Die Bush-Jahre neu bewertet
Hing George W. Bush während seiner zwei Amtszeiten als US-Präsident von 2001 bis 2009 wirklich am Gängelband seines Vize Richard „Dick“ Cheney? Das Buch „Days of Fire“ des US-Politexperten Peter Baker stellt nun die bisherige Darstellung auf über 800 Seiten infrage.
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Das Buch des Weißes-Haus-Korrespondenten der „New York Times“ mit chronologischem Aufbau gilt in US-Medien als erste große umfassende Darstellung der Bush-Jahre. „Die Bush-Regierung begann mit einem zweiten Pearl Harbour (die Anschläge vom 11. September 2001, Anm.), endete mit einem zweiten Finanzcrash und hatte ein zweites Vietnam (der Irak-Krieg Anm.)“, so die pointierte Zusammenfassung der „New York Times“ der Regierungszeit von Bush jr.
Zwischen den Extremen
Bush, der sich jüngst immer mehr in Talkshows tummelt, wird indessen sein Buhmann-Image los und laut Umfragen bei den US-Bürgern im Nachhinein immer beliebter. Man befinde sich gerade in einer Phase, in der die Amtszeit von Bush neu bewertet wird, so der Journalist und Politikexperte James Mann von der Johns-Hopkins-Universität, der selbst als Bush-Kenner gilt, in der „Washington Post“. Die historische Bewertung der Bush-Jahre habe erst begonnen. Es habe ja einige Jahre gebraucht, bis die Schlüsselfiguren seiner Regierung ihre Memoiren geschrieben hätten.
Diese dienten Baker nun zu einem Teil, neben vielen Interviews im Bush-Umfeld, als Grundlage für „Days of Fire“. Jahrelang wurde Bush, vor allem während des Irak-Krieges, als Idiot oder dämonischer Manipulator beschrieben. Ein undifferenziertes Bild, das korrigiert gehöre, so Mann.
Eine weitere Herausforderung für die historische Bewertung sei allerdings auch das nunmehr vorherrschende Bild, das Bush als Unverstandenen, als Humanisten und kontemplativen Maler zeigt. Beides fabrizierte Klischees, denen Baker in seinem Buch durch die chronologische Darstellung der Fakten und der Interpretation durch die damals maßgeblichen Bush-Vertrauten und Regierungsmitglieder entgeht, so die US-Kritik.
Einflussnahme oder Macht delegiert?
Baker interessiert vor allem das Geheimnis rund um das Verhältnis zwischen Bush und Cheney. Neben Cheney sollen auch der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und hochrangige Militärs erheblichen Einfluss auf Bush gehabt haben - ja ihm ihren Willen aufgezwungen haben, wie die „New York Times“ weiter schreibt.
Als Beispiel genannt werden die maßgeblichen Entscheidungen des US-Zivilgouverneurs Paul Bremer im Irak ohne Rücksprache mit Bush - Bremer entließ die Soldaten der irakischen Armee und leitete auch eine „Debaathifizierung“ des Landes ein. Die Baath-Partei war die Partei des irakischen Diktators Saddam Hussein. Auch Finanzminister Henry Paulson riss nach dieser Lesart 2008 das Krisenmanagment der Finanzkrise an sich.
Bush der Entscheider
Doch Baker versucht tiefer zu graben. Er sieht in Bush den großen Entscheider. Und teils habe Bush entschieden, die Lösung der Probleme an andere weiterzugeben. Aber das sei seine eigene Entscheidung gewesen. „Seine Erfolge und seine Niederlagen waren seine eigenen“, heißt es in dem Buch. Wenn Bush sich stark auf Cheney verlassen habe, sei das ebenfalls seine Entscheidung gewesen.
Bushs Hang zum Delegieren hatte er bereits als Gouverneur von Texas ausgelebt und als Präsident einfach fortgesetzt. Wie Baker schreibt, hatte Bush Cheney bereits 1992 als Vizepräsident im Kopf, als noch lange nicht von seiner Kandidatur als Präsidentschaftskandidat die Rede war. Erst 2000 kam es dann dazu. „Er hatte das Team Bush - Cheney für fast ein Jahrzehnt im Hinterkopf“, schreibt Baker.
Interne Querelen und Kämpfe
2004 wollte Cheney sich als Vizepräsident verabschieden, Bush ließ ihn jedoch nicht ziehen. Doch als Bush wiedergewählt wurde, begann sich der seit Jahrzehnten Herzkranke aus seiner Rolle als Vizepräsident immer mehr zurückzuziehen. Minutiös beschreibt Baker dann die Folgen. Cheney verlor immer mehr Einfluss in Sachen Außenpolitik an Außenministerin Condoleeza Rice und in der Bekämpfung der Finanzkrise an Finanzminister Paulson und Fed-Chef Ben Bernanke.
Doch bereits in Bushs erster Amtszeit kam es zu internen Querelen und Machtkämpfen zwischen seinen Ministern und Beratern um die Position des Weißen Hauses in diversen politischen Fragen. Laut Baker sah Bush teils amüsiert, teils frustriert zu. Er verließ sich auf seinen weitaus erfahreneren Vize.
„Wie im Wachsfigurenkabinett“
In seiner zweiten Amtszeit stärkte Bush jedoch mit wesentlichen Personalentscheidung die direkte Durchsetzung seiner Ansichten, wie David Frum, Redenschreiber für Bush als Gastautor in der „New York Times“, schreibt.
Auch präsidiale Anekdoten enthält Bakers Buch. So wird Bush nach den eisigen Reaktionen auf seine Rede vor der UNO-Vollversammlung zitiert, es sei wie in einem Wachsfigurenkabinett gewesen. Niemand habe sich bewegt.
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