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Rem Koolhaas kuratiert Biennale

2010 hat er den Goldenen Löwen der Architekturbiennale in Venedig erhalten - heuer steht der niederländische Stararchitekt Rem Koolhaas als Kurator selbst an der Spitze des internationalen Festivals. Er folgt damit auf den Briten David Chipperfield, der 2012 für die Ausrichtung der Ausstellung verantwortlich zeichnete.

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Koolhaas, geboren als Sohn eines Schriftstellers im von deutschen Bombern verwüsteten Rotterdam, verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend mit den Eltern in Indonesien. Er lernte die Hauptsprache des Inselgroßreichs. „Dieser Zeit verdanke ich meine asiatische Ader.“ Zurück im „ordentlich, aber langweilig wiedererbauten“ Rotterdam, begann sein Interesse für Architektur.

Berühmt wurde Koolhaas, der anfangs als Journalist und Drehbuchautor sein Geld verdiente und von 1968 bis 1972 in London Architektur studierte, zunächst nicht mit einem Bauwerk, sondern einem Werk über Bauten: 1978 kam sein „Delirious New York“ heraus und wurde bald zum Kultbuch für moderne Städtebauer. Koolhaas definierte das scheinbare Chaos des Urbanen als lebenswerten Raum und Katalysator für gesellschaftliche Entwicklung.

Weltweiter Durchbruch mit kühnen Entwürfen

Das verschaffte seinem drei Jahre zuvor mit Kollegen in Rotterdam gegründeten Office for Metropolitan Architecture (OMA) zwar erste größere Aufträge, aber was das OMA-Team zeichnete, war Bauherren dann doch meist viel zu kühn. Erst viel später kam der weltweite Durchbruch, wurde OMA zu einem „Global Player“ mit Millionenumsätzen. Neid mag eine Rolle spielen, wenn Kollegen daheim manchmal die Nase über Koolhaas-Entwürfe rümpfen. Doch so mancher konnte davon profitieren, dass durch Koolhaas das Interesse an niederländischer Architektur weltweit wuchs.

Gefürchtet ist freilich bei Bauherren ein gewisser Starrsinn des Rotterdamer Meisters, wenn es um erbetene Veränderungen geht, die seine Bauten ein wenig bequemer für die Nutzer machen sollen. So galt die 2004 von Königin Beatrix eröffnete Botschaft der Niederlande in Berlin zwar als „der aufregendste Diplomatenbau in Deutschland“. Doch die Mitarbeiter klagten über miese Akustik, niedrige Arbeitsräume und schwer sauber zu haltende Aluminiumböden.

Koolhaas’ „Unterhose“ in Peking

Zu den bekanntesten Konstruktionen des Architekten zählt das Sendegebäude des chinesischen Staatsfernsehens CCTV in Peking. Der gewaltige Bau, der durch ein rhombisches Loch den Blick auf das Häusermeer der Stadt freigibt, erinnert an einen geknickten Bildschirm in 250 Meter Höhe. „Die Unterhose“ nennen viele Pekinger die surrealistisch anmutenden Türme. Doch nicht allein an der eigenwilligen Gestaltung entzündete sich der Streit. Kollegen hielten dem Holländer vor, in China baue man als Westler vielleicht Krankenhäuser oder Schulen, aber nicht einen Palast für TV-Propaganda.

Das CCTV-Gebäude in Peking

picturedesk.com/EPA/Adrian Bradshaw

Der CCTV-Tower in Peking wird gern als riesige „Unterhose“ verspottet

„Paktieren Sie mit einer Diktatur?“, fragte „Die Zeit“. Es sei falsch, erwiderte Koolhaas, China immer nur zu kritisieren. Das Land verändere sich auf seine Weise zum Besseren, Zusammenarbeit sei der beste Weg, dabei zu helfen. Zudem müsse der Westen aufhören, „so zu tun, als besäße er immer noch die Welthegemonie. Im Moment erleben wir eine drastische Verschiebung, plötzlich verlagern sich die Kräfte nach China, nach Südostasien, in den arabischen Raum“.

Koolhaas sei nun mal ein Visionär, der nach unantastbarer Schönheit strebe, hört man von seinen Bewunderern. Andere glauben einen gewissen Hang zum Größenwahn auszumachen, der wirklich großen Architekten natürlich öfter nachgesagt wird. Am treffendsten hat es vielleicht sein amerikanischer Kollege Charles Jencks ausgedrückt: „Rem hat ein Herz, aber er hat beschlossen, es auf Eis zu legen.“

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