Themenüberblick

Lipstick und Allrad

Der SUV-Trend schreitet voran. Egal, auf welche Autoshow man schaut: Der Trend geht zu Midsize oder zu Hybridformen, in denen sich Coupe und SUV treffen. Zusätzlich bringt der größenmäßig runterskalierte SUV das höhergelegte Gefährt weg von der Geländepiste hin zum Sportwagenformat. Was man dabei vergisst: Autokonzerne hatten solche Modelle teilweise schon in früherer Zeit in der Schublade, trauten sich aber nicht raus damit.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Ein Coupe mit Allradantrieb? Der deutsche Hersteller Audi hatte das mit seinem Urquattro (Weltpremiere Frühjahr 1980), jenem Auto, das man auch im Jahr 2014 wieder in Detroit beschwört, schon am Start.

Audi Quattro

Audi

Allrad und Coupe: Der Urquattro von Audi

AMC interpretierte wenig später den AMC als AMC Egale SX4 auch als Schrägheckfahrzeug mit Allradantrieb, das sich auf jeden Fall in den Längendimensionen genau in der Liga bewegt, in der man heute die Midsize-SUVs mit ihre modischen Dreitürauslegungen betrachten kann.

AMC Eagle SX4

cc by-sa AutoPhoto

Kurzer Bauzeitraum, große Wucht: der AMC SX4, frisch lieferbar gerade zwischen 1981 und 1983

Das Umskalieren eines erfolgreichen, noch dazu ein wenig an die Retrolinie angelegten Modells hat ja Mini mit seinen verschiedenen Neu- und Uminterpretationen des Coopers vorgeführt: als Countryman, Fünftürer mit Gelände- und Kleinfamilientauglichkeit, also Coupe und vieles mehr.

Mini Countryman

Reuters/Denis Balibouse

Mini machte wohl am erfolgreichsten für die Gegenwart vor, wie man ein kulttaugliches Auto in verschiedene Größen wuchten kann

Dass das Verkleinern zum kompakten Stadt-SUV erfolgreich sein kann, gerade wenn es um die Kombination der Aspekte von Auto und Sozialdistinktion geht, hat etwa Range Rover mit dem Evoque deutlich erkennbar vorgelegt.

Range Rover Evoque

ORF.at/Christian Öser

Evoque wird zum widersprüchlichen Blickfänger in der Stadt. Doch Aufmerksamkeit erwirkt man schließlich auch mit Polarisierung.

Der Trend zum Coupe-SUV wird weiter gehen, das zeigen viele Überlegungen, die man im Moment in Detroit sehen kann: von Volvo, Porsche, Audi und Co.

Ein Blick in die Fotoarchive zeigt: Da war doch schon einmal etwas. Etwa der Audi Steppenwolf, ein Auto, das vielleicht nicht in die Zeit passte - oder das Thema Mut und Markt nicht verheißungsvoll verband: Vorgestellt auf dem Pariser Autosalon 2001, da sah man ein Geländefahrzeug, das auf der Audi-A3-Plattform und der Plattform des Audi TT in einer Geländeausführung andockte (fast müsste man sagen: auf diese aufstockte).

Audi Steppenwolf

Audi

Manche Autos betreten die Bühne der Öffentlichkeit zu früh. Der Steppenwolf von Audi war für das Jahr 2001 wohl ein bisschen zu gestelzt.

In Detroit zeigte Audi jedenfalls, wie man eine alte Idee reaktiviert, am Ende aber doch auf den Boden bringt: Der Audi Allroad Shooting Brake ist als SUV gerade einmal 1,41 Meter hoch, knapp so lang wie ein dreitüriger A3 und am Ende doch am ehesten ein Spotwagen. Dafür spricht auch der Einsatz der Hybridtechnologie in diesem Auto: Mit über 400 PS wird man beim besten Willen nicht in erster Linie die Offroad-Eigenschaft im Blick haben. Da wird wohl eher das Thema Kaltstart an der Kreuzung neu interpretiert.

Audi allroad

Audi

Der SUV wird zum Coupe, wird zum Sportwagen - oder in Ingolstädter Kürze: mehr TT als Q

Posche legt ebenfalls den Cayenne in die kleinere Macan-Version. Auch hier gilt: Wer die Raumdimensionen eines Sportwagens gewöhnt ist, wird sich auch im Coupe-SUV räumlich orientieren können. Für bestimmte Männerkonfektionsgrößen könnte es in der neuen „Gelände“-Klasse schon am Lenkgrad etwas enger werden. Ein Schalensportsitz ist kein Sozius, mit dem man Größen verhandeln kann.

Porsche Macan

APA/EPA/Bob Riha

Der Cayenne wird kleiner. Er wird neben der Coupe-Version auch als Fünftürer interpretiert: Sicher ist wohl sicher.

Dass in der Kombination retro und SUV-Downsizing einer nicht fehlen darf, wurde in Detroit auch deutlich: Der Beetle von VW hat ja quasi Coupe-Gene und muss nicht down-, sondern upgesizet werden. Als Beetle Dune wirkt der Käfer wüstentauglich - innen ist er noch mehr Lipstick und Allrad. Und sollte jemand in die Verlegenheit kommen, doch auf einen Rücksitz klettern zu müssen, dann sollte man gute Yoga- und Pilates-Eignungen mitbringen.

VW Beetle Dune

AP/Tony Ding

Ski als Wüstenspoiler: Der Beetle wird zum Beetle Dune

Der neue SUV ist ein Auto für zwei Personen. Der Blick auf die Kofferraumdimensionen sagt mitunter auch: die Reisedistanz mag wohl überlegt sein. Aber vielleicht ist in dieser Kundenklasse ein kleiner Zusatzbummel für den Kleidernachschub ohnedies das, was man auch im Größenmaßstab sagen kann: eine Petitesse.

Gerald Heidegger, ORF.at

Links: