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Größter Zuwachs unter allen Testländern

Österreichs 15- und 16-Jährige haben in Mathematik aufgeholt und bei dem Programme for International Student Assessment (PISA) 2012 Platz elf unter 34 OECD-Ländern erreicht. Gleichzeitig verweist die OECD in ihrem Länderbericht auf eine besorgniserregende Entwicklung: Die Geschlechterkluft im Haupttestfach Mathematik wuchs in Österreich deutlich.

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Lagen die Buben 2003 noch acht Punkte vorne, sind es nun 22 Punkte - das ist der größte Zuwachs unter allen Ländern. Während sich das Gesamtergebnis im Vergleich zu 2003, als Mathematik zuletzt im Zentrum von PISA stand, nicht veränderte, gab es eine Verschiebung beim Leistungsspektrum zwischen den Geschlechtern.

Mädchen legen bei Risikoschülern zu

So ging bei den Burschen der Anteil an Risikoschülern, die bestenfalls einfache Formeln und Schritte zur Lösung von Aufgaben anwenden können, um rund drei Prozentpunkte auf 16,1 Prozent zurück, gleichzeitig steigerte sich der Anteil an jenen, die in Mathematik sehr gut abschneiden, von 16,7 auf 18 Prozent. Bei den Mädchen legte unterdessen der Anteil der Risikoschülerinnen um fast drei Prozentpunkte auf 21,2 Prozent zu, im Vergleich zu 2003 nahm der Anteil der Spitzenschülerinnen um über einen Prozentpunkt auf 10,6 Prozent ab.

OECD: Schlicht nicht hinnehmbar

„Über das Auseinanderdriften zwischen Jungen und Mädchen in der Mathematik sollte sich Österreich Sorgen machen“, sagte der stellvertretende OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Immerhin könne man anhand der Mathematikkompetenzen von Menschen „mit ziemlicher Sicherheit voraussagen, wie groß ihre Chancen auf einen erfüllenden Arbeitsplatz sind und ob sie auch sonst an der Gesellschaft teilhaben werden“. Es sei „schlicht nicht hinnehmbar“, dass Frauen in Österreich „so viel schlechter“ dastünden als Männer, so Schleicher.

Mathematik interessiert wenige

Die OECD hebt außerdem hervor, dass Österreich zu jenen Ländern gehört, in denen die Schüler - vor allem die Mädchen - am wenigsten Freude an der Mathematik haben. Nur 41 Prozent interessiert, was sie in Mathematik lernen (OECD: 53 Prozent). Unter Buben ist immerhin noch jeder zweite interessiert, unter Mädchen nur jedes dritte.

Die OECD sieht einen Zusammenhang zwischen der geringen Motivation und dem differenzierten Schulwesen ab zehn Jahren: „Bei Schülerinnen und Schülern in derartigen Systemen ist in der Regel eine geringere Motivation im Bereich Mathematik festzustellen, was bedeutet, dass sie keinen greifbaren Nutzen darin sehen, Mathematik zu lernen.“ Hier einige Beispiele aus Mathematik zum Selbertesten - mehr dazu in oe1.ORF.at. Große Geschlechtsunterschiede in die andere Richtung gibt es auch immer noch beim Lesen: Hier erreichen die Mädchen wie schon seit der ersten PISA-Studie 2000 bessere Ergebnisse, der Unterschied liegt im Schnitt bei 37 Punkten.

Keine Verbesserung bei Migrationshintergrund

Bei der PISA-Studie 2012 wurden die Leistungsunterschiede zwischen Migranten und Einheimischen in Mathematik gegenüber 2003 in den meisten Staaten geringer. Das gilt aber nicht für Österreich - hier blieben die Mathematikmittelwerte sowohl für Einheimische als auch Migranten nahezu unverändert.

Einheimische Kinder (laut OECD zumindest ein Elternteil in Österreich geboren) erreichten bei PISA 2012 in Mathematik 516 Punkte, Migranten der zweiten Generation (Eltern zugewandert, Kinder im Inland geboren) 458 Punkte und Zuwanderer der ersten Generation (Kinder noch im Ausland geboren) 454 Punkte. Das ist praktisch das gleiche Ergebnis wie 2003, als Mathematik das letzte Mal Haupttestfach war.

