Bei Erwachsenen kein Rückgang
Die Weichen für krankhaftes Übergewicht werden schon in den ersten Jahren nach der Geburt gestellt. Kinder, die in frühen Jahren zu dick sind, sind als Erwachsene häufiger fettleibig. In den USA, wo seit Jahren versucht wird, die zunehmende Fettleibigkeit zu bekämpfen, zeigen sich in der wichtigen Altersklasse der Zwei- bis Fünfjährigen nun erste Erfolge.
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US-Gesundheitsbehörden gaben diese Woche bekannt, dass der Anteil adipöser (fettleibiger) Zwei- bis Fünfjähriger in den vergangenen zehn Jahren um 43 Prozent gesunken sei, wie die „New York Times“ („NYT“) berichtet. So waren etwa 2004 noch 14 Prozent der Kinder in diesem Alter fettleibig, 2012 waren es „nur“ noch acht Prozent, wie eine umfassende Untersuchung der Behörden ergab.
Fünffach höheres Risiko bei Übergewicht in Kindheit
Fettleibigkeit (Adipositas) ist einer der größten Risikofaktoren für viele schwerwiegende Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Der Grundstein dafür wird schon sehr früh gelegt: Kinder, die zwischen drei und fünf Jahren übergewichtig oder fettleibig sind, haben ein fünffach höheres Risiko, auch als Erwachsene zu viel zu wiegen.
„Das ist das erste Mal, dass wir Anzeichen eines signifikanten Rückgangs in einer Gruppe sehen“, so Cynthia L. Ogden, Wissenschaftlerin der Center for Disease Control and Prevention und Mitautorin der Studie. Die Zahlen geben nur bedingt Grund zum Jubeln: Nach wie vor sind jeder dritte Erwachsene und 17 Prozent der Jugendlichen fettleibig. Bei Frauen über 60 Jahre ist der Anteil sogar noch etwas gestiegen.
Staatliche Unterstützungsprogramme als Anreiz?
Woher der Rückgang bei den Kindern kommt, ist nicht eindeutig klar. Die Wissenschaftler haben dazu unterschiedliche Begründungen. So würden Kinder heute weniger Kalorien durch extrem süße Softdrinks zu sich nehmen als noch Ende der 90er Jahre. Außerdem stillen mehr Frauen ihre Kinder, was sich laut den Forschern positiv auf die Gewichtsentwicklung auswirken kann. Grundsätzlich sei innerhalb von zehn Jahren jedenfalls eine verminderte Kalorienzufuhr festzustellen, und zwar um durchschnittlich sieben Prozent bei Buben und vier Prozent bei Mädchen.
Für Barry M. Popkin von der University of North Carolina gibt es dafür noch einen weiteren Grund: Er führt die verminderte Kalorienzufuhr bei Kindern auf ein staatliches Unterstützungsprogramm für einkommensschwache Frauen mit Kindern zurück. Der Fonds subventioniert den Kauf von frischem Obst und Gemüse. Womöglich hat auch die Ernährungskampagne der First Lady Michelle Obama an vielen US-Schulen zur Verbesserung der Situation beigetragen.
Mehrere Programme zur Durchsetzung einer gesünderen Lebensweise strebte auch der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg an. So hatte er die New Yorker etwa dazu aufgerufen, öfter Stiegen zu benützen. Zigaretten wollte er unter die Geschäftstheke verbannen und XXL-Softdrinks sagte er mittels Verbot den Kampf an.
Wissenschaftler noch vorsichtig
„Das sind großartige Neuigkeiten, aber ich bin vorsichtig“, sagte Ruth Loos, Professorin für Präventivmedizin an der Icahn School of Medicine in New York. „Das Bild wird klarer sein, wenn wir ein paar Jahre länger Daten haben“, so Loos. „Als die Adipositaswelle in den 1980ern auftauchte, hat es eine Weile gedauert, bis wir kapiert haben, dass hier etwas Schlimmes passiert.“ Man habe seither versucht, Eltern und Familien über die Bedeutung eines gesunden Lebensstils aufzuklären, möglicherweise habe das nun endlich einen Effekt. Ob dieser Effekt auch auf ältere Kinder überspringt, wird sich erst zeigen.
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