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Offizielle Prognose: „Unglaublich kalt“

In den USA haben am Wochenende Millionen Menschen ihre Vorkehrungen für die nahende Rekordkältewelle getroffen. In mehreren Bundesstaaten dürften die Temperaturen zu Wochenbeginn bis auf minus 30 Grad und darunter sinken. In einigen Städten ist es so kalt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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Nach den Schneestürmen im Nordosten der USA zum Jahreswechsel breitet sich derzeit arktische Kälte auch über anderen Teilen des Landes aus. Betroffen ist auch der Mittlere Westen. Die Prognose des staatlichen Wetterdienstes NWS: „Unglaublich kalt und möglicherweise Rekordtemperaturen, starker Schneefall und Eis sind für die östlichen zwei Drittel des Landes in der kommenden Woche zu erwarten“, hieß es Sonntagfrüh auf der Website des NWS.

Frostig wie seit Jahrzehnten nicht mehr

In der Stadt Chicago (Bundesstaat Illinois) werden minus 29 Grad Celsius erwartet, in Pittsburgh (Pennsylvania ) minus 24 Grad Celsius. In der Hauptstadt Washington D. C. war es laut dem privaten Wetterdienst Weather Bell seit 20 Jahren nicht mehr so kalt wie derzeit, in Teilen des Mittleren Westens seit 15 nicht mehr. „Wenn Sie unter 40 sind, dann haben Sie so etwas noch kaum erlebt“, sagte Weather-Bell-Meteorologe Ryan Maue zur derzeitigen „Rekordkälte“, wie sie die Wetterdienste bereits nennen.

Fußgänger im Schneegestöber

AP/Nam Huh

Für Chicago gab es am Sonntag erneut eine Wintersturmwarnung

Normalerweise bleibe der winterliche Kaltluftsee, der über der Polarregion entstehe, über Kanada, so NWS-Meteorologe Phillip Schumacher am Sonntag zu den Ursachen der derzeitigen Temperaturen. Diesmal allerdings werde er sich über den gesamten Nordosten der USA ausbreiten. Das bedeute nun minus 25 Grad in North Dakota, minus 31 in Minnesota samt schulfrei.

Städte treffen Vorkehrungen

In Vermont hatte es bereits am Samstag minus 30 Grad, in Maine an der Ostküste fast minus 38. Zusammen mit starkem Wind ergeben diese Werte gefühlte Temperaturen von minus 50 Grad und darunter – entsprechend die Warnungen: Bei derartigem Frost steige die Gefahr von Unterkühlungen bzw. Erfrierungen schon binnen Minuten.

In den großen Städten stieg folglich der Andrang von Obdachlosen auf Notschlafstellen stark. New York schickte deutlich mehr Mitarbeiter als üblich aus, um Menschen ohne Dach über dem Kopf zu helfen. Sobald die Temperaturen in der Millionenmetropole unter den Gefrierpunkt fallen, kommen Unterstandslose ohne das sonst übliche Aufnahmeverfahren in Notunterkünften und Hilfszentren unter.

Schon 13 Tote

Bis zum Wochenende starben durch die Schneestürme und arktische Temperaturen bzw. ihre Folgen wie Verkehrsunfälle laut Angaben des TV-Senders CNN in den USA bereits 13 Menschen. Auch Teile Kanadas sind von dem heftigen Wintereinbruch betroffen. In der Provinz Quebec sank die Temperatur am Freitag auf minus 29 Grad, am Tag zuvor war es sogar noch knapp fünf Grad kälter gewesen.

Räumfahrzeug auf verscheiter Straße

AP/Michael Dwyer

Die Räumdienste stehen im Dauereinsatz

Unzählige Verkehrsunfälle

Der Autoverkehr kämpfte teils nach wie vor mit den Nachwehen der Schneefälle. In Metropolen wie Boston, Washington und Philadelphia waren Räumdienste im Dauereinsatz. Allein in New York waren laut CNN 24.000 Räumfahrzeuge unterwegs. An der Ostküste fielen stellenweise bis über 60 Zentimeter Neuschnee. Allein im Bundesstaat New York ereigneten sich 600 Verkehrsunfälle.

Schneefräse in New York

Reuters/Mike Segar

Tiefer Winter in der New Yorker Bronx

Flugzeug rutschte von vereister Rollbahn

Auch auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy kam es zu erheblichen Problemen. Am Sonntag rutschte ein gerade gelandetes Flugzeug von einer durch Schnee und Eisregen offenbar spiegelglatten Rollbahn. An Bord der aus dem kanadischen Toronto kommenden Maschine mit insgesamt 35 Insassen habe es keine Verletzten gegeben, teilte die Flugaufsicht mit.

Der Flughafen wurde nach dem Vorfall für mehrere Stunden geschlossen, um alle Start- und Landebahnen gründlich von Eis und Schnee zu befreien. Es kam zu Flugausfällen und -verspätungen. Auch andere Flughäfen mussten teilweise oder ganz gesperrt werden. Am schwersten betroffen waren der O’Hare International Airport in Chicago und der Newark Liberty International Airport in New Jersey. Seit Beginn des Schneetreibens am Donnerstag waren mehrere tausend Flüge gestrichen worden.

New Yorks Bürgermeister lädt zum Schneeschaufeln

Für den erst am Mittwoch vereidigten neuen Bürgermeister der Stadt, Bill de Blasio, wurde der Wintersturm zur ersten Bewährungsprobe. Nach einem Schneesturm im Jahr 2010 hatte er das winterliche Krisenmanagement seines Vorgängers Michael Bloomberg in der Acht-Millionen-Metropole kritisiert - und wollte den Job nun selbst besser machen.

Der Bürgermeister von New York, Bill de Blasio, beim Schneeschaufeln vor seinem Haus

AP/Seth Wenig

New Yorks neuer Bürgermeister Bill de Blasio beim Schneeschaufeln wie du und ich

Er rief die Einwohner auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und warnte vor den eisigen Temperaturen in den Abendstunden. De Blasio setzte auf demonstrativ gute Laune und lud Medienvertreter zum öffentlichen Schneeschaufeln vor seinem Wohnhaus im Stadtteil Brooklyn.

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