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„Einer der Vollender der Moderne“

Der österreichische Architekt, Künstler, Designer und Ausstellungsgestalter Hans Hollein ist Donnerstagfrüh in Wien nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Hollein feierte erst am 30. März seinen 80. Geburtstag. Anlässlich des Geburtstags hatte Bundespräsident Heinz Fischer Hollein als „einen der prominentesten Vertreter der postmodernen Architektur in Europa“ gewürdigt.

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„Alles ist Architektur“, proklamierte Hollein 1966. Der Künstler, Designer und Ausstellungsgestalter wurde zum Weltstar der Architektur und war seit 1985 Österreichs einziger Pritzker-Preisträger. Mit seinem Wiener Minibüro schuf er weltweit Bauten und setzte auch hierzulande an prestigeträchtigen Orten wie dem Stephansplatz Statements.

„Alles ist Architektur“

„Holleins Triple-Position als einer der Vollender der Moderne, als einer der Begründer der Postmoderne und als einer der Erfinder der künftigen Architektur lässt logischerweise kein anderes Programm zu als ‚Alle sind Architekten, alles ist Architektur‘“, schrieb Peter Weibel 2011 im Katalog zur großen Hollein-Schau in der Grazer Neuen Galerie über den „Universalkünstler Hollein“.

In dieser umfassenden Personale zeigte u. a. eine alte Telefonzelle, in der auf einem Video der junge Architekt seine Vorstellungen von Telekommunikation und verdichteter Wohnform erläuterte, eine riesige Fototapete seiner berühmten Flugzeugträger-in-der-Landschaft-Collage, und sein „Goldenes Kalb“, ein vergoldeter Eisenbahntankwaggon mit Hörnern, die Bandbreite seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Die 103 Tonnen schwere Skulptur ist mittlerweile im Österreichischen Skulpturenpark in Unterpremstätten aufgestellt.

Landesmuseum Niederösterreich

ORF.at/Roland Winkler

Holleins Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten

Karriere begann mit Paukenschlag

Die Karriere des am 30. März 1934 in Wien geborenen Clemens-Holzmeister-Schülers, der nach dem 1956 erworbenen Diplom der Wiener Akademie der bildenden Künste in den USA studierte und seit 1964 ein Architekturbüro betreibt, begann mit einem Paukenschlag. 1965 erhielt er für die Gestaltung der bloß 16 Quadratmeter großen Kerzenboutique „Retti“ am Kohlmarkt in Wien-Innere Stadt den mit 25.000 Dollar dotierten Reynolds-Preis. „Das war mehr als die Herstellungskosten des Ladens“, sagte der Architekt einmal im APA-Interview.

TV-Hinweis

„Kultur.montag“ zeigt am Montag um 22.30 Uhr in ORF2 eine Dokumentation in memoriam Hans Hollein.

Als Designer hat Hollein Möbel und Türklinken ebenso entworfen wie Konzertflügel, er war als Ausstellungsgestalter (u. a. für „Traum und Wirklichkeit“) und Bühnenbildner (etwa für Schnitzlers „Komödie der Verführung“ am Burgtheater) tätig. Als Vorsitzender des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung, Universitätsprofessor, Direktor der Architekturbiennale Venedig (1996), Österreich-Kommissär der Kunstbiennale Venedig (1978-90) und Präsident des Österreichischen Kunstsenats hatte er weit über das eigene Bauen hinaus auf die kulturellen Belange seiner Heimat Einfluss.

Hans Hollein hinter einem Architekturmodell

AP/Goettert

Hans Hollein (M.) 1983 vor einem Modell des Frankfurter Zentrums

Von New York bis zum Stephansplatz

Er baute u.a . in New York (Richard L. Feigen Gallery 1969), in Mönchengladbach (Städtisches Museum Abteiberg, 1970-1972), in Teheran (Museum für Glas und Keramik, 1977/78), in Frankfurt (Museum für Moderne Kunst, Eröffnung 1991), Berlin (Österreichischen Botschaft, Eröffnung 2001) und Clermont-Ferrand („Vulcania“-Museum, 2002). Sein erstes Wiener Prestigeprojekt, vom damaligen Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) durchgesetzt, führte ihn mit dem als Konsumtempel der Postmoderne ausgeführten Haas Haus (1985-1990) gleich in das Herz der Stadt, auf den Stephansplatz.

In Wien realisierte er vergleichsweise spät weitere größere Bauten: Den Media-Tower am Wiener Schwedenplatz (2001) krönt eines der für Hollein charakteristischen Flugdächer, der kühn den Albertina-Vorplatz gleichzeitig beschirmende und zerschneidende „Soravia Wing“ (2003) trägt ebenso seine Handschrift wie der Hilton-Umbau und das Bürohaus „Die Welle“ in unmittelbarer Nähe des Hotels.

Haas-Haus

ORF.at/Julia Hammerle

Das Haas Haus auf dem Wiener Stephansplatz

Visionär und Theoretiker

Neben der „Welle“ (die sich überdies im charakteristischen Schwung des Vordachs des von Hollein gebauten Niederösterreichischen Landesmuseums wiederfindet) hat Hollein auch der Typus der „Wolke“ immer fasziniert. Seine Vision, mit schwebend-raumgreifenden Aufbauten die Wolken gleich baulich in die Wolkenkratzer zu integrieren, die Terence Riley die „architektonische Variation des Ikarus-Traums“ nennt, harrt nach einigen Anläufen noch ihrer ultimativen Verwirklichung.

Der Visionär und Architekturtheoretiker, der in Zeichnungen, Collagen und Skulpturen Grundfragen von Raum und seiner Bebauung stellte, hatte Museen, Konzerthallen und Kulturzentren von Europa bis nach China, von Japan über die USA bis nach Saudi-Arabien entworfen und dabei Grundformen wie Kubus, Konus und Welle variiert. Auch die nicht realisierten Projekte Holleins, allen voran sein für Guggenheim geplantes Museum im Salzburger Mönchsberg, schafften es mitunter zu Weltruhm. Die Idee eines in den Berg gebauten Museums („Aufbauen und Aushöhlen“ hieß eine Werkschau) konnte er wenigstens in Ansätzen in der Auvergne verwirklichen.

Hollein hinterlässt zwei Kinder: Sohn Max ist Museumsdirektor in Frankfurt und immer wieder für weitere hochkarätige Posten der Kunstszene im Gespräch, Tochter Lilli ist Mitbegründerin und Leiterin der Vienna Design Week.

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