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Posse um illegale Stahlskulptur

Auch eine drei Meter hohe und breite Skulptur aus zwei Tonnen Stahl kann in Rom an einem der berühmtesten und meistüberwachten Plätze der Stadt aufgestellt werden, ohne dass es jemanden kümmert. Weder Polizei noch Politik interessierten sich monatelang dafür, ob für das auffällige Kunstwerk eine Genehmigung vorlag. Und plötzlich war es doch in aller Munde.

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Als der römische Künstler Francesco Visalli die Skulptur in der Nacht vom 24. auf den 25. November 2013 gegenüber dem Circus Maximus illegal aufstellte, krähte kein Hahn danach. Auch die zahlreichen Vorbereitungen an Ort und Stelle verliefen nach Angaben des Künstlers allesamt ungestört.

„In dieser Nacht lachten wir alle“

Visalli ließ einen Lkw anrollen, von mit Stoppkellen und Taschenlampen „bewaffneten“ Helfern den Verkehr stundenlang umleiten und den Stahlkoloss auf einem Blumenbeet aufrichten. Kein Polizist stieß sich daran, kein Beamter der Stadtverwaltung fragte nach. „In dieser Nacht lachten wir alle; es war wie in einer Szene aus dem Film ‚Meine Freunde‘ von Mario Monicelli“, erinnerte sich die Kuratorin Valeria Arnaldi im „Corriere della Sera“ (Mittwoch-Ausgabe).

Schwarze Seite der Skulptur von Francesco Visalli

francescovisalli.it

„Pseudo-Mondrian“ verstellt den Blick auf den Circus Maximus

Das Kunstwerk trage den Titel „Place de la Concorde“ und sei Teil eines größeren Projekts namens „Inside Mondrian“. Der Verweis auf den niederländische Maler Piet Mondrian mit seinen bekannten minimalistischen Gemälden liege auf der Hand, so Arnaldi. Auch Visallis Monolith besteht aus streng geometrischen Formen, die eine auf einer Seite weiße, auf der anderen Seite schwarze Fläche wie bunte Guckfenster durchbrechen. Seit jener November-Nacht, in der sie aufgestellt wurde, blieb die Skulptur auf dem prominenten Platz - ohne Genehmigung, ohne Inspektion.

„Kein Gag, sondern eine Beschwerde“

Ins Rollen brachte den Fall schließlich am Montag die Website Artribune.com, die gegen die umstrittene Qualität des Kunstwerks und die Unbekanntheit des Künstlers polemisierte: „Wie war es Visalli - einem Künstler weit entfernt von Weltrang - möglich, eine Arbeit ausgerechnet dort dauerhaft zu installieren, wo jeder Künstler der Welt davon träumt, ein Werk aufzustellen?“ Es folgte ein kurzer TV-Beitrag in der Nachrichtensendung Tg5. Nun war Visallis Skulptur ein Aufreger in Rom.

Seitliche Ansicht der Skulptur von Francesco Visalli

francescovisalli.it

Die auffällige Skulptur fiel monatelang niemandem auf

Der Künstler selbst meldete sich am Dienstag zu Wort. Unter dem Titel „Ein Monument vor dem Circus Maximus ohne Wissen des Bürgermeisters“ gab Visalli die Erklärung ab: „Es handelt sich nicht um einen Publicity-Gag, sondern um ein echtes Experiment und vor allem um eine Beschwerde.“ Es gehe darum, die mangelnde Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung für das Stadtbild im Allgemeinen und die Kunst im Besonderen an den Pranger zu stellen.

Das Resultat sei zwei Monate nach der Installation „dramatisch“: „keine Benachrichtigung des Künstlers, keine Anfrage, keine Inspektion der Arbeit und keine Kontrolle in Sicherheitsfragen“, so Visalli, „und das trotz der offensichtlichen Größe, auffälligen Farbe und Lage nicht weit von den Büros der Stadtverwaltung.“ Niemand habe etwas bemerkt oder gefragt. „Ich hatte gehofft, dass die Arbeit nach ein paar Tagen entdeckt werde. Leider für Rom stelle ich fest, dass es zwei lange Monate dauerte. Dabei war es meine Absicht, einen kulturell sakrosankten Raum zu entweihen“, zeigte sich Visalli enttäuscht.

Sofortiger Abriss angeordnet

„Tatsächlich gab es keine Kontrolle, weil es keine offizielle Anfrage dafür gab“, erklärte die Sprecherin des Stadtrats für Kultur, Flavia Barca. Vielleicht sei das Werk auch deshalb niemandem aufgefallen, weil Rom eine an Kunst und Kultur außerordentlich reiche Stadt sei, hieß es aus dem Büro des Stadtrats, das darin auch „eine Form von Streetart“ sehen möchte. „Wir gehen damit um wie mit anderen - vielleicht auffälligeren - Provokationen“, sagte Barca.

Illegale Skulptur wird mit Absperrband überklebt

AP/Gregorio Borgia

Schließlich handelte die Stadtverwaltung doch

Wegen der fehlenden Genehmigung wurde indes der sofortige Abriss des Kunstwerks angeordnet. Noch in der Nacht auf Donnerstag wurde damit begonnen, es abzutragen, wie die „Repubblica“ berichtete. „Es wird sicher eine Strafe verhängt - zumindest für die entstandenen Kosten für den Abstransport“, sagte Barca.

Ein Kunstwerk und ein Imbissstand

Die illegale Präsenz von Visallis Skulptur erinnerte den „Corriere della Sera“ freilich an eine weitere „Provokation“ in unmittelbarer Nähe. Ein riesiger Imbissstand störe dort seit langem das Panorama auf den Circus Maximus ohne Einspruch der Stadtverwaltung. Habe schon der ehemalige römische Bürgermeister Gianni Alemanno nichts gegen die Straßenhändler vor historischen Bauwerken ausrichten können, würden sie auch unter dem neuen Bürgermeister Ignazio Marino geduldet. Dementsprechend sei es weiter nicht verwunderlich, dass wenige Meter davon entfernt ein modernes Kunstwerk keine Aufmerksamkeit errege.

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