Punktestrategien und Wettquoten
Fröhliche Isländer, Country-selige Niederländer, russische Popzwillinge und ein melancholischer Montenegriner: Das sind einige der zehn Kandidaten, denen am Dienstag der Einzug in das Finale des heurigen Eurovision Song Contest in Kopenhagen gelungen ist. Damit stehen 16 der 26 Finalisten fest.
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Österreichs Song-Contest-Vertreterin Conchita Wurst hat mit ihren Auftritten und Interviews im Laufe der Woche in Kopenhagen bei den Wettquoten einige Plätze gutgemacht. Im zweiten Halbfinale, das am Donnerstag über die Bühne geht, sehen die Buchmacher sie auf Platz vier und damit auf einem fixen Finalplatz. Und in der Gesamtreihung für das Finale ergibt der Schnitt aus 18 Wettbüros bereits Platz acht - Tendenz steigend.

ORF/Milenko Badzic
Conchita Wurst absolvierte unzählige Presseauftritte in Kopenhagen, unter anderem im dänischen Fernsehen
Ein Top-Ten-Ergebnis wäre für Österreich schon ein kleiner Sieg, gelang das immerhin in den letzten zehn Jahren keinem heimischen Teilnehmer und in den letzten 20 Jahren nur dreimal: George Nussbaumer 1996 („Weil’s dr guat got“, Platz zehn), Bobbie Singer 1999 („Reflection“, Platz zehn) und Alf Poier 2003 („Weil der Mensch zählt“, Platz sechs).
Woher die Punkte kommen könnten
In Kopenhagen hat Wurst mit ihrer Promotiontour jedenfalls viel Aufmerksamkeit erregt, durch ihre auffallende Erscheinung und ihre souveränen Auftritte konnte sie einiges an positiver internationaler Presse für sich und Österreich verbuchen. Das bringt hoffentlich auch Punkte: vielleicht sogar jene zwölf aus Deutschland, die Österreich erst einmal in der Geschichte des Bewerbs bekommen hat - 2011 für Nadine Beiler mit dem Song „The Secret Is Love“.
Die (gegenseitige) Verhaltenheit zwischen Deutschland und Österreich bei der Bewertung ist nicht unbedingt Zufall. Jeder, der die Punktevergabe des Song Contest auch nur einmal gesehen hat, hat bemerkt, dass erstaunlich viele Punkte gerade den Sprung von einem Land ins Nachbarland schaffen. Das mag ein bisschen damit zu tun haben, dass man von zu Hause nicht für den Beitrag des eigenen Landes abstimmen kann und wirklich große Fans zum Abstimmen über die Grenze pendeln. Hauptsächlich aber, und das erklärt dann auch die Tatsache, dass manche Nationen einander trotz geografischer Nähe ignorieren, ist dafür die „Blockbildung“ verantwortlich.
Ähnlicher Musikgeschmack in Nachbarländern
Die erklärt sich einerseits durch eine ähnliche kulturelle Sozialisierung in benachbarten Ländern, also einen vergleichbaren Musikgeschmack, andererseits durch Sympathieallianzen mit historisch-politischen Hintergründen. Die auffälligsten und am längsten etablierten Blöcke sind die skandinavischen Länder, der „Balkan-Block“ und die „pyrenäische Achse“, die Spanien mit einer Ausnahme (2007) die Höchstwertung von zwölf Punkten aus dem Zwergstaat Andorra garantierte.
Heuer könnte die Punkteverteilung im Finale gerade deshalb spannend werden, prophezeit William Lee Adams, Korrespondent für das Magazin „Newsweek“ und CNN, gegenüber dem Onlinemagazin Wire.com. Weil unter anderem Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina aus wirtschaftlichen Gründen auf eine Teilnahme verzichtet haben, gibt es zum Beispiel von Mazedonien, Slowenien und Montenegro einiges an Punkten, die quasi auf dem freien Markt herumschwirren.
Russlands leichtes Spiel beim Song Contest
Spannend ist heuer auch, ob Russland trotz (oder gerade wegen?) der derzeitigen politischen Ereignisse gut abschneiden kann. Adams glaubt, dass die Tolmatschowa-Schwestern gut platziert werden, die russische Erfolgsquote ist für ihn „nicht politisch“, sondern kulturell begründet und liegt im ex-jugoslawischen Erbe. „Russland könnte ohne Song auftauchen und würde es immer noch ins Finale schaffen“, so der Journalist. Beim ersten Halbfinale wurde das Weiterkommen der Zwillinge jedenfalls nicht nur mit Applaus, sondern mit beim Song Contest sehr seltenen Buh-Rufen und Pfiffen quittiert.

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Die russischen Zwillinge freuten sich über den Finaleinzug, die Reaktion im Publikum war gespalten
Ganz vorne sehen die Wettbüros mittlerweile Schwedens Vertreterin Sanna Nielsen, gefolgt von Aram MP3 aus Armenien und der entspannten Molly mit „Children Of The Universe“, die für Großbritannien antritt. Die ukrainische Vertreterin Marija Jaremtschuk komplettiert derzeit mit ihrer Tanznummer „Tick-Tock“ die Top Five.
Die Favoriten im zweiten Halbfinale
Zunächst muss nun aber das zweite Halbfinale geschlagen werden, und dort sehen die Wettbüros Rumänien mit dem Frau-Mann-Duo Paula Seling & Ovi und ihrer schnellen Nummer „Miracle“ ganz vorne. Norwegens melancholischer Solorocker Carl Espen wird mit seiner Ballade „Silent Storm“ auf Platz zwei gereiht. Und auch Griechenland wird mit seiner schnellen Disconummer „Rise Up“ von Freaky Fortune feat. Risky Kidd noch vor Österreich gesehen.

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Paula Seling & Ovi gelten als Favoriten im zweiten Halbfinale, 2010 waren sie schon einmal am Start, damals erreichten sie den dritten Platz
Als Fixstarter für das Finale am Samstag gelten auch die Folkrocker Firelight mit „Coming Home“ aus Malta und Israels Rockröhre Mei Feingold mit „Same Heart“. Für den ebenfalls mit dunklerer Stimme gesegneten irischen Beitrag von Can-Linn feat. Kasey Smith, „Heartbeat“, dürfte es demnach ebenso reichen wie für die finnischen Indie-Rocker der Band Softengine („Something Better“).
Polen probiert es mit Sex-Appeal
Polen ist nach sparbedingter Pause wieder am Start und setzt auf Sex-Appeal mit Donatan & Cleo und ihrem Lied „My Slowianie (We are Slavic)“ samt der Liedzeile „Schüttel, was deine Mama dir mitgegeben hat“. Das kommt zumindest bei Wettenden ebenso gut an wie der Tessiner Sebastiano Paa-Lessi alias Sebalter, der mit dem sympathischen Bluegrass-Song „Hunter Of Stars“ für die Schweiz erfolgreich auf Punktejagd gehen soll.
Bei den Wettbüros auf einem Ausscheideplatz liegen hingegen die Länder Südosteuropas. Sloweniens Querflötenspielerin Tinkara Kovac müsste es demnach mit „Round and Round“ bei einer Runde belassen, und auch Mazedoniens rauchiges Pink-Double Tijana könnte mit „To the Sky“ die Koffer packen.
Weißrussland und der Käsekuchen-Song
Nachdem bereits im ersten Halbfinale Lettland Kuchen mit dem Song „Cake To Bake“ kein Glück brachte, tut sich Sänger TEO aus Weißrussland mit „Cheesecake“ ebenfalls schwer bei den Wettbüros. Und zu guter Letzt werden auch der etwas eigentümlichen georgischen Mixnummer „Three Minutes to Earth“ von The Shin & Mariko sowie Litauens Vilija Mataciunaite aufmerksamkeitsheischendem „Attention“ geringe Chancen eingeräumt.
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