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Debatte über Reform der Bundestheater

Für seine Entscheidung, Matthias Hartmann nach fünf Jahren als Burgtheater-Direktor fristlos zu entlassen, hat der neue Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) viel Lob von allen Seiten eingesteckt. Doch eine Frage taucht seit Dienstag immer wieder auf: Welche Rolle spielt die Bundestheater-Holding in der Misere, die in den vergangenen Jahren zumindest öffentlich keiner kommen sehen wollte?

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Mit einem blauen Auge davongekommen scheint jedenfalls Holding-Chef Georg Springer. Das Budgetloch in der Tochtergesellschaft Burgtheater ließ ihn nun kurz vor der Pension stolpern - aber nicht fallen. Seit über zwei Jahrzehnten ist Springer einer der mächtigsten Protagonisten des heimischen Theaterbetriebs. Er steht seit 1991 an der Spitze der Österreichischen Bundestheater, die über ein Jahresbudget von mehr als 230 Mio. Euro verfügen und rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigen.

Kulturminister Josef Ostermayer und Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater Holding und Aufsichtsratsvorsitzender der Burgtheater GmbH

APA/Herbert Neubauer

Springer (l.) zieht sich von Aufsichtsratsfunktionen zurück, bleibt aber Holding-Chef

Sehr zur Verwunderung der Beobachter legt der Jurist und Opernfreund als Konsequenz des Finanzskandals seine Aufsichtsratsfunktionen bei den Holding-Töchtern zurück, sein noch bis Jahresende laufender Vertrag als Holding-Chef bleibt jedoch intakt. Dem „Pflichtumleitungsstrategen“, wie ihn das „profil“ kürzlich in einem Porträt bezeichnete, ermöglicht das trotz Rücktrittsforderungen von vielen Seiten einen verhältnismäßig ehrenvollen Abgang in die Pension - verglichen mit den Entlassungen von Silvia Stantejsky, der ehemaligen kaufmännischen Direktorin, sowie jener Hartmanns.

Mitverantwortung aus Unwissenheit?

Springer hatte selbst lange die Schuld an dem Debakel rein bei Stantejsky gesehen, deren „dolose Handlungen“ und eine von ihr aufgebaute „Schattenorganisation“ seien für die Finanzmisere verantwortlich. Dadurch sei Hartmann „vorgegaukelt“ worden, dass seine ambitionierten künstlerischen Pläne alle finanzierbar wären. Mittlerweile korrigierte Springer seinen Kurs. Er räumte nach Vorliegen des Rechtsgutachtens seine Mitverantwortung ein, die aber rein darin bestanden habe, dass er nichts gewusst habe.

Wie eine Abschwächung dieses Schuldeingeständnisses klingt der Zusatz, man habe „in jeweils ehestmöglichen Momenten so reagiert, wie man es zu erwarten hat von jemand, der sich seiner Verantwortung bewusst ist“ - mitverantwortlich auf dem Papier, nicht in der Praxis sozusagen. Dieses Eingeständnis habe ihm den höchstdotierten Job gerettet, so der einhellige Tenor.

Aufsichtsrat „kann sich nichts vorwerfen lassen“

Christian Strasser, der den Aufsichtsratsvorsitz von Springer übernommen hat, sieht das ähnlich. Er sei von einem Gutachten, das in der bisherigen Tätigkeit des Burgtheater-Aufsichtsrats keine Versäumnisse erkannte, ebenso wie seine Kollegen „beruhigt“ worden, denn man habe im Aufsichtsrat tatsächlich das Gefühl, sich nichts vorwerfen zu können. „Ich würde behaupten, dass wir sogar ein sehr aktiver Aufsichtsrat waren und bei den ersten Verdachtsmomenten sofort reagiert haben. Wir sind auch ein selbstreflexiver Aufsichtsrat und haben uns nach der ersten Schockwelle gefragt: Haben wir etwas übersehen?“

Man sei als Aufsichtsrat aber etwa für Dienstverträge nicht zuständig. „Ich war daher wirklich entsetzt, als ich am Wochenende von Beträgen in der Höhe von 200.000, 300.000 Euro gelesen haben, die man sich bar auszahlen lassen hat. Das sind Dinge wie in einem schlechten Film, die jenseits meiner Vorstellungskraft liegen. Ich habe da offenbar völlig andere moralische Kriterien.“ Zuletzt waren diese Vorgänge und Beträge in Zusammenhang mit Vorbereitungshonoraren und Rechteabgeltungen für nach Wien übernommene Inszenierungen von Hartmann kolportiert worden - für Ostermayer vielleicht „letztendlich ein Nachweis“, dass „er (Hartmann, Anm.) vom System wissen musste“.

Hartmann fühlt sich „im Stich gelassen“

„Man möchte meinen, dass sich der künstlerische Geschäftsführer auf die kaufmännische Direktion, die Kontrollfunktion der Holding und die Wirtschaftsprüfer verlassen könnte. Da wurde ich offensichtlich völlig im Stich gelassen und muss dafür jetzt büßen“, sagte hingegen Hartmann, der bis zum Schluss auf seiner Unwissenheit und der für ihn daraus resultierenden Unschuld beharrte, am Dienstag nach seiner Entlassung.

