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„Ich muss immer experimentieren“

Der französische Regie-Altmeister Alain Resnais ist Samstagabend im Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Das berichtet die AFP mit Verweis auf den Produzenten seines letzten Films, Jean-Louis Livi.

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Genretechnisch hat Resnais in seiner über 60 Jahre langen Karriere so gut wie alles gemacht - Science-Fiction-Filme, Dokus, Komödien. Er galt immer als trickreicher Zauberkünstler des Kinos, sah sich selbst jedoch mehr als Handwerker: „Ich muss immer experimentieren. Mich interessiert, ob man dies oder jenes auch im Kino zeigen kann. Ich habe kein Konzept. Ich suche immer nach etwas Neuem.“

Szene aus "Hiroshima mon amour" mit Emmanuelle Riva und Eiji Okada, 1959

picturedesk.com/Everett Collection

„Hiroshima, mon amour“, Resnais erster Spielfilm, brachte dem Regisseur den Durchbruch und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet

Früher Start im Filmgeschäft

Resnais, als Sohn eines Apothekers am 3. Juni 1922 in der Bretagne geboren, startete seine Karriere im Filmgeschäft schon sehr früh. Mit 13 Jahren drehte er seinen ersten 8-mm Streifen, zwischen 1946 und 1947 stieg er dann auf 16-mm um und konzentrierte sich auf Dokumentarfilme. Einer seiner berühmtesten Dokumentarfilm war seine Studie über die Pariser Nationalbibliothek „Toute la memoire du monde“ („Das ganze Gedächtnis der Welt“).

Insgesamt drehte Resnais in seiner langen Karriere mehr als 20 Spielfilme, inklusive seiner Kurzfilme kommt er auf gut 50 Werke. Unter seinen zahlreichen Auszeichnungen sind unter anderem Auszeichnungen für sein Lebenswerk in Cannes, Venedig und Berlin.

Der französische Regisseur Alain Resnais in Cannes mit dem Preis für sein Lebenswerk

Reuters/Regis Duvignau

2009 wurde Alain Resnais bei den Filmfestspielen in Cannes von der damaligen Jurypräsidentin Isabelle Huppert für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Gleich sein Spielfilmdebüt „Hiroshima, mon amour“ (1957) verhalf ihm zum Durchbruch. Der Film entstand nach einem Drehbuch von Marguerite Duras und behandelt die traumatische und unmögliche Liebesgeschichte zwischen einer französischen Filmschauspielerin und einem japanischen Architekten in Hiroshima nach dem Atombombenabwurf. Der Film wurde ebenso wie „Letztes Jahr in Marienbad“ („L’annee derniere a Marienbad“) zu einem Kultfilm, für den Resnais 1961 den Goldenen Löwen in Venedig gewann.

Karriere am linken Seine-Ufer

Beide Filme sind aber nicht unbedingt typisch für das Gesamtwerk des Regisseurs. Sie waren Schlüsselwerke des Aufbruchs in die Moderne um 1960 und der Pariser „Rive Gauche“-Bewegung, die zu Unrecht oft der Nouvelle Vague rund um Francois Truffaut, Eric Rohmer oder Jacques Rivette zugerechnet wurde. Resnais bewegte sich jedoch am linken Seine-Ufer, wo Leute wie Agnes Varda, Jacques Demy und Chris Marker tätig waren.

In seinem Science-Fiction-Werk „Je t’aime, je t’aime“ (1968) verwirrte Resnais Frankreichs Publikum und Fachpresse mit einem komplizierten Spiel mit Zeit- und Realitätsebenen. In „Providence“ von 1977 konfrontierte er die Zuschauer mit dem Streben und den Fantasien eines kranken Schriftstellers. Der Regisseur drehte mit „Mon oncle d’Amerique“ (1980) eine Mischung aus Tragikomödie und Wissenschaftsfilm, mit „I Want To Go Home“ (1989) eine interkontinentale Comic-Maskerade und mit „Smoking / No Smoking“ (1993) eine Komödie nach Alan Ayckbourn.

Der französische Regisseur Alain Resnais erhält waehrend der Berliner Filmfestspiele den Silbernen Bären

AP/Christof Stache

1994 erhielt Resnais den Goldenen Bären für „Smoking / No Smoking“

„Ich mache das, was mir Spaß macht“

Je älter der Brecht-Verfechter und Anhänger von dessen Verfremdungseffekt wurde, desto grotesker und verrückter wurden auch seine Filme - „ich mache eben einfach das, was mir Spaß macht,“ sagte Resnais einmal. Mit dem Film „On connait la Chanson“ („Das Leben ist ein Chanson“) schuf Resnais eine wunderbar leicht inszenierte Tragikomödie rund um die Trivialität des Lebens, die nicht nur zum Publikumshit wurde, sondern auch bei der Cesar-Verleihung 1998 zum großen Abräumer wurde.

Danach legte Resnais, der in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Sabine Azema verheiratet war, alle drei Jahre einen neuen Film vor. Sein jüngstes Projekt, die Theateradaption von Ayckbourns „Aimer, boire et chanter“ wurde erst vor zwei Wochen mit dem Alfred-Bauer-Preis der Berlinale geehrte, eine Auszeichnung, die er krankheitsbedingt allerdings nicht mehr persönlich entgegennehmen konnte.

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