Probleme in Ungarn und Rumänien
Die Erste Group erwartet wegen anhaltender Probleme in Ungarn und Rumänien im laufenden Jahr einen Rekordverlust: Unter dem Strich werde voraussichtlich ein Minus von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro stehen, teilte das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen am Donnerstagabend nach Börsenschluss mit.
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Grund dafür sind hohe Einbußen durch die Pläne der ungarischen Regierung, die Banken bei Fremdwährungskrediten erneut zur Kasse zu bitten. In Ungarn und Rumänien machen der Bank höhere Vorsorgen für faule Kredite zu schaffen. Konzernweit erwartet das Institut hier nun einen Anstieg der Vorsorgen auf 2,4 Milliarden statt der bisher in Aussicht gestellten 1,7 Milliarden Euro. Zudem droht der Erste Group bei der rumänischen Tochter im schlimmsten Fall eine Abschreibung von einer Milliarde Euro, sollte die Bank ihre dortigen Firmenwerte und latente Steuern komplett wertberichtigen. Die Erste-Group-Aktie verlor nach der Gewinnwarnung mehr als 13 Prozent.
Treichl: „Schmerzhafter Schnitt“
Konzernchef Andreas Treichl sprach nach einer Vorstandssitzung Donnerstagabend gegenüber der APA von einem „schmerzhaften Schnitt“. Frisches Kapital müsse sich die Bank deswegen nicht beschaffen. Die Kernkapitalquote werde nur gering absinken und bei zehn Prozent bleiben, ohne dass irgendeine Kapitalmaßnahme nötig werde, so der Banker. Die Bank sei mit der - nicht kapitalwirksamen - rund 800 Millionen Euro schweren Rumänien-Abschreibung ein für allemal von Firmenwerten befreit. Treichl sprach dabei auch von einem Vorgriff auf die nächsten Jahre: Es sollte sichergestellt sein, dass es 2015, 2016 oder 2017 keine negativen Überraschungen mehr gibt.
Damit sei man auch mit den Anforderungen im Asset Quality Review (EZB-Bilanzcheck) durch. Treichl zeigte sich „überzeugt, dass wir den Asset Quality Review und den Stresstest gut abschließen werden“. Wichtig sei, dass man ab 2015 nicht mehr durch außerordentliche Effekte belastet werde. Ab dem Jahr 2015 werde der Reingewinn „stabiler und steigend“ sein.
Für 2014 wird der Vorstand wegen des hohen Verlusts jedenfalls keine Dividende vorschlagen, sagte der Erste-Chef heute. Weitere Nachrichten zu den heutigen Vorstandsentscheidungen und damit zusammenhängenden Maßnahmen soll es in der Halbjahrespressekonferenz am 31. Juli geben. Das konsolidierte Gruppenbetriebsergebnis der Ersten soll „leicht“ unter dem für 2014 prognostizierten Wert liegen. 2015 wird ein stark verbessertes Betriebsergebnis nach Risiko erwartet.
Hohe Verluste auch in den vergangenen Jahren
Das Geschäft in Ungarn und Rumänien bereitet der Bank bereits seit Jahren Kopfzerbrechen. 2011 verbuchte die Erste wegen hoher Abschreibungen auf beiden Märkten einen Jahresverlust von 719 Millionen Euro. Durch die nun erwarteten neuen Einbußen werde die harte Kernkapitalquote auf etwa zehn Prozent zum Jahresende schrumpfen - nach 11,1 Prozent per Ende März. Damit erfüllt die Bank die Anforderungen der Regulierer immer noch - auch ohne zusätzliche Kapitalspritzen. Für das laufende Jahr werde die Bank aber keine Dividende ausschütten, sagte ein Sprecher.
In Ungarn hatte die Regierung von Viktor Orban Banken bereits vor einigen Jahren gezwungen, Dollar- oder Euro-Kredite in die Landeswährung Forint zu wechseln. Das hatte den Instituten milliardenschwere Verluste eingebrockt. Vor der Finanzkrise haben viele Ungarn solche Fremdwährungskredite aufgenommen, die sie nun wegen des Verfalls des Forint nicht mehr zurückzahlen können. Die Regierung will die Banken nun unter anderem dazu verdonnern, rückwirkend Zins- und Gebührenerhöhungen für diese Kredite zurückzunehmen.
Faule Kredite in Rumänien
In Rumänien muss sich die Erste auf Druck der dortigen Notenbank von faulen Krediten trennen. Hintergrund ist die bevorstehende vertiefte Bilanzprüfung der EZB, bei der auch das Sparkassenspitzeninstitut unter die Lupe genommen wird. Die Erste könne beim Verkauf solcher notleidender Kredite aber nicht so hohe Preise erzielen wie gedacht.
Angesichts dieser trüben Aussichten muss das Institut schlimmstenfalls den kompletten Firmenwert in Rumänien von 800 Millionen Euro abschreiben. Hinzukommen könnte auch noch eine Abschreibung latenter Steuern über 200 Millionen Euro. 2015 rechnet die Erste Group mit einem „stark verbesserten Nettoergebnis“ - trotz weiterhin hoher Bankensteuern, wie die Bank erklärte. Es ist die dritte Gewinnwarnung eines österreichischen Unternehmens innerhalb weniger Tage wegen Problemen in Osteuropa: Auch die Telekom Austria und der Versorger EVN mussten ihre Prognose kippen und erwarten nun Verluste.
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