Ukraine: „Milder“ Richter ermordet

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Ein mit der juristischen Aufarbeitung der Proteste in der Ukraine befasster Richter ist getötet worden. Zwei Unbekannte hätten Alexander Lobodenko gestern im 300 Kilometer südöstlich von Kiew gelegenen Krementschuk ermordet, so das Innenministerium heute. Der 34-Jährige habe sich mit den Fällen mehrerer Protestteilnehmer der Opposition befasst, aber keine U-Haft verhängt.

Der Richter hatte den Antrag der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, die Regierungsgegner wegen der „Besetzung öffentlicher Gebäude“ in Untersuchungshaft einzuweisen und stattdessen lediglich Hausarrest über sie verhängt.

Das öffentliche Ansehen von Richtern ist in der Ukraine besonders niedrig, da vielen systematische Korruption vorgeworfen wird. Laut einer aktuellen Umfrage haben rund 80 Prozent der Ukrainer wenig Vertrauen in den Berufsstand. In den vergangenen Jahren sind schon mehrfach Richter in der früheren Sowjetrepublik ermordet worden.