Auch wenn derzeit kaum jemand einer Meinung mit Hartmann ist, in diesem Punkt geben ihm viele recht. So stellten auch die Oppositionsparteien im Parlament am Dienstag den Bestand der Bundestheater-Holding infrage. Die Holding habe „die ihr zugedachten Aufgaben nicht erfüllt“, so etwa der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl.

Reformierung der Holding „längst überfällig“

Auch NEOS-Kultursprecherin Beate Meinl-Reisinger meinte am Dienstag, man solle die Situation für einen „Neustart“ der Holding verwenden: „Eine Holding, die nichts sieht, nichts hört und nichts weiß, ist nur ein Kostenfaktor.“ Deutliche Kritik übte sie auch an Springer: „Springers Überraschung und Bestürzung ist eine schauspielerische Leistung, die wahrlich bühnenreif ist“, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. „Der Bundesminister muss Springer in die Pflicht nehmen.“

FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz formulierte seine Kritik schärfer und schoss direkt gegen Springer: „Als Aufsichtsrat, wo er nichts verdient, zieht sich Springer überall zurück - als Geschäftsführer der Bundestheater-Holding will er aber bleiben!?“ Seine Schlussfolgerung geht deshalb in eine ähnliche Richtung wie die der Oppositionskollegen: „Die Bundestheater-Holding gehört aufgelöst und dem Kunst- und Kulturministerium unterstellt.“

Auch für Team-Stronach-Kultursprecher Marcus Franz ist die Rolle des Aufsichtsrates der Holding zu klären. „Dieser Aufsichtsrat ist hochkarätig besetzt - u. a. mit der ehemaligen Ministerin Hilde Hawlicek, dem Noch-Sektionschef im Finanzministerium, Gerhard Steger, oder dem Präsidialchef im Bundeskanzleramt, Manfred Matzka. Es ist zu prüfen, warum dieser Aufsichtsrat seiner Prüfpflicht offensichtlich nicht nachgekommen ist.“

Ostermayer stellt Ausbau der Holding in den Raum

Eine Auflösung der Holding, wie sie mehrfach gefordert wurde, steht für Ostermayer aber nicht im Raum, sagte er am Dienstag im ZIB2-Interview. Im Gegenteil: Nach einer gewissenhaften Prüfung könne man sogar überlegen, die mit rund 16 Mitarbeitern „sehr schlank konzipierte“ Holding auszubauen und ihren Aufgabenbereich auszuweiten, damit sie der Kontrollfunktion nachkommen könne.

Wie Ostermayer weiter erläuterte, hatte die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG stets einen „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“ erteilt, was den Aufsichtsräten signalisiert habe, es sei alles in Ordnung. „Darauf haben sich die Aufsichtsräte auch verlassen“, so der Minister weiter. Auch wenn das Controlling zu den Aufgaben der Holding zähle, „gibt es natürlich in der Praxis Grenzen“.

„Keine Auswirkungen“ auf Spielbetrieb

Nun sei es jedenfalls an der Zeit, dass Ruhe rund um das und vor allem im Burgtheater einkehrt, so Ostermayer, der nun eiligst einen interimistischen Leiter finden muss. Einstweilen sollen die Turbulenzen keine Auswirkungen auf den Spielplan haben, sagte der kaufmännische Burgtheater-Direktor Thomas Königstorfer im Ö1-Morgenjournal - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Der nächste Burgtheater-Direktor bzw. die erste Burgtheater-Direktorin soll 2015/16 beginnen. „Wir brauchen dafür eine Spitzenkraft. Die sind aber meist vertraglich woanders gebunden. Wir sollten daher flexibel sein: Lieber ein halbes Jahr früher oder später, dafür aber die beste Lösung,“ sagte Springers Nachfolger Strasser im Gespräch mit der APA.

„Integrative und kommunikative Figur“ gesucht

Bereits bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 19. März soll eine interimistische künstlerische Geschäftsführung gefunden werden. „Das in einer Woche zu schaffen wird nicht ganz einfach. Wir brauche eine integrative und kommunikative Figur. Es ist wesentlich, dass sich das Ensemble wieder wohl fühlt“, so Strasser, der es zwar naheliegend findet, die Interimsleitung im Haus oder dem engeren Umfeld der Burg zu suchen, es aber nicht darauf beschränken möchte.

„Wir sollten da durchaus auch den Horizont ausweiten. Wir suchen ja sowieso einen Profi. Der braucht nicht lange Zeit zur Einarbeitung.“ Die Suche werde gemeinsam mit dem Ministerbüro, der Geschäftsführung des Burgtheaters und der Bundestheater-Holding vonstattengehen. „Gemeinsam müssen wir diese Krise bewältigen.“

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