Plastik-Venedig gegenüber dem Original
Auch die Lagune von Venedig soll ihr Riesenrad bekommen. Auf einer verlassenen künstlichen Insel, die als Mülldeponie diente, soll ein Vergnügungspark mit Riesenrad entstehen. 80 Millionen Euro will der Unternehmer Alberto Zamperla investieren, berichtete die Tageszeitung „La Repubblica“ Ende April - ein nicht unumstrittener Plan.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Zamperla steht zu seinen Plänen für eine Art „Veniceland“: Geplant ist ein historischer Vergnügungspark über die Geschichte der Republik Venedig. Dementsprechend erhitzt der Plan die Gemüter der venezianischen Bürger. Zwei Jahre lang sollen die Bauarbeiten für den Vergnügungspark dauern, der 500 Personen beschäftigen und allein im ersten Jahr 400.000 Schaulustige anlocken wird. In fünf Jahren könnte sich die Besucherzahl sogar verdoppeln.
Ein „seriöses“ Angebot?
Sechs Millionen Euro sollen zur Sanierung der verlassenen Insel ausgegeben werden. Zamperla betont, es werde sich um ein seriöses touristisches Angebot handeln: Auf großen Bildtafeln sollen Besucher demnach die Geschichte der Republik Venedig mitverfolgen können. Geplant ist auch der Bau künstlicher, mit Booten befahrbarer Kanäle. In einem Amphitheater sind Aufführungen und Konzerte geplant. Er wolle der Stadt „ein verlassenes Gelände zurückgeben“, erklärte er.
In der Stadtverwaltung stoßen die Pläne aber auf wenig Gegenliebe. „Wir wollen nicht, dass eine ganze Insel zum Disneyland wird“, protestierte das für Umweltfragen zuständige Stadtratmitglied Gianfranco Bettini. Der Sacco San Biago ist eine Aufschüttung westlich der Insel Giudecca. Die Luftlinie zwischen dem Vergnügungspark und dem Markusplatz wäre kaum 1,5 Kilometer. Die Projektvisualisierungen auf Zamperlas Unternehmenswebsite besänftigen Skeptiker kaum.
Zamperla schimpft auf „Inquisitoren“
Die Computervisualisierungen des Projekts „Dogesviluppo“ zeigen ein Riesenrad, eine Wasserrutsche und allerhand andere Fahrgeschäfte und Attraktionen - allesamt pseudovenezianisch dekoriert. Ohnehin taucht aber die Frage auf, ob Zamperla angesichts des Widerstands nicht die Lust am Projekt verliert. „Manchmal, wenn ich mit den Leuten rede, komme ich mir vor, als stünde ich vor der Inquisition oder einem Tribunal“, meinte er zuletzt gegenüber der „New York Times“.
Es hätte mehr als einen Hauch Ironie, würde Zamperla ausgerechnet bei diesem Projekt scheitern. Die Firma Zamperla aus Vicenza, von Alberto Zamperlas Vater Antonio gegründet, ist einer der weltweit führenden Entwickler von Vergnügungsparks und Attraktionen. In den USA (Coney Island, Disneyland) ist er ebenso tätig wie in Asien und vielen europäischen Vergnügungsparks. Das Projekt in Venedig wäre sein erstes großes in der Heimat, Venedig hat aber noch immer keine Baubewilligung erteilt.
Links: