Guantanamo-Häftlinge nach Katar
Ein Tauschhandel, der zur Freilassung des US-Soldaten Bowe Bergdahl aus fünfjähriger Taliban-Gefangenschaft geführt hat, lässt in den USA die Wogen hochgehen. Während sich US-Präsident Barack Obama feiern lässt, kritisieren die Republikaner die im Gegenzug vereinbarte Überstellung von fünf afghanischen Häftlingen aus dem US-Lager Guantanamo Bay nach Katar scharf.
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Es waren Bilder, die sich Obama nicht entgehen lassen wollte: Nur wenige Stunden nach der Freilassung von Bergdahl trat er am Samstagabend gemeinsam mit den Eltern des Soldaten im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington vor die Presse. Jani und Bob Bergdahl wirkten überwältigt. „Wir werden für Bowe stark bleiben, während er sich erholt“, sagte die Mutter, die mehrfach den Tränen nahe war.

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Obama gemeinsam mit den Eltern von Bergdahl vor dem Weißen Haus
Obama dankte auch dem Emir von Katar und der afghanischen Regierung für ihre Hilfe bei der Freilassung Bergdahls. Bergdahl war Ende Juni 2009 in der Nähe eines US-Militärstützpunktes in Afghanistan verschwunden und erst nach mehreren gescheiterten Verhandlungen Samstagabend freigekommen. Der Soldat habe „Geburtstage, Urlaube und die einfachen Momente mit Familie und Freunden entbehren müssen, die für uns alle so selbstverständlich sind“, sagte Obama. „Aber vergessen haben wir ihn nie.“
Republikaner fürchten Präzedenzfall
In den US-Medien wurde Bergdahls Freilassung zwar mit Jubel und Erleichterung aufgenommen, zugleich gab es aber scharfe Kritik der Republikaner an der Art und Weise, wie sie zustande kam. Namhafte Oppositionspolitiker warfen Obama einen Gesetzesverstoß vor. Der republikanische Senator John McCain bezeichnete die Freigelassenen als „hartgesottene Terroristen“. Sein Parteifreund Mike Rogers sprach von einem Präzedenzfall, der Anreize für weitere Entführungen schaffen könnte.
„Bergdahls Gesundheit war in Gefahr“
Am Sonntag nahm daher auch Verteidigungsminister Chuck Hagel, der überraschendend nach Afghanistan gereist war, zu dem Fall Stellung. Die USA hätten Erkenntnisse gehabt, dass „Bergdahls Sicherheit und Gesundheit in Gefahr waren“, so Hagel. „Es war unsere Einschätzung, dass wir eine Möglichkeit finden könnten und sehr schnell handeln mussten; dass wir ihn da herausholen müssen, um sein Leben zu retten.“ Nur eine Handvoll Menschen sei in die Operation eingeweiht gewesen. Man habe sich keine Informationslecks erlauben können.

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Bergdahl auf einem Video der Taliban
Eigentlich müssen dem Kongress Entlassungen aus Guantanamo 30 Tage im Voraus mitgeteilt werden. Hagel zufolge verleiht aber die US-Verfassung dem Präsidenten das Recht zu einer solchen eigenmächtigen Maßnahme. Es seien zum Glück bei der Befreiung keine Schüsse gefallen. „Es gab keine Gewalt“, sagte Hagel. Alles sei perfekt abgelaufen.
Kabul verurteilt Überstellung
Nach der Überstellung der Guantanamo-Häftlinge nach Katar protestierte die Regierung in Kabul vehement gegen das Vorgehen der USA: Die Überstellung der Taliban-Mitglieder sei illegal, weshalb die Männer unverzüglich freigelassen werden müssten, erklärte das afghanische Außenministerium am Sonntag (Ortszeit). Gemäß dem Völkerrecht dürfe „keine Regierung den Bürger eines Landes als Gefangenen an einen Drittstaat“ ausliefern.
Taliban feiern „großen Sieg“
Unter den Taliban herrschte Jubel. Taliban-Anführer Mullah Omar sprach von einem „großen Sieg“. Bei den fünf freigelassenen Häftlingen handelt es sich um ehemals ranghohe Taliban-Mitglieder. Unter ihnen sind der einst als Taliban-Innenminister festgenommene Chairullah Chairchwa sowie ein Vizeverteidigungsminister und stellvertretender Geheimdienstchef der 2001 gestürzten Taliban-Regierung. Nach Angaben aus informierten Kreisen in Katar müssen die Taliban-Kämpfer nun ein Jahr im Emirat bleiben.
Sowohl von amerikanischer als auch von afghanischer Seite hofft man nun auf Friedensgespräche „in naher Zukunft“, wie Ismail Kasimyar vom Hohen Friedensrat in Afghanistan am Sonntag sagte. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid warnte dagegen vor zu viel Optimismus. Es habe sich lediglich um einen „Austausch von Kriegsgefangenen“ gehandelt, nicht um einen „politischen“ Vorgang.
Untersuchung oder Beförderung?
Bergdahl traf unterdessen in Deutschland ein, wo der 28-Jährige im US-Militärkrankenhaus am US-Stützpunkt Landstuhl medizinisch betreut wird, wie die US-Armee mitteilte. Wie lange er sich auf dem Stützpunkt nahe Kaiserslautern aufhalten wird, bevor er in sein Heimatland zurückkehrt, sei noch nicht abzusehen. Allzu eilig dürfte es Bergdahl aber nicht haben, denn in den USA erwarten ihn einige unangenehme Fragen über die Umstände seines Verschwindens.
Medien zufolge hatte er sich kurz vor seiner Entführung kritisch über den US-Militäreinsatz in Afghanistan geäußert. Einige Kameraden hätten ihn deswegen als Deserteur gesehen. Doch aus Pentagon-Kreisen verlautete schon, dass der 28-Jährige wohl nicht mit einer Strafe zu rechnen habe. Vermutlich werde er sogar eher befördert.
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