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EU-Staaten in der Bredouille

Der Streit zwischen der Ukraine und Russland um die ukrainische Schwarzmeerinsel Krim hat in der EU wegen der Gasabhängigkeit von Russland große Besorgnis ausgelöst. Russland hat angesichts des sich zuspitzenden Konflikts mit der Ukraine damit gedroht, die Gaslieferungen an die Ukraine zu stoppen. Davon betroffen wären eben vor allem in hohem Maß auch die EU-Staaten, die Gas aus Russland über die Ukraine beziehen. Doch auch indirekte Drohungen Moskaus gegen den Westen gibt es bereits.

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Es wurden zwar nach der Gaskrise 2009 Maßnahmen von der EU getroffen, um ähnliche Probleme künftig vermeiden zu können, doch bei einem völligen Abdrehen des Gashahns dürfte sich eine komplett neue Situation ergeben. Moskau fordert von Kiew rund zwei Milliarden Dollar an ausstehenden Gaszahlungen von der Ukraine und will auch Begünstigungen für die Ukraine einstellen.

Gasspeicher müssen aufgefüllt werden

In der EU hieß es, der Ukraine könnte durch die sogenannte „Reverse flow“-Möglichkeit geholfen werden. Das bedeutet, dass Gas nicht nur in eine Richtung aus Russland in die EU strömen kann, sondern auch wieder zurückfließen kann, wenn notwendig. Allerdings würde damit das Problem ebenfalls nicht gelöst, denn die Gasspeicher in der EU sind zwar nach dem sehr milden Winter und dem schon hereingebrochenen Frühling voller als üblich, aber eben auch nur begrenzt nutzbar. Sie müssen im Lauf der nächsten Monate neuerlich mit Gas aus Russland gefüllt werden.

Russland warnt vor Wirtschaftssanktionen

Russland stellt jedoch auch bereits dem Westen die Rute ins Fenster - nicht in einer direkten Drohung, doch man lässt die Muskeln spielen. Moskau droht dem Westen mit Sanktionen. Sollten die USA und die Europäische Union Strafmaßnahmen verhängen, wird die Regierung in Moskau nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mit ähnlichen Schritten reagieren. Man hoffe aber, dass es nur zu politischen Strafmaßnahmen komme und wirtschaftliche Sanktionen vermieden werden könnten.

Das Regionalparlament der abtrünnigen Krim diskutierte am Donnerstag darüber, die Bewirtschaftung aller Rohstoffe in der Krim dem russischen Energieriesen Gasprom und dem Kreml zu überlassen. Parlamentssprecher Wladimir Konstantinow sagte, um deren Ausbeutung „sollen sich Russland und Gasprom kümmern. Das ist nicht unsere Angelegenheit.“

EU besorgt über hohe Abhängigkeit

Der EU-Gipfel kommende Woche wird zwar laut einem der APA vorliegenden Gipfelentwurf keine Entscheidung über die Klimaziele der Europäischen Union bis 2030 treffen. Ohne den Hauptversorger Russland beim Namen zu nennen, will die EU allerdings ihre Gasabhängigkeit abbauen. Der Gipfel „ist besorgt über Europas hohe Energieabhängigkeitsraten, vor allem bei Gas, und ruft dazu auf, die Bemühungen zu intensivieren, sie zu reduzieren, vor allem in den am meisten abhängigen Mitgliedsstaaten“, heißt es. Als Maßnahmen werden bessere Energieeffizienz und ein Energiemix aus verschiedenen Formen, darunter auch erneuerbare Energie, angesehen.

Österreich: Über 60 Prozent Gas aus Russland

Die EU ist im Durchschnitt zu 29,8 Prozent von Gasimporten aus Russland abhängig. Österreich kommt nach einer BP-Statistik 2012 auf 61,8 Prozent, wie aus Zahlen hervorgeht, die die belgische Zeitung „Le Soir“ in ihrer Donnerstagsausgabe veröffentlichte. Österreich hat 2012 insgesamt 4,7 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland importiert. 1,3 Milliarden Kubikmeter kamen aus Norwegen, weitere 1,6 Milliarden Kubikmeter aus anderen europäischen Staaten, geht aus der jüngsten BP-Statistik hervor.

Vollständig von russischem Gas abhängig sind laut „Le Soir“ Finnland, die Ukraine und Weißrussland. Danach folgt die Slowakei mit 92,7 Prozent, Polen (82,6), Ungarn (81,4), Tschechien (79,3), Griechenland (66,0) Österreich (61,8), die Türkei (57,5), Deutschland (34,6), Italien (20,4), Frankreich (16,1) und die Niederlande (14,5). Keine russischen Gasimporte gibt es für Dänemark, Spanien, Irland, Großbritannien, Portugal und Schweden.

USA: Testverkäufe aus strategischen Reserven

Die USA bieten erstmals seit fast einem Vierteljahrhundert überraschend einen Teil ihrer strategischen Ölreserven zum Verkauf an. Das Energieministerium betonte, dass der Schritt bereits seit Monaten geplant sei. Einige Beobachter gehen aber davon aus, dass die US-Regierung damit Russland in der Ukraine-Krise ihre Einflussmöglichkeiten auf die Energiemärkte demonstrieren will.

Der Ölpreis fiel nach Bekanntwerden der Pläne, die vergleichsweise geringe Menge von fünf Millionen Barrel zu veräußern, am Mittwoch um mehr als zwei Prozent - so viel wie seit zwei Monaten nicht mehr.

Zuletzt hatte es einen vergleichbaren „Testverkauf“ 1990 gegeben. Dem Ministerium zufolge soll damit überprüft werden, ob das System im Ernstfall von Lieferengpässen funktioniert. Durch die stark gestiegene Ölproduktion aus Schiefergas leiten zentrale Pipelines in den USA den Rohstoff inzwischen nicht mehr vom Golf von Mexiko nach Norden, sondern umgekehrt. Ölhändlern zufolge waren im Krim-Konflikt Forderungen laut geworden, mit der boomenden US-Ölproduktion die Abhängigkeit der Ukraine und ganz Europas von russischem Erdgas zu verringern.

Stahlindustrie will grünes Licht für Schiefergas

Die europäische Stahlindustrie forderte am Donnerstag wegen der Ukraine-Krise grünes Licht für Schiefergas in Europa, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. Gegenwärtig gebe es sonst keine Alternative zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Gasprom habe die EU und die Türkei 2013 mit einem Rekordvolumen von 162 Milliarden Kubikmeter Gas versorgt, davon 86 Milliarden Kubikmeter über Transit durch die Ukraine, erinnerte der Branchenverband Eurofer.

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