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Bewunderung vs. homophobe Anwürfe

Presserummel um Conchita Wurst: Wo auch immer die österreichische Kandidatin für den Eurovisions Song Contest 2014 in Kopenhagen auftaucht, sorgt sie für Aufsehen. Interviews meistert sie mit Souveränität, das Feedback auf ihren Song „Rise Like a Phoenix“ ist durchwegs sehr positiv, und die Chancen auf den Finaleinzug sind sehr hoch.

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Doch gleichzeitig muss Wurst alias Tom Neuwirth auch weniger positive Reaktionen in Kauf nehmen. Die kommen aus verschiedenen Ländern und doch alle aus dem gleichen Lager: Sie sind schwulenfeindlich, intolerant und greifen die österreichische Künstlerin hauptsächlich auf der persönlichen Ebene an.

Russischer Politiker wettert gegen Wurst

Am weitesten auf die Spitze trieb es wohl in den vergangenen Tagen der russische Lokalpolitiker Witali Milonow. Der St. Petersburger Abgeordnete hat schon früher vor allem durch extrem homophobe Äußerungen und durch seine vehemente Forderung nach noch strengeren Anti-Homosexuellen-Gesetzen von sich reden gemacht. Mit seinen Anzeigen gegen Madonna, Rammstein und Lady Gaga wegen Verstößen gegen die Sittlichkeit blieb Milonow zwar erfolglos, sie brachten ihm aber auch ungewöhnlich viel internationale Aufmerksamkeit.

Aktuell hetzt der Politiker gegen Wurst. In einem offenen Brief fordert er die russischen Song-Contest-Verantwortlichen mit Nachdruck auf, den Bewerb, den er als „europaweite Schwulenparade“ bezeichnet, zu boykottieren. „Schon die Ausstrahlung des Wettbewerbs in Russland sei eine Beleidigung von Millionen Russen,“ so Milanow laut der britischen Zeitung „The Guardian“. „Der Liveauftritt des offensichtlichen Transvestiten und Hermaphroditen Conchita Wurst auf derselben Bühne mit den russischen Künstlern ist eine unverhohlene Propaganda von Homosexualität und spirituellem Verderben.“

Mit Selbstbewusstsein gegen Intoleranz

Aber auch in Weißrussland und Armenien sieht sich Wurst Anfeindungen ausgesetzt: Dort wurden jeweils Onlinepetitionen gestartet, die einen Ausschluss Wursts fordern und mit einem Boykott des Wettbewerbs drohen. Geht es nach den homophoben Kritikern soll die Übertragung der Liveshow während des österreichischen Beitrags unterbrochen werden. Eine Entscheidung darüber steht aber wohl nicht ernsthaft zur Debatte: Nach dem recht strengen EBU-Regelwerk darf der Bewerb nur vollständig oder gar nicht gesendet werden.

Conchita Wurst vor ihrer Abreise nach Kopenhagen

ORF/Milenko Badzic

„Total unwirklich“ fand Conchita Wurst die Abreise nach Kopenhagen, wo sie nach monatelangen Vorbereitungen ihren großen Auftritt haben wird

Wurst weiß mit der Welle an Intoleranz, die ihr von manchen Seiten entgegenschwappt, recht gut umzugehen. „Ich bin es gewohnt, mit Anfeindungen konfrontiert zu werden, und genau aus diesem Grund habe ich auch die Kunstfigur Conchita Wurst erschaffen. Es muss sich etwas verändern in unserer Gesellschaft“, erklärte Wurst in Interviews gelassen. Auch in Österreich formierte sich gleich nach ihrer Nominierung eine Facebook-Initiative mit dem Ziel, ihren Auftritt zu verhindern. Die teils unfassbar hasserfüllten Kommentare, die dort zu lesen waren, steckt Wurst jedoch zumindest äußerlich gut weg - derartige Äußerungen demaskierten sich selbst in ihrer Intoleranz, so Wurst.

Beachtliches internationales Interesse an Wurst

Abgesehen davon kann sich die Sängerin ohnehin auch über sehr viel Zuspruch freuen. Schon ihre erste Probe am Mittwoch wurde mit viel Applaus belohnt, beim anschließenden Presse-Meet-and-Greet war das internationale Interesse an Wurst ziemlich beachtlich, die Resonanz durchwegs positiv. Die britische „Metro“-Magazin schrieb etwa: „Der möglicherweise überraschendste und erfreulichste Auftritt war jener von Österreichs Conchita Wurst.“ Wurst sei als ernstzunehmende Konkurrenz im heurigen Wettbewerb zu betrachten. Auch auf Twitter gab es sehr viel Lob über Song und Performance zu lesen, in den letzten Tagen schnellten die Zugriffszahlen auf das YouTube-Video von „Rise Like a Phoenix“ in schwindelerregende Höhen.

Geht es nach den Buchmachern, zieht Wurst jedenfalls fix ins Finale ein - und das ist einer österreichischen Teilnehmerin in den letzten zehn Jahren immerhin nur einmal gelungen: Nadine Beiler mit „The Secret ist Love“. Bei einem Vergleich von 16 Wettanbietern liegt die heimische Dragqueen in ihrem Halbfinale, das am 8. Mai in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen über die Bühne geht, auf Platz vier der 15 Teilnehmerländer und würde damit ein Finalticket für den 10. Mai lösen.

Auch insgesamt sehen die Wetter Österreich heuer gut im Wettbewerb mit den übrigen 36 Ländern positioniert. Bei der Gesamtwertung sehen die Kunden von 21 Wettanbietern Conchita Wurst am Mittwoch mit Platz elf knapp nicht in den Top Ten. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr war Österreichs Vertreterin Nathalia Kelly bei den Wettunternehmen auf Platz 26 von 39 Teilnehmern gelegen - und war später in ihrem Halbfinale ausgeschieden.

Missverständnis mit Topfavoriten ausgeräumt

Als Topfavorit gilt derzeit Armenien, wenn es nach den Tippern geht. Aram MP3, der im Vorfeld ebenfalls mit schwulenfeindlichen Äußerungen gegen Wurst auf sich aufmerksam gemacht hatte, liegt mit seiner Nummer „Not Alone“ klar auf Platz eins. Mittlerweile hat sich der Sänger jedoch (auch persönlich bei Wurst) entschuldigt und beteuert, man habe ihn schlicht falsch übersetzt. Mit einigem Respektabstand auf Aram MP3 folgen im Buchmacherranking Schwedens Vertreterin Sanna Nielsen mit ihrer flotten Ballade „Undo“ und der dänische Castingshow-Teilnehmer Basim und seinem „Clische Love Song“.

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