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„Totale Verwüstung“

Bei den verheerenden Überschwemmungen auf dem Balkan sind mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Die Lage am Fluss Save, der durch den Norden Bosniens und den Westen Serbiens fließt, blieb am Sonntag vielerorts kritisch. Zehntausende Menschen in beiden Ländern mussten ihre Häuser verlassen. Eine Entspannung der Lage ist noch nicht in Sicht.

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„Was uns widerfährt, geschieht nur einmal in tausend Jahren, nicht hundert, sondern tausend“, sagte der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic. Die größten Probleme gebe es entlang der Save. Über den betroffenen Gebieten waren in den vergangenen Tagen die heftigsten Regengüsse seit mehr als 120 Jahren niedergegangen.

Sorge um Kraftwerke

Dutzende Städte in den Balkan-Staaten stehen unter Wasser. Allein im nordbosnischen Doboj wurden laut Angaben von Bürgermeister Obren Petrovic mehr als 20 Tote in die örtliche Leichenhalle gebracht. Man müsse herausfinden, wie viele Menschen in den Fluten umkamen: „Es werden viele Tote sein.“ Aus anderen Landesteilen wurden mindestens sieben weitere Tote gemeldet.

Männer fahren auf einem Bulldozer durch überflutetes Gebiet

APA/AP/Darko Vojinovic

Hilfe per Bulldozer in Obrenovac

16 Tote verzeichneten die serbischen Rettungsteams, darunter zwölf in der Stadt Obrenovac unweit von Belgrad. Dort bestand Gefahr für das Kraftwerk Nikola Tesla, das einen Gutteil der Stromproduktion Serbiens sicherstellt. Auch das Kraftwerk in Kolovac nahe Belgrad versuchte man mit Sandsäcken vor den Wassermassen zu schützen. Zwar hieß es bereits, beiden Kraftwerken drohe keine Gefahr mehr, doch wartet man nun auf eine mögliche zweite Flutwelle. Schon jetzt sind laut Reuters 40 Prozent der Stromerzeugung Serbiens ausgefallen, das Land muss Energie importieren.

Ausmaß der Schäden enorm

Das Ausmaß der Schäden ist kaum abzuschätzen. Viele Landwirtschaftsflächen sind verwüstet. Ministerpräsident Vucic bezifferte den finanziellen Schaden allein durch die Überflutung der Grube von Kolubara, dem größten Kohlebergwerk von Serbien, auf 100 Millionen Euro. In Sremska Mitrovica und anderen serbischen Städten wurde eine Million Sandsäcke aufgetürmt, um die Wassermassen zurückzuhalten. In der Hauptstadt Belgrad waren Tausende Freiwillige zur Verstärkung der Uferbefestigungen im Einsatz. Dort mündet die Save in die Donau.

Osten Kroatiens unter Wasser

Auch große Teile im Osten Kroatiens stehen unter Wasser. Ein Mann starb in einem zusammenbrechenden Haus. Die Tageszeitung „Vecernji list“ berichtete, nur wenige Minuten zuvor sei eine Frau aus dem Haus gerettet worden. Mehrere Dörfer in Kroatien sind von der Außenwelt abgeschnitten, Hunderte mussten in Booten und Lkws aus den überfluteten Gebieten flüchten. Die Menschen wurden provisorisch in Schulen und Sporthallen untergebracht.

Im bosnischen Samac warteten am Sonntag Hunderte Menschen auf Hilfe. Die Einsatzkräfte konnten aber zunächst nicht zu allen Eingeschlossenen in der Kleinstadt vordringen, sagte Bürgermeister Samo Minic: „Das ist die völlige Verwüstung, es sieht vom Hubschrauber wie ein Meer aus.“

Luftaufnahme der überfluteten Stadt Brcko

Reuters/Dado Ruvic

Wasser, so weit das Auge reicht - hier bei Brcko

Rund um Zenica in Zentralbosnien warteten Hunderte Menschen auf das Eintreffen der Helfer. Alle Häuser der Ortschaft seien durch Erdrutsche beschädigt oder zerstört worden, sagte ein Bewohner, der in einer Notunterkunft Zuflucht fand. In der Region Banja Luka im Norden des Landes wurden nach dem Sinken des Wasserpegels Hunderte Tierkadaver entdeckt.

