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Raketenbeschuss auch nach Luftangriff

Die israelische Luftwaffe hat laut Armeeangaben nach dem Beschuss mit palästinensischen Raketen in der Nacht auf Dienstag Angriffe gegen Ziele im Gazastreifen geflogen. Es seien „Präzisionsschläge“ gegen 34 Ziele im Gazastreifen geführt worden, teilten die Streitkräfte Dienstagfrüh mit. Seit Sonntagabend sei Israel mit mehr als 20 Raketen beschossen worden.

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Augenzeugen im Gazastreifen berichteten, überall seien Explosionen zu hören gewesen. Sicherheitsleute der radikalislamischen Hamas sagten, es seien mehr als 25 Luftangriffe innerhalb von weniger als zehn Minuten gewesen. Augenzeugen sprachen von Dutzenden Explosionen. Ziele seien Militäreinrichtungen der Hamas und des Islamischen Dschihad gewesen. Die Einrichtungen seien in Erwartung israelischer Luftangriffe bereits vorher evakuiert gewesen. Vom Meer aus habe die israelische Marine den nördlichen Gazastreifen beschossen.

Berichte über einen Toten und Verletzte

Nach Angaben des medizinischen Dienstes im Gazastreifen wurden bei Chan Junis vier Menschen verletzt. Einer wurde vermisst. Im Westjordanland sei in der Nähe eines Flüchtlingslagers ein Mensch von der israelischen Armee getötet worden, berichtete das Onlineportal Ynet unter Berufung auf palästinensische Angaben. Wenige Stunden vor den Luftschlägen waren die Leichen von drei vermissten israelischen Jugendlichen im Westjordanland gefunden worden. Palästinensische Extremisten feuerten nach der Attacke erneut Raketen auf Israel ab.

Harte Reaktionen angedroht

Die israelischen Luftschläge kamen nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Vorsitz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, bei der über eine Reaktion auf die Leichenfunde beraten wurde. Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete unter Berufung auf einen hohen Beamten, das Sicherheitskabinett habe keine unmittelbare Entscheidung über harte Maßnahmen getroffen. Das Gremium werde am Dienstag nach der Beerdigung der drei Jugendlichen erneut zusammentreten, sagte der Beamte diesen Angaben zufolge.

Israel hatte der radikalislamischen Hamas eine harte Reaktion angedroht. Die Leichen wurden zweieinhalb Wochen nach ihrem Verschwinden unter einem Steinhaufen auf einem Feld nordwestlich von Hebron gefunden, wie die Armee bestätigte. Die Tat sorgte weltweit für Entsetzen.

Tausende bei Bebgräbnis

An der Beisetzung der drei Jugendlichen in dem israelischen Ort Modi’in nahmen Tausende teil. Fernseh- und Radiosender unterbrachen ihr reguläres Programm und übertrugen die Trauerfeier. Verteidigungsminister Mosche Jaalon nutzte seine Rede, um Hamas-Anführern und Mitgliedern zu drohen: „Sie sollen wissen, dass wir sie verfolgen werden, wo auch immer sie sind, und wir werden hart gegen sie vorgehen.“

Regierung uneinig

Zuvor hatte Jaalon laut dem israelischem Militärradio eine gemäßigte Reaktion in Form weiterer Luftangriffe im Gazastreifen in Aussicht gestellt. Mehrere rechtsgerichtete Minister forderten demnach dagegen einen harten Schlag. Jaalon habe davor gewarnt, da das Israel in einen lange dauernden Kleinkrieg mit der Hamas verwickeln könnte, ähnlich wie bei der Aktion „Gegossenes Blei“, die Israel auf große internationale Kritik hin abbrechen musste.

Der rechtsgerichtete Außenminister Avigdor Lieberman nahm - wegen einer Auslandsreise - an der ersten Sitzung des Sicherheitskabinetts am Montagabend nicht teil. Gegenüber der Nachrichtenwebsite Ynet plädierte Liebermann aber am Dienstag für eine Fortsetzung der Aktion Schutzschild aus dem Jahr 2002. „Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken“, so der Außenminister.

Sondersitzung der Palästinenserführung

Präsident Mahmud Abbas berief nach dem Fund der Leichen für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung der Palästinenserführung ein. Dabei solle es um die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen gehen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Montag. Da laut israelischen Angaben Hamas-Aktivisten die drei Jugendlichen entführten und ermordeten, fordert Israel seit Tagen von Abbas, das Bündnis mit der Hamas aufzukündigen.

Die Hamas beschuldigte ihrerseits Israel, den Tod der drei Jugendlichen für weitere Militäraktionen gegen die Palästinenser zu benutzen. „Wir weisen alle israelische Unterstellungen und Drohungen gegen uns zurück“, hieß es in einer Erklärung der Hamas. Keine palästinensische Gruppe - auch nicht die Hamas - habe sich zu der Aktion bekannt.

Kurz nach Entführung erschossen

Die Jugendlichen wurden offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen. Ihre Leichen wurden nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort gefunden, an dem sie zuletzt gesehen worden waren. Am Dienstag wurde die Identität der Leichen nach DNA-Tests offiziell bestätigt.

Ebenfalls am Dienstag veröffentlichten israelische Medien nach der Aufhebung dre Nachrichtensperre erstmals den Notruf , den Gilad Schaar, einer der drei getöteten Jugendlichen, kurz nach seiner Entführung abgesetzt hatte. „Ich bin entführt worden“, flüstert eine Stimme zu Beginn der Aufnahme. Danach sind Schreie zu hören und eine Stimme mit arabischem Akzent mahnt: „Kopf runter! Hände runter!“ Anschließend ist ein Geräusch zu hören, das an Schüsse erinnert. Ein Teil der Aufnahme ist weiterhin unter Zensur. Die Polizisten, die den Notruf angenommen hatten, waren von einem Scherzanruf ausgegangen. Vier Polizisten wurden deshalb suspendiert.

Die Jagd nach den Entführern dauere unterdessen noch an, berichteten israelische Medien. Der Geheimdienst nannte zwei Hamas-Mitglieder als Tatverdächtige. Laut Medienberichten drang die Armee am Montagabend in die Häuser von zwei Verdächtigten in Hebron ein. Die israelische Armee dementierte Dienstagfrüh Medienberichte, die Häuser seien bis auf ihre Grundfesten zerstört worden. Man habe die Türen aufgesprengt, um in den Gebäuden nach Hinweisen für den Verbleib der beiden Hauptverdächtigen zu suchen, hieß es.

Israels Rechte fordert „tödlichen Schlag“

Rechtsorientierte israelische Abgeordnete forderten ein hartes Vorgehen gegen die Hamas. „Dieses tragische Ende muss auch das Ende der Hamas sein“, sagte Danni Danon von der Regierungspartei Likud. Er forderte eine Militäroperation und einen „tödlichen Schlag“ gegen die Hamas. Auch Parlamentspräsident Juli Edelstein (Likud) sagte: „Israel muss einen kompromisslosen Krieg gegen den Terror im Allgemeinen und speziell gegen die Hamas führen.“ Wirtschaftsminister Naftali Bennett sagte: „Es gibt keine Gnade für Kindermörder.“ Der Vorsitzende der Siedlerpartei sagte zudem: „Das ist eine Zeit für Taten, nicht für Worte.“

In Ostjerusalem soll es am Dienstag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen sein. Wie Augenzeugen berichteten, versuchten Hunderte Menschen unter „Tod den Arabern“-Rufen einen Markt im Osten der Stadt zu betreten. Sie seien von der Polizei abgehalten worden, berichtete Ynet.

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