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Vierter Anschlag in Folge

Kurz vor dem dritten Jahrestag des Beginns des Aufstands gegen den Langzeitmachthaber Hosni Mubarak am Samstag eskaliert die Gewalt in der ägyptischen Hauptstadt Kairo: Innerhalb weniger Stunden sind am Freitag in Kairo mehrere Menschen bei insgesamt vier Bombenanschlägen ums Leben gekommen.

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Eine Bombe „mit geringer Sprengkraft“ sei an der Hauptstraße zu den Pyramiden von Giseh explodiert, sagte ein Vertreter des Innenministeriums am Freitagnachmittag. Dabei kam ein Mensch ums Leben. Zuvor waren in der Stadt drei Sprengsätze detoniert. Bei einem Anschlag auf das Polizeihauptquartier wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vier Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt.

Deutsches Fernsehteam attackiert

Der nächste Angriff richtete sich gegen ein Polizeifahrzeug nahe einer U-Bahn-Station im Stadtviertel Dokki. Ein Polizist wurde getötet, vier Menschen verletzt. Bei einer weiteren Explosion ebenfalls auf der Straße zu den Pyramiden von Giseh gab es keine Opfer.

Ein Fernsehteam des Südwestrundfunks (SWR) wurde nach Angaben des Senders von einer wütenden Menschenmenge attackiert, als es am Tatort vor dem Polizeiquartier drehen wollte. Mehrere aufgebrachte Anrainer bezichtigten die SWR-Mitarbeiter demnach, „Unterstützer der Muslimbrüder“ und „Verräter“ zu sein. Zwei der Angegriffenen hätten Schnittwunden und Prellungen erlitten.

Angriff auf Polizeihauptquartier

Bei dem Selbstmordanschlag auf das stark gesicherte Polizeihauptquartier sprengte sich der Angreifer in seinem Auto vor dem Gebäudekomplex der Sicherheitskräfte in die Luft. Ein Polizist, der den Angriff auf das Hauptquartier miterlebte, berichtete, der Angreifer habe mit seinem Wagen den Metallzaun um das Gebäude gerammt.

Krater in Straße vor beschädigter Polizeizentrale in Kairo

AP Photo/Amr Nabil

Vor der Polizeizentrale ist der Bombenkrater zu sehen

Durch die Explosion wurde die Fassade der Polizeizentrale zerstört. Auch das gegenüberliegende Museum für Islamische Kunst wurde stark beschädigt. UNESCO-Chefin Irina Bokowa verurteilte den Anschlag und kündigte an, die Schäden in dem Museum zu beseitigen. Nach Angaben des Antikenministeriums wurden mehrere Zimmer in dem erst vor wenigen Jahren renovierten Museum zerstört.

Markante Anschläge auf Objekte der Staatsgewalt

Die Staatsführung kündigte an, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wer an der Planung oder Finanzierung der Anschläge beteiligt gewesen sei, werde hart bestraft, hieß es in einer Erklärung des Präsidentenbüros. Die Unterstützer des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi distanzierten sich von dem Angriff auf das Polizeihauptquartier. „Wir verurteilen den Anschlag in Kairo und betonen unsere Bereitschaft, friedlich gegen den Putsch zu kämpfen“, erklärten die Islamisten im Kurznachrichtendienst Twitter.

Schäden am Museum für islamische Kunst

APA/EPA/Khaled Elfiqi

Durch die Explosion vor der Polizeizentrale wurde auch das in der Nähe liegende Museum für islamische Kunst beschädigt

Der Angriff auf die Polizeizentrale ist der zweite markante Anschlag auf ein stark gesichertes Objekt der Staatsgewalt und der erste dieser Art in der Hauptstadt Kairo. Vor einem Monat waren bei einem Anschlag auf die Polizeizentrale in der Nildeltastadt al-Mansura 16 Menschen getötet worden.

Gefechte mit Polizei

Stunden nach dem Anschlag versammelten sich auf der Straße nach Giseh rund 2.000 Mursi-Anhänger, wie die Sicherheitskräfte berichteten. Sie verbrannten Autoreifen und schleuderten Benzinbomben auf die Einsatzkräfte. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte lauf eigenen Angaben Tränengas ein.

Seit dem Sturz Mursis im Juli vergangenen Jahres wurden bei Anschlägen in Ägypten immer wieder Polizisten und Soldaten getötet. Die blutigste Attacke riss im Dezember auf der Sinai-Halbinsel 15 Menschen in den Tod, die meisten von ihnen waren Polizisten. Zu dem Autobombenanschlag eines Selbstmordattentäters auf das Hauptquartier der Sicherheitskräfte in der Region bekannte sich damals die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Gruppe Ansar Beit al-Makdis.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen zu Jahrestag

Am Samstag jährt sich der Ausbruch der Revolution gegen Langzeitpräsident Mubarak zum dritten Mal. Aus Furcht vor Anschlägen hatte die Übergangsregierung Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht. Die staatlichen Eisenbahnen stellten am Donnerstag den Betrieb zwischen Oberägypten und Kairo ein. Offiziell wurden „technische Probleme“ als Grund genannt. „Al-Masri al-Jum“ zitierte aber einen Beamten der Eisenbahnverwaltung, dem zufolge die unbefristete Betriebseinstellung auf ausdrücklichen Wunsch der Staatssicherheitsdienste erfolgt sei.

Alte Seilschaften kehrten zurück

Die Behörden befürchten anscheinend weitere Gewalt und neue Demonstrationen am Samstag. Die verbotene Muslimbruderschaft rief zu Protesten auf. Seit der Entmachtung der Islamisten kehrten viele Funktionsträger und Günstlinge der Mubarak-Herrschaft in ihre Machtpositionen zurück. Mubarak war am 11. Februar 2011 nach 30-jähriger Herrschaft auf Druck der Massenproteste zurückgetreten.

Regierung ruft zu Kundgebung auf

Die Übergangsregierung in Kairo versucht zugleich, den Jahrestag der Anti-Mubarak-Revolte zu vereinnahmen. Sie rief die Bevölkerung dazu auf, am Samstag für die neue Führung zu demonstrieren. Übergangspräsident Adli Mansur sagte am Donnerstag in einer Rede an der Polizeiakademie in Kairo: „Die Revolution (vom 25. Jänner) hat die Kluft zwischen dem Volk und der Polizei überbrückt.“

Für diese Kluft seien nur einzelne Polizeikommandeure und Individuen verantwortlich gewesen, fügte er hinzu. Tatsächlich hatte sich die Revolte vor drei Jahren nicht zuletzt aus der Wut über die systematische Willkür, Gewalt und Korruption der Polizei unter Mubarak gespeist.

Reisewarnung des Außenamts

Für Kairo und andere ägyptische Großstädte, insbesondere in der Deltaregion, gilt seitens des Außenministeriums eine Reisewarnung. Es wird empfohlen, Bewegungen in den betroffenen Gegenden, vor allem in Kairo, auf das unbedingt notwendige Mindestmaß zu reduzieren, hieß es am Freitag auf der Website des Ministeriums. Aufgrund der jüngsten Bombenattentate in Kairo rät das Außenministerium dringend davon ab, sich in der Nähe von Sicherheitseinrichtungen aufzuhalten.

Auch wenn derzeit eine sofortige Ausreiseempfehlung nicht ausgesprochen wird, wird Österreichern, die sich in Ballungszentren befinden, empfohlen zu prüfen, ob ihr weiterer Aufenthalt dort dringend notwendig ist. Sollte das nicht der Fall sein, sollten sie die Heimreise antreten.

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