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Könnte Bergung verzögern

Die Rettungsaktion in der Riesending-Schachthöhle in Bayern zählt ohnehin zum „Schwierigsten, was einem Höhlenretter passieren kann“, wie Norbert Rosenberger, Einsatzleiter der österreichischen Höhlenrettung, betont. Besorgt zeigen sich die Einsatzkräfte nun aufgrund der Wettervorhersage.

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Für die kommenden Tage sind Gewitter und Platzregen um den Untersberg vorausgesagt - ein enormes Risiko für den schwer verletzten deutschen Höhlenforscher und die Rettungskräfte. Bisher ging die Bergwacht Bayern davon aus, dass die Rettungsaktion drei bis fünf Tage dauern würde.

Riesending-Schachthöhle

Die Höhle ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Das gigantische Gangsystem umfasst eine Länge von 19,2 Kilometern und ist 1.148 Meter tief. Der Eingangsschacht war im Rahmen einer Plateauvermessung bereits im Jahr 1995 entdeckt worden, blieb jedoch im Schatten anderer Projekte bis 2002 nahezu unbeachtet.

Doch sollte es zu starkem Regen kommen, könnte sich die Bergung verzögern, bis das Wasser aus den riskanten Bereichen wieder verschwunden ist. „In Passagen, die zuvor trocken waren, könnte dann Wasser eintreten. Wenn es nur ein wenig regnet, ist das noch kein Problem, starker Regen könnte aber zu einem großen Problem werden“, warnt der Geologe Edgar Dachs - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Österreichischer Arzt auf dem Weg

Nur drei spezialisierte Ärzte aus ganz Europa weisen die Fertigkeiten für einen solchen Extremeinsatz auf. „Wir haben aus ganz Europa drei Ärzte gemeldet bekommen, die bereit und in der Lage sind, in die Höhle zu gehen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, am Dienstag in Berchtesgaden. Die Mediziner stammten aus Italien, Deutschland und Österreich. Der Österreicher startete bereits Dienstagmittag gemeinsam mit drei Schweizer Höhlenrettern in die Tiefe. Er soll im Laufe des Mittwochvormittags bei dem Verunglückten in knapp 1.000 Meter Tiefe eintreffen.

Helfer bauen Schächte für Aufstieg aus

Unterdessen sind zwei Helferteams aus Italien in die Höhle eingestiegen, um die Schächte für den Aufstieg der Retter vorzubereiten. Dabei werden Ausbaumaßnahmen ergriffen und beispielsweise weitere Seile angebracht. Ein drittes Team ist Mittwochfrüh mit einem weiteren Arzt in die Höhle aufgebrochen. Aufgrund der Anstrengung müssen die Teams in der Höhle immer wieder ausgetauscht werden.

Grafik zeigt stilisierte Höhle in Bayern

APA/ORF.at

Ein österreichischer Arzt hatte zuvor aufgeben müssen: Die extremen Bedingungen in der Höhle forderten zu viel Kraft - zudem hatte der Arzt schon einen Einsatztag hinter sich, als er als Erster nach dem Unglück alarmiert wurde. Schneider sagte, ihm gebühre größter Respekt, dass er versucht habe, zu dem Patienten zu kommen. „Die Höhle ist dermaßen lang und tief und schwierig, dass es nur wenigen möglich ist, vorzudringen.“

Schächte bis zu 200 Meter tief

Die Bedingungen sind eine enorme Herausforderung für die Rettungsmannschaft - nicht nur wegen des befürchteten Regens. Die Höhle ist durchzogen von fast senkrecht abfallenden, bis zu 200 Meter tiefen Schächten, unterirdischen Bächen und engen Gängen. Die Temperaturen unter dem Berg schwanken zwischen 1,5 und fünf Grad. Auch die Gefahr von Steinschlag ist enorm.

Gleich am Einstieg muss über 300 Meter senkrecht in die Tiefe abgeseilt werden, ähnlich geht es bis in 1.000 Meter Tiefe weiter. Danach müssen die Forscher aus eigener Kraft am Seil wieder hinauf. Die körperliche und psychische Herausforderung sei enorm, so Bergretter. Nur wenige Helfer sind in der Lage, in die Höhle und vor allem zum Unfallort im Inneren des Berges zu gelangen.

Aufstieg in Etappen

Der Verletzte soll in mehreren Etappen nach oben gebracht werden. Dafür wurden auf mehreren Ebenen fünf Biwakstationen eingerichtet, um Pausen einlegen zu können. „Wenn wir eine Etappe pro Tag schaffen, ist das, denke ich, eine gute Leistung“, sagte Klemens Reindl von der Bergwacht Bayern. Mittlerweile wurde auch ein Kommunikationssystem in der Höhle bis in 350 Meter Tiefe eingerichtet. Ein Retterteam befindet sich laut Reindl derzeit beim Verletzten. Medikamente, Ausrüstung und Nahrungsmittel wurden ebenfalls bereits zum Unfallort gebracht.

Fahrzeug der Höhlenrettung

APA/AP/Kerstin Joensson

Spezialisten aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz sind im Einsatz

Zustand stabil

Der 52-jährige Höhlenforscher war mit zwei Begleitern auf einer Expedition unterwegs. Er erlitt in der Nacht auf Sonntag durch einen plötzlichen Steinschlag in rund 1.000 Meter Tiefe eine Verletzung am Schädel und am Oberkörper. Aus eigener Kraft konnte er die Höhle nicht mehr verlassen. Ein Kollege blieb bei ihm, der Zweite holte Hilfe und brauchte für den Aufstieg in der größten und tiefsten Höhle Deutschlands zwölf Stunden. Der Verletzte ist ein Mitentdecker der Höhle.

Laut Bergwacht geht es dem Mann besser als befürchtet. Er sei ansprechbar, kreislaufstabil und könne mit Unterstützung auch kurzfristig stehen. Sein stabiler Zustand ist entscheidend, denn ohne Mithilfe des Verletzten wird es schwierig, ihn in an die Oberfläche zu bringen.

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