Erdogan kritisiert in Köln-Rede deutsche Medien
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei seiner Rede in Köln die Berichterstattung deutscher Medien über das Bergwerksunglück von Soma kritisiert. Ein Teil der deutschen Medien habe versucht, das Unglück für sich auszuschlachten, und die türkische Regierung beleidigt, sagte Erdogan gestern Abend in der Lanxess-Arena.
Eine Zeitschrift habe sogar die Schlagzeile gebracht „Zum Teufel mit Erdogan“. „Wie das wohl geschehen soll?“, fragte Erdogan unter empörten Rufen der Zuhörer. Auch in der Türkei versuchten einige Kräfte, die Situation auszunutzen und hätten zum Teil illegale Aktionen unternommen, sagte Erdogan. Nach dem Grubenunglück mit 301 Toten war in der Türkei scharfe Kritik an der Regierung laut geworden.
Zehntausende demonstrierten
Unter dem Jubel Tausender Zuschauer hatte Erdogan zuvor die voll besetzte Halle betreten, um dort am Abend eine Rede zu halten. Der Auftritt war schon im Vorfeld heftig kritisiert worden. Zehntausende protestierten gleichzeitig in der Domstadt gegen Erdogans Politik.
Der Regierungschef sprach offiziell zum zehnjährigen Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die als verlängerter Arm seiner Partei AKP gilt. Viele deutsche Politiker glauben jedoch, dass es ihm darum geht, Stimmen zu sammeln. Es gilt als wahrscheinlich, dass Erdogan im August bei der Präsidentschaftswahl kandidiert. Etwa 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken können sich daran beteiligen.