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Regelmäßige Gratisuntersuchung

Österreich startet nach jahrelangen Bemühungen und Diskussionen Anfang 2014 ein organisiertes kostenloses Brustkrebs-Screeningprogramm. In Wien wurden Anfang Dezember die Details des Vorsorgeprogramms präsentiert - die Initiatoren sehen Österreich damit weltweit in einer Vorreiterrolle.

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Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie-Untersuchung (Röntgenuntersuchung der Brust). Frauen zwischen 40 und 44 sowie 70 und 74 Jahren können eine Einladung anfordern. Die Einladung reicht, eine Arztüberweisung ist nicht notwendig.

Das Programm wurde zwischen Sozialversicherung, Ärztekammer und Gesundheitsministerium sowie den Bundesländern ausgehandelt. „Wir schaffen neue Chancen im Gesundheitsbereich. (...) Manches Ding braucht Weile. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart, die Frauen trifft. Wir werden mit dem qualitativ hochwertigen Screeningprogramm dagegen auftreten“, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). 190 Stellen mit 570 speziell ausgebildeten und zertifizierten Radiologen stehen bereit.

1.500 Todesopfer jährlich

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen - rund 5.000 Frauen erkranken in Österreich pro Jahr daran. 1.500 Todesopfer werden jährlich registriert.

„Europaweit bestes Programm“

Die Fortschritte charakterisierte Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse und Hauptverantwortlicher für die Entwicklung des Programms aufseiten der Sozialversicherung: „In Österreich gab es in den vergangenen 25 Jahren ein ‚graues‘ Brustkrebsscreening. Bund, Bundesländer, Ärztekammer und Sozialversicherung haben gemeinsame Sache gemacht. Es wird das derzeit europaweit beste Programm sein.“

Bisher nur 40 Prozent bei Untersuchung

Bisher nahmen an dem „grauen“ Screeningprogramm - bezahlt wurde jede Mammografie-Untersuchung, zu der sich Frauen meldeten - rund 40 Prozent der infrage kommenden Österreicherinnen teil. Durch die Einladungen will man längerfristig die Quote auf 70 Prozent steigern. Das soll Frauen zur Mammografie bringen, die bisher nicht zur Untersuchung gingen. Infomaterial etc. gibt es auch fremdsprachig. Die Aufklärung erfolgt beim Radiologen ebenso wie beim sonstigen Vertrauensarzt.

Der Bundesfachgruppenobmann der Radiologen, Franz Frühwald, wurde bei der Pressekonferenz für sein Engagement gelobt, welches das Projekt bei allen Diskussionen doch noch ermöglichte. Der Experte über die Vorteile: „Es ist ein sehr fortschrittliches und qualitativ hochwertiges Programm geworden. Es ging um die medizinischen Inhalte. Die Screening-Mammografie wird nur mit digitalen Geräten erfolgen, es gibt eine Qualitätssicherung, zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung (wenn das Röntgen wegen besonders dichten Brustgewebes nicht ausreichend aussagekräftig ist, Anm.). Wir werden eine weltweit einzigartige Datenqualität haben und werden weltweit eines der Topprogramme etabliert haben.“

Vieraugenprinzip beim Befund

Entscheidend für die Qualität wird wohl auch das Befundungsprinzip unter vier Augen für alle Mammografien durch zwei Radiologen sein. Zusätzlich werden alle Qualitätskriterien in dem Screeningprogramm für Frauen, die noch keine Patientinnen sind, in der Zukunft auch auf die „kurative Mammografie“ bei bereits bestehendem Verdacht oder bei Risikopersonen (erbliche Belastung) in Österreich ausgedehnt.

Ärztekammer blockierte Verhandlungen

Der Umsetzung der Vorsorgeinitiative ging ein langer Streit mit der Ärztekammer voraus. Die Ärztevertreter in Wien und in der Steiermark hatten das bereits von der Österreichischen Ärztekammer, den Ländern, der Sozialversicherung und dem Bund beschlossene Früherkennungsprogramm an ihren Tarifstreit mit den Gebietskrankenkassen gekoppelt und damit die Einführung um drei Monate verzögert. „Auf Kosten der Frauen in Österreich“, wie man in der GKK kritisierte.

Positiv reagierte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf die nunmehrige Einigung: „Das Angebot ist niederschwellig, die Frauen werden in mehreren Sprachen angesprochen. Besonders wichtig ist auch, dass auch nicht sozialversicherte Frauen am Programm teilnehmen können.“ Ein weiterer sehr positiver Aspekt sei die Doppelbefundung jeder Diagnose, was gewährleisten soll, dass es zu keinen Fehlbefunden kommt.

Expertenkritik: Panikmache, die nur wenigen nützt

Das Programm erntete jedoch auch Kritik. Der Radiologe Hans Mosser, Spezialist für Brustgesundheit, Früherkennung und Mammografie, kritisierte Art und Umfang der offiziellen Informationen über das Screening. Darin werde nach Mosser nämlich der Eindruck vermittelt, dass jede einzelne Teilnehmerin von der Screening-Mammografie profitiert. Das aber treffe für die große Mehrzahl der Frauen in keiner Weise zu.

„Denn Screening nützt ausschließlich denjenigen Frauen, die tatsächlich Brustkrebs in einem Frühstadium haben“, so Mosser, „während die Untersuchung den Hunderttausenden Frauen, die keinen Brustkrebs haben, überhaupt nichts nützt. Dass man das leider erst hinterher weiß, also erst nach Durchführung der Mammografie, ist das große Dilemma jedes Screenings.“ Mosser forderte unabhängige Aufklärung anstelle von Panikmache.

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