Warnung vor Landminen

In Bosnien warnten die Behörden vor Gefahren durch das Freispülen von Minenfeldern aus dem Bosnienkrieg (1992-1995). Schätzungen zufolge dürften noch rund 120.000 Minen nicht geräumt sein. Das Minenaktionszentrum MAC warnte die Bevölkerung, dass die Sprengkörper Hunderte Kilometer unter anderem bis zum Schwarzen Meer geschwemmt werden könnten. Die Gegenden um die Städte Doboj und Olovo, die jetzt besonders hart vom Hochwasser betroffen sind, sind noch stark vermint.

Spendenkonten

Caritas Österreich, „Hochwasserhilfe Südosteuropa“, PSK, IBAN: AT92.6000.0000.0770.0004, BIC: OPSKATWW

Österreichisches Rotes Kreuz, „Flut in Südosteuropa“, Erste Bank, IBAN: AT57.2011.1400.1440.0144, BIC: GIBAATWWXXX

Diakonie Katastrophenhilfe, „Fluthilfe“, Erste Bank, IBAN: AT85.2011.1287.1196.6333, BIC: GIBAATWWXXX

Malteser Hospitaldienst Austria, „Hochwasserhilfe Südosteuropa“, PSK, IBAN: AT43.6000.0000.0100.0999, BIC: OPSKATWW

Volkshilfe Nothilfe, „Hochwasser am Balkan“, PSK, IBAN: AT77.6000.0000.0174.0400, BIC: OPSKATWW

Hilfe aus EU-Staaten und Russland

Vucic bedankte sich am Sonntag für die seinem Land bisher geleistete internationale Hilfe und erwähnte in diesem Zusammenhang namentlich Russland und Österreich. Die österreichische Regierung habe große Hilfe und Sondermannschaften geschickt, so Vucic. Der Regierungschef musste wegen der Überschwemmung einen Besuch in Österreich absagen. Die Hilfe sei praktisch von allen Staaten in der Region und darüber hinaus gekommen, so Vucic.

„Es hat sich gezeigt, dass die Politik der Freundschaft und der Zusammenarbeit in der Region dem Land viel bedeutet und man dank schneller Maßnahmen schwerere Folgen abwenden konnte (...) Wir werden die geleistete Hilfe gut in Erinnerung bewahren und sie erwidern“, sagte Vucic. Ausländische Rettungsteams seien angesichts der sich beruhigenden Situation nicht mehr notwendig, dafür aber Hilfslieferungen.

Hilfe auch aus Österreich

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sicherte dem serbischen Premier wie auch dem ebenfalls schwer von den Fluten getroffenen Bosnien Österreichs Mitgefühl und Unterstützung zu. Der Außenminister sprach von einer „dramatischen Situation in Serbien und Bosnien“. Derzeit sind laut Außenministerium Mitglieder der österreichischen Wasserrettung und Feuerwehren aus Wien, Niederösterreich und Kärnten im Einsatz. Sie haben Boote, Versorgungswagen, Fahrzeuge und Pumpen dabei - mehr dazu in noe.ORF.at und kaernten.ORF.at.

Vier Bundesheerhubschrauber brachten in Bosnien in den vergangenen Tagen in 160 Einsätzen mehr als 800 Personen in Sicherheit. Drei Alouette 3 und ein Black Hawk flogen laut Verteidigungsministerium am Sonntag seit Tagesanbruch in Maglaj, Tuzla und Zenica Schwangere, Dialysepatienten und vom Hochwasser eingeschlosse Frauen, Männer und Kinder aus. Ein Ende des Einsatzes ist derzeit nicht absehbar.

Papst gedenkt der Opfer

Papst Franziskus gedachte unterdessen bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz der Opfer der schweren Hochwasserkatastrophe. Vor mehreren zehntausend Gläubigen verwies er am Sonntag auf die Überschwemmungen vor allem in Serbien und Bosnien und empfahl die Opfer der Barmherzigkeit Gottes. Zugleich bekundete er seine Verbundenheit mit allen Menschen, die dort derzeit in Angst und Sorge lebten.

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