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Michoacan als Goldgrube der Kartelle

Mitte November hat sich im blutigen mexikanischen Drogenkrieg Bemerkenswertes ereignet: Rund 400 Mitglieder bewaffneter Selbstverteidigungsgruppen nahmen die Gemeinde Tancitaro im mexikanischen Bundesstaat Michoacan ein. Behörden zufolge lieferten sie sich zuvor einen Schusswechsel mit Kriminellen, bei dem drei Menschen getötet und zwei weitere verletzt wurden.

Der Bundesstaat im Westen Mexikos ist seit Monaten Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Rauschgiftkartellen und Selbstverteidigungsgruppen. Diese griffen angesichts der Untätigkeit der Behörden zur Selbstjustiz. Die städtische Polizei gilt in Mexiko als schlecht ausgebildet oder korrupt - oder beides zugleich.

Die mexikanische Regierung hatte zuletzt Anfang November Soldaten zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens nach Michoacan entsandt. Die Gewalt wurde dadurch jedoch nicht eingedämmt. Es gebe noch einiges zu tun, um die Sicherheit in Michoacan wiederherzustellen, räumte Innenminister Miguel Angel Osorio Chong ein.

Mexikanischer Bürgerwehr

APA/AP/Dario Lopez-Mills

Die Bürger Michoacans greifen selbst zu den Waffen

Nur zehn Tage zuvor war der Bürgermeister der Gemeinde Santa Ana Maya in der Unruheprovinz Michoacan von Mitgliedern des Drogenkartells Tempelritter gefoltert und getötet worden. Der 62 Jahre alte Ygnacio Lopez Mendoza war tot in seinem Auto entdeckt worden. Neben den Tempelrittern erheben praktisch alle Kartelle wie Los Zetas und Jalisco Nueva Generacion Anspruch auf die Vormacht in dem in der Nähe wichtiger Häfen gelegenen Bundesstaat.

Millionengewinne für Kartelle

Denn in Michoacan geht es um territoriale Kontrolle und satte Gewinne: Für die Tempelritter ist Michoacan eine nicht versiegende Geldquelle, und der Hafen von Lazaro Cardenas am Pazifik die ergiebigste Goldgrube. Sie beherrschen den Drogenhandel, ziehen von Bauern sowie Unternehmern eine Art Steuer ein und erpressen die Bürgermeister der Dörfer.

Bei fast jedem Geschäft in Michoacan halten die Caballeros Templarios die Hand auf. Jährlich kommen so über 940 Millionen Pesos (55 Mio. Euro) zusammen, wie die Zeitung „Milenio“ berichtete. Die enormen Gewinne aus dem internationalen Drogenhandel sind dabei noch nicht eingerechnet.

Gewalt kostet bis zu 15 Prozent des BIP

Die schlechte Sicherheitslage in Mexiko kostet die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas jährlich bis zu 15 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. „Wegen der Gewalt müssen wir zwischen acht und 15 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Beseitigung von Schäden, medizinische Versorgung und Sicherheitsmaßnahmen ausgeben“, sagte die mexikanische Gesundheitsministerin Mercedes Juan am Mittwoch auf einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Mexiko-Stadt. Hinzu kämen der Abfluss von Kapital und Produktivitätsverluste.

Das mexikanische BIP lag zuletzt bei 15,5 Billionen Pesos (874 Mrd. Euro). In Mexiko liefern sich Drogenkartelle seit Jahren einen brutalen Krieg um die Vorherrschaft im Rauschgiftgeschäft. Bei der Gewalt untereinander und im Kampf mit den Sicherheitskräfte wurden seit Ende 2006 mehr als 77.000 Menschen getötet.

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