjahu „weitere Stufen“ der Militäroffensive im Gazastreifen an. „Die Operation geht voran wie geplant“, sagte er am Donnerstagabend nach mehr als sechsstündigen Beratungen mit seinem Sicherheitskabinett. „Wir haben der Hamas schweren Schaden zugefügt, aber wir werden noch härter zuschlagen, während die Operation weitergeht“, meinte der Ministerpräsident.
„Besorgt über tote Zivilisten“
Ban erklärte, Israel habe „legitime Sicherheitsinteressen“. Allerdings sei er auch „besorgt über die vielen toten und verletzten palästinensischen Zivilisten infolge des israelischen Vorgehens“. Im Zuge der mehreren Hundert israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen seit Dienstag wurden mehr als 80 Palästinenser getötet. Ban sprach von rund 150 zerstörten Wohnhäusern. Die radikalislamische Hamas und die Palästinensergruppe Islamischer Dschihad feuerten Hunderte Raketen und Granaten auf israelische Ziele ab. Donnerstagnachmittag schlugen auch zwei Raketen in unbewohntem Gebiet in Jerusalem ein.
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