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„Ein Pädagoge ist mehr wert als Neymar“

Zwei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft ist die brasilianische Polizei mit Tränengas gegen rund 2.500 Demonstranten vorgegangen. Die Sicherheitskräfte versuchten, am Dienstag einen Protestmarsch auf das umstrittene neue Stadion in der Hauptstadt Brasilia im Zaum zu halten.

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Die öffentliche Ausstellung des WM-Pokals vor der Arena wurde abgebrochen. An der Kundgebung beteiligten sich neben Ureinwohnern zahlreiche Obdachlose, Ältere und Kinder. Die Demonstranten marschierten zunächst friedlich in Richtung des WM-Stadions, nach dem Beginn des Polizeieinsatzes warfen einige Steine. Zuvor waren etwa 300 Ureinwohner in traditioneller Kleidung auf das Parlamentsgebäude geklettert und hatten auf dem Dach protestiert.

Proteste

Reuters/Lunae Parracho

Die Polizeikavallerie hielt die Demonstranten in Schach

Vertreter von rund hundert indigenen Volksgruppen aus ganz Brasilien waren gekomen, darunter auch der 84-jährige Amazonas-Häuptling Raoni Metuktire vom Volk der Kayapo, der durch seinen Einsatz für den Amazonas-Regenwald an der Seite des Rockmusikers Sting weltweit bekanntwurde. Der Häuptling Tamalui Kuikuru aus der Region Xingu im Westen Brasiliens bezeichnete die Protestaktion auf dem Dach des Parlamentsgebäudes als „mutige Tat“. „Sie zeigt, dass wir Krieger sind und unsere Rechte verteidigen“, fügte er hinzu.

Von den 200 Millionen Brasilianern sind nur 0,3 Prozent Ureinwohner. Sie waren in den vergangenen Monaten mehrfach gegen eine Verkleinerung ihrer angestammten Gebiete und großflächige Landwirtschaft auf die Straße gegangen.

Seit Monaten soziale Unruhen

Wegen der immensen Kosten der Fußball-WM richtet sich der Zorn vieler Brasilianer gegen die Behörden und das Sportereignis an sich sowie gegen Korruption und Mängel bei Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen. Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen und Monaten teils gewalttätige Proteste. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, viel Geld in Prestigeprojekte zu stecken und wichtige andere Aufgaben zu vernachlässigen. Das gesamte Projekt kostet mit umgerechnet etwa 620 Millionen Euro fast dreimal so viel wie ursprünglich veranschlagt. Die WM beginnt am 12. Juni in der Metropole Sao Paulo.

Auch „Selecao“ bekommt Wut zu spüren

Auch die brasilianische Nationalmannschaft bekam zuletzt den Zorn der Bevölkerung zu spüren. Demonstranten bereiteten der „Selecao“ zu Wochenbeginn bei ihrem Eintreffen in Rio de Janeiro einen wütenden Empfang. „Ein Pädagoge ist mehr wert als Neymar“, skandierten rund 200 streikende Lehrer am Montag in Bezug auf den Starstürmer, als sich der Bus mit den Fußballern an Bord auf dem Flughafen seinen Weg durch die Menge bahnte. Seit Monaten gibt es in Brasilien Proteste gegen die hohen WM-Kosten.

Trotz eines großen Polizeiaufgebots zwangen die Demonstranten den Konvoi, langsamer zu fahren. Einigen gelang es, Aufkleber mit Anti-WM-Parolen an das Fahrzeug zu kleben. Die Nationalelf war auf dem Weg vom Flughafen der Metropole Rio de Janeiro in ihr schwer bewachtes Trainingscamp im rund 90 Kilometer entfernten Teresopolis. Auch dort erwarteten neben Fans und Schaulustigen erneut Demonstranten die Fußballstars.

„Niemand ist gegen die Selecao“

Sportdirektor Carlos Alberto Parreira versuchte die Proteste herunterzuspielen. „Machen Sie daraus, was Sie wollen, ich glaube, die Mannschaft ist das kulturelle und sportliche Erbe des brasilianischen Volkes“, sagte Parreira bei einer Pressekonferenz in Teresopolis. Er habe „nicht den geringsten Zweifel“ daran, dass die Brasilianer ihre Nationalelf während der Weltmeisterschaft unterstützen würden. „Niemand ist gegen die Selecao.“

Allerdings erzürnt viele Menschen auch die teure Renovierung des Granja-Comary-Trainingslagers der Nationalmannschaft in Teresopolis. Zu dem Komplex gehören 39 Einzelzimmer mit King-Size-Betten und mehrere Fußballfelder, auf denen Trainer Luiz Felipe Scolari mit seinen Spielern trainieren will. Auf einem Plakat der Demonstranten am Montag stand geschrieben: „Milliarden für die Fußball-WM, kein Obdach für die Opfer der Regenfälle von 2011. Findet Ihr das fair?“

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