Unterschied größer als in anderen Ländern

Anders sieht es in den anderen OECD-Ländern aus. Dort konnten die Migranten die Leistungsunterschiede zu den Einheimischen seit 2003 um elf Punkte verringern. In Österreich beträgt die Punktedifferenz zwischen Einheimischen und Migranten genau 60 Punkte - eine ähnliche Differenz zeigt sich, wenn man statt des Migrationshintergrunds die zu Hause am häufigsten gesprochene Sprache vergleicht. Bezieht man den sozioökonomischen Status ein, beträgt der Leistungsunterschied noch immer 42 Punkte.

Migrantenanteil generell gestiegen

Insgesamt stiegen die Migrantenzahlen sowohl in Österreich als auch OECD-weit. In Österreich waren diesmal 16,5 Prozent der bei PISA getesteten Schüler Migranten. Zum Vergleich: 2000 waren es rund elf Prozent, 2003 rund 13 Prozent. Der Zuwachs geht praktisch ausschließlich auf das Konto der Migranten zweiter Generation (schon in Österreich geboren). In der OECD nahm die Zahl der Migranten - auf etwas niedrigerem Niveau - in gleichem Ausmaß zu: Sie betrug bei PISA 2012 rund zwölf Prozent (2003: neun Prozent).

Beim Prozentanteil der Migranten an den PISA-Schülern liegt Österreich mit seinen 16,5 Prozent im oberen Mittelfeld: An der Spitze befindet sich Luxemburg mit 46,1 Prozent, gefolgt von Kanada (29,6 Prozent), Neuseeland (26,4 Prozent) und der Schweiz (24,3 Prozent).

Studie sieht drei Gruppen

Aufgrund der Ergebnisse lassen sich die Leistungen in drei Gruppen einteilen: In Kanada, Irland, Neuseeland, Lettland und Israel erbringen Migranten ähnlich gute Matheleistungen wie Einheimische. In der zweiten, der größten Gruppe liegen die einheimischen Jugendlichen deutlich vor den Migranten, wobei erste und zweite Generation kaum Leistungsunterschiede aufweisen - dazu gehören etwa Deutschland und Österreich.

In der dritten Gruppe sind die Einheimischen deutlich besser als die Migranten zweiter Generation und diese wiederum besser als jene der ersten Generation - Beispiele dafür sind die Schweiz, Slowenien, Dänemark, Schweden und Italien. Völlig aus der Reihe fällt Australien: Dort liegen beiden Migrantengruppen deutlich vor den Einheimischen

Sozialer Status weiterhin wichtig

Beim Abschneiden können in Österreich 16 Prozent der Unterschiede laut der PISA-Studie mit dem sozioökonomischen Hintergrund der Schüler erklärt werden (OECD: 15 Prozent). Der Unterschied zwischen sozioökonomisch besser- und schlechtergestellten Schülern liegt im OECD-Schnitt bei 39 Punkten - das entspricht etwa dem Leistungsvorsprung von einem Schuljahr.

In Österreich ist der Abstand mit 43 Punkten etwas größer und im Vergleich zu 2003 unverändert. Dabei habe PISA 2012 erneut gezeigt, „dass sich gleiche Bildungschancen und exzellente Ergebnisse nicht ausschließen“, heißt es von der OECD mit Verweis auf Länder wie Australien, Kanada, Estland, Finnland und Liechtenstein.

Beim Anteil der Schüler, die trotz ungünstigen sozioökonomischen Hintergrundes über Erwarten gut abschneiden, landet Österreich mit 5,6 Prozent nahe dem OECD-Schnitt (6,5 Prozent). Interessant in diesem Zusammenhang: Im OECD-Schnitt haben Standorte mit vielen sozioökonomisch benachteiligten Schülern mindestens gleich viele, wenn nicht mehr Lehrer als Schulen mit bessergestellter Klientel. In Österreich kommt indes an Schulen mit betuchteren Schülern ein Lehrer auf zehn Schüler, an Standorten mit sozioökonomisch benachteiligten Schülern ein Lehrer auf 12,7.

Die Erfolgsfaktoren laut OECD

Die OECD hat aus PISA 2012 auch Erfolgsfaktoren für Bildungssysteme herausdestilliert: Die Spitzenländer legen großen Wert auf Auswahl und Ausbildung der Lehrer, ermuntern diese zusammenzuarbeiten und geben ihnen viel Autonomie, um klare Zielvorgaben zu erreichen. Weitere Faktoren: Schüler, deren Eltern hohe Erwartungen in sie setzen, strengen sich mehr an und sind motivierter und selbstbewusster. Leistungen werden auch gefördert, wenn Schüler in einem Land davon überzeugt sind, dass Erfolg aus Anstrengung und Arbeit entsteht „und nicht aus vermeintlich vererbter oder nicht vererbter Intelligenz“.

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