„Schleichende Umweltkatastrophe“
Wasser ist gerade in Österreich eine Selbstverständlichkeit. Aus dem Hahn kommt es scheinbar kostenlos, wenn eine Handvoll Wirte versucht, daraus Profit zu schlagen, herrscht Aufregung. Doch globale Zusammenhänge sollten auch hierorts bedacht werden. Es ist längst keine Binsenweisheit mehr, dass die Verfügbarkeit von Wasser eine Frage von Leben und Tod ist.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Weltweit haben rund 770 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 2,5 Milliarden Menschen fehlen hygienische Latrinen oder Toiletten. Jeden Tag sterben 1.400 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, ausgelöst durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Toiletten und mangelnde Hygiene, wie das Kinderhilfswerk UNICEF unlängst mitteilte.
Besonders Babys und Kleinkinder erkrankten, weil ihr Immunsystem noch schwach sei. Um Bakterien und Viren zu bekämpfen, sei es wichtig, sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen. UNICEF gibt zum Beispiel Kindern auf den Philippinen den Tipp, beim Händewaschen mit Seife zweimal das Lied „Happy Birthday“ zu singen. Das sei die optimale Dauer, um die meisten gefährlichen Erreger zu entfernen.
Wasserreserven werden kleiner
Wie langsam Argumente für einen sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen auf fruchtbaren Boden fallen, sieht man beim Thema Wasser. Trotz jährlicher Appelle verschlechtert sich der Zugang zusehends, warnt der WWF. Während der Bedarf an sauberem Wasser weiter zunimmt - Stichwort Bevölkerungswachstum -, geht es den Feuchtgebieten, die im globalen Wasserkreislauf eine entscheidende Rolle haben, immer schlechter. Über 50 Prozent der Flusssysteme, Moore und Seen sind laut WWF in den vergangenen 100 Jahren verloren gegangen.
„Die Ausbeutung und Verschmutzung von Trinkwasser und die Zerstörung von Feuchtgebieten ist eine schleichende globale Umweltkatastrophe“, warnte Philipp Wagnitz vom WWF. In den Entwicklungs- und Schwellenländern würden noch heute 80 bis 90 Prozent der Abwässer direkt in Flüsse und Seen eingeleitet. Dabei kann bereits ein Liter Abwasser etwa acht Liter sauberes Wasser verschmutzen.
Verschwendung „können wir uns nicht leisten“
„Wer Trinkwasser für alle will, der muss auch die Probleme in der Abwasserreinigung angehen. Wir können uns die schlechte Bewirtschaftung einer lebensnotwendigen Ressource schlicht nicht mehr leisten“, so Wagnitz. Die globale Versorgungsproblematik ist nur durch ein nachhaltiges Management zu lösen, eine effektive und konsequente Behandlung von Abwässern und den Erhalt entsprechender Ökosysteme. Außerdem muss die Bedeutung von Feuchtgebieten und Flüssen besser verstanden werden - und man muss sie dementsprechend schützen.
Ein weiterer Ansatz ist die Sparsamkeit. Ein Deutscher - in Österreich sind diese Werte vergleichbar - verbraucht durchschnittlich etwa 120 Liter Wasser pro Tag unter anderem zum Trinken und Duschen. Das ist jedoch nur ein geringer Teil der tatsächlichen Menge. Die liegt mittlerweile bei rund 4.000 Litern pro Person und Tag. So viel „virtuelles Wasser“ ist erforderlich, um die Waren zu produzieren, die man täglich konsumiert.
15.000 Liter für ein Kilo Rindfleisch
Den Begriff „virtuelles Wasser“ prägte in den 1990er Jahren der englische Geograf John Anthony Allen. Darunter versteht man die Menge an Wasser, die während des gesamten Herstellungsprozesses eines Produkts verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird. Experten zufolge fallen zum Beispiel für die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch ungefähr 15.000 Liter Wasser an, so etwa für die Bewässerung von Äckern.
Die Idee entwickelte der niederländische Professor für Wassermanagement, Arjen Hoekstra, weiter. Er prägte den Begriff „Wasserfußabdruck“, der sich aus einem „internen“ und einem „externen“ Anteil zusammensetzt. Die gesamte Menge Wasser, die in einem Land von Industrie, Landwirtschaft und privaten Haushalten verbraucht wird, ergibt den internen Wasserfußabdruck. Hinzu kommt jener externe Anteil, den ein Land für den eigenen Konsum aus anderen Ländern importiert. Das gilt zum Beispiel für Obst aus Wüstenländern, für dessen Anbau viel Wasser benötigt wird.
Kein Wasser - kein Strom
Darüber, wie dramatisch der weltweite Wasserbedarf ansteigen wird, hat die UNO zuletzt alarmierende Zahlen veröffentlicht. Demnach soll sich der Verbrauch bis 2030 um 40 Prozent vermehren. Zeitgleich werde der Energiebedarf der Welt um die Hälfte und der Nahrungsmittelbedarf um rund ein Drittel ansteigen, heißt es in dem entsprechenden Bericht der Vereinten Nationen (UNO). Derzeit haben weltweit fast 770 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
1,3 Milliarden Menschen sind nicht an ein Stromversorgungsnetz angeschlossen. „Die Orte, an denen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Wasser haben, stimmen größtenteils mit denen überein, an denen sie keinen Strom haben“, hieß es in dem „World Water Development Report 2014“, der bisher alle drei Jahre erschien, seit diesem Mal jedoch jährlich. „Der Zugang zur Wasser- und Energieversorgung ist ein Schlüsselelement für die Entwicklung eines jeden Menschen und einer jeden Gesellschaft“, sagte der leitende Autor des Berichts, Richard Connor, bei einer Pressekonferenz in Paris.
Industrie als Stromfresser
Die weltweite Wasserversorgung wird nach Einschätzung der Autoren auch vom steigenden Energiebedarf in vielen Ländern bedroht. Schon jetzt sei die Energieproduktion für 15 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs verantwortlich, 2035 werde diese Zahl sogar bei 20 Prozent liegen. Bei rund 90 Prozent der globalen Energieproduktion werde sehr viel Wasser gebraucht, zum Beispiel bei der Herstellung von Biotreibstoffen.
Bei anderer Energiegewinnung werde ein großer Teil nicht nur zur Kühlung genutzt und dann wiederverwertet, sondern verbraucht. Der weltweite Energiebedarf werde bis 2035 um 70 Prozent steigen - rund die Hälfte davon vereinen China und Indien auf sich.
Aufgrund der starken Verflechtungen zwischen den beiden Sektoren müssten die Verantwortlichen der weltweiten Wasser- und Energieversorger deutlich enger zusammenarbeiten, forderten die Herausgeber des Berichts. „Es wird keine nachhaltige Entwicklung geben ohne bessere Zugänge zu Wasser und Energie für alle“, sagte die Generaldirektorin der UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, Unesco, Irina Bokova, bei der Präsentation des Berichts.
Donau in Österreich verschmutzt
Österreich galt jahrzehntelang als Insel der Seligen, was das Wasser betrifft. Kristallklare Bergseen, allerbeste Trinkwasserqualität selbst aus dem Wasserhahn, „saubere“ Energie aus Wasserkraftwerken herrschten als Bilder vor. Dass auch hierzulande nicht alles im Reinen ist, zeigte unlängst eine Untersuchung über die Wasserqualität der Donau. Demnach sind zahlreiche Plastikteile im Fluss vorhanden. Eine Firma entschuldigte sich bereits, ob sie alleine verantwortlich zeichnet, wird nun eine eingehende Untersuchung zeigen - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Links: