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Ergebnisse wurden verfälscht

Beim Autopreis „Gelber Engel“ des deutschen Autofahrerclubs ADAC ist außer der Teilnehmerzahl in diesem Jahr auch die Rangfolge gefälscht worden, wie der ADAC am Montag mitteilte. Es gebe zudem Anhaltspunkte dafür, dass auch in den Vorjahren ähnliche Veränderungen vorgenommen worden seien. Das habe die Unternehmensberatung Deloitte bei ihrer Untersuchung der Abstimmung herausgefunden.

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Klarheit darüber gebe es aber noch nicht. Die Ergebnisse für die Wettbewerbe der Jahre 2005 bis 2013 würden voraussichtlich in der kommenden Woche kommuniziert. Für 2014 ist die Botschaft klar: Die Ergebnisse wurden verfälscht.

„Fehler und Manipulation“

„Gründe für die falschen Ergebnisse sind Deloitte zufolge sowohl vorsätzliche Veränderungen als auch eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten“, heißt es in der Mitteilung. „Unsere Untersuchungen haben Prozessschwächen, Fehler in der Datenverarbeitung sowie Manipulationen bei der Wahl zum ‚Lieblingsauto 2014‘ offenbart“, sagte der bei Deloitte zuständige Partner Frank Marzluf. Abhängig von den weiteren Ergebnissen werde der ADAC nun rechtliche Schritte gegen den geschassten Kommunikationschef Michael Ramstetter vorbereiten, hieß es weiter.

Autofirmen geben Preise zurück

Laut den Wirtschaftsprüfern wurden bei der Wahl 2014 insgesamt 45.202 Stimmen abgegeben. Die meisten - 3.271 - bekam demnach der VW Golf, danach folgten der BMW 3er, der Audi A3, die Mercedes A-Klasse und der Skoda Octavia. Bei der Preisverleihung im Jänner war der Golf als beliebtestes Auto ausgezeichnet worden, darauf folgten der A3, die A-Klasse, der Octavia und der 3er von BMW, wie eine Sprecherin des ADAC sagte.

VW-CEO Martin Winterkorn und BMW-CEO Norbert Reithofer

picturedesk.com/dpa/Tobias Hase

VW-CEO Martin Winterkorn und BMW-CEO Norbert Reithofer bei der Verleihung

Daimler, BMW, Porsche und Volkswagen kündigten nur Minuten nach der Mitteilung an, alle vom ADAC in den vergangenen Jahren vergebenen „Gelben Engel“ zurückzugeben. Publikumspreise seien grundsätzlich von hoher Bedeutung, da sie unmittelbar die Meinung der Öffentlichkeit widerspiegeln, erklärte etwa Daimler weiter. Unabdingbare Voraussetzung hierfür sei, dass die Wahlen korrekt ablaufen.

ADAC-Geschäftsführer „fassungslos“

Die Manipulationen seien ein schwerer Schlag für den ADAC, erklärte Geschäftsführer Karl Obermair. „Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte.“ Obermair entschuldigte sich bei Herstellern, Mitarbeitern und Mitgliedern und bekräftigte, dass es die Auszeichnung „Gelber Engel“ nicht mehr geben werde.

Fraglich ist aber weiterhin, wer außer dem inzwischen geopferten ADAC-Kommunikationschef Ramstetter davon wusste. Bisher hatte der ADAC betont, der 60-Jährige habe allein die persönliche Verantwortung übernommen und deshalb alle Ämter bei dem Autoclub niedergelegt. Aber offenbar konnten Einzelne die Manipulationen durchaus erkennen. Denn außer Ramstetter hatte ja auch der Informant der „Süddeutschen Zeitung“ davon gewusst, die als Erste darüber berichtet hatte.

Präsident zurückgetreten

Schon vor der Veröffentlichung des Berichts hatte der 64-jährige ADAC-Präsident Peter Meyer am Montag mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt, wie der ADAC Nordrhein mitteilte. Meyer war seit 2001 Präsident des Automobilclubs. „Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, denen gemäß ADAC-Satzung die Besorgung der laufenden Geschäfte obliegt, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden“, erläuterte er in der Mitteilung.

Suspendierung zuvorgekommen?

Er kam damit seiner Suspendierung zuvor - die hatte das Präsidium zuvor angesichts der „erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung“ beschlossen, wie der Verein mitteilte. Das bestritt Meyer: „Ein solcher Antrag wurde nicht gestellt“, sagte er. Deshalb sei die Darstellung des Präsidiums zu seinem Rücktritt „unrichtig“.

Er habe mitnichten die politische Verantwortung für den Manipulationsskandal übernommen - da das Präsidium als Gremium stets gemeinsam und mehrheitlich entscheide. Vielmehr habe er das Präsidium zum geschlossenen Rücktritt aufgefordert.

Attacke auf Gremien

Er habe die Entscheidung „allein und sorgfältig überlegt“ gefällt, sagte hingegen Meyer: „Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben.“

In der Mitteilung hieß es weiter, die Angriffe und Diffamierungen seiner Person belasteten nicht nur den ADAC, sondern auch seine Familie. Die Vorgangsweise spricht jedenfalls für eine riesige Vertrauenskrise und tiefe Gräben an der Spitze des ADAC. Zuvor hatte Meyer einen Rücktritt mehrfach ausgeschlossen. Er sehe seine Pflicht darin, weiter für die gute Sache zu kämpfen, hatte er noch am Wochenende der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt. „Ausbüxen ist aus meiner Sicht das falsche Signal.“

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