Gegen Bestellung von Diethard Leopold
Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) sieht nach dem angekündigten Rücktritt von Tobias G. Natter als Direktor des Leopold Museums in Wien die Zeit für harte Schritte gekommen - und fordert die Auflösung des Museums. Man solle eine Museumsneuordnung angehen.
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„Das würde bedeuten, das Leopold Museum in seiner jetzigen Form aufzulösen, den Teil der Sammlung mit Bildern von Klimt, Schiele etc. dem Belvedere zu übergeben und die weiteren Teile entsprechenden anderen Museen zu überlassen. Das damit frei gewordene Gebäude könnte dann dem MUMOK als ‚Ausstellungshalle‘ zur Verfügung stehen“, so IKG-Präsident Oskar Deutsch und Erika Jakubovits vom Präsidium der IKG am Dienstag in einer Aussendung.
Umstrittene Klimt-Werke
Die „Gustav Klimt / Wien 1900 - Privatstiftung“ (kurz Klimt-Foundation) umfasst 14 Werke von Gustav Klimt, die aus der Sammlung von Gustav Ucicky (1899 bis 1961), Klimts unehelichem Sohn, stammen. Ucicky war einer der führenden Filmregisseure der NS-Zeit, der mit dem Propagandafilm „Heimkehr“ bekanntwurde. Die Stiftung sieht sich teils mit Raubkunstvorwürfen konfrontiert.
In jedem Falle sei eine Bestellung von Leopold-Sohn Diethard zum Nachfolger von Natter strikt abzulehnen, „da Diethard Leopold die restitutionsfeindliche Politik seines Vaters unverändert fortsetzt“. Im Gegenteil solle man die Vorstandstätigkeit von Leopold und Anwalt Andreas Nödl im Stiftungsvorstand auslaufen lassen. Der Rücktritt Natters sei jedenfalls ein mutiger Schritt, der von Ernsthaftigkeit und Integrität zeuge, so Deutsch und Jakubovits.
Überraschender Rücktritt bei Gala
Natter legte am Montag völlig überraschend seine Funktion als museologischer Direktor des Leopold Museums zurück. Diese Bombe ließ der renommierte Museumschef am Montagabend bei der Preisverleihung des OscART platzen. In einer Aussendung betonte Natter, dass der Grund für seinen Schritt die Doppelfunktion des kaufmännischen Direktors Peter Weinhäupl bei der neu gegründeten und mit Raubkunstvorwüfen konfrontierten Klimt-Ucicky-Foundation als Vorsitzender des Vorstandes sei.
„Es tut mir weh. Ich finde es sehr undankbar mir gegenüber, weil ich mich voll eingesetzt habe, ihn ans Leopold Museum zu holen", so Elisabeth Leopold gegenüber der APA. Ich finde es feig, sich zurückzuziehen, statt die Dinge in Ruhe miteinander auszureden. Denn auf wessen Kosten geht es denn? Auf Kosten des Museums, der Stiftung und auf meine Kosten, obwohl ich ihm so vertraut habe. Natter lässt damit einen Scherbenhaufen zurück. Er hat damit nichts besser gemacht.“

APA/Roland Schlager
Elisabeth Leopold und Tobias G. Natter in bestem Einverständnis vor dem Direktorenstreit
Leopold hatte schon in der Vergangenheit in der Zusammenarbeit von Natter und Weinhäupl eine gewisse „Disharmonie zwischen zwei unterschiedlichen Charakteren“ geortet: „Die zwei haben sich nicht verstanden. Das ist schade. Denn beide sind gut.“ Der von Natter angegebene Rücktrittsgrund einer von ihm gesehenen Unvereinbarkeit von Weinhäupls Tätigkeit im Vorstand der neu gegründeten Klimt-Stiftung mit dessen Rolle als Managing Director im Leopold Museum ist für Leopold „nur der Anlass, aber nicht die Ursache“.
Kampf um Zuschüsse hat für Leopold Priorität
Doch Leopold verhehlt nicht, dass sie im Stiftungsvorstand des Leopold Museums bei der Bewertung dieser Tätigkeit überstimmt wurde. „Ich möchte mit dieser Klimt-Stiftung nichts zu tun haben. Es stört mich, dass wir damit jetzt wieder mit Raubkunst in Verbindung gebracht werden. Das tut uns atmosphärisch nicht gut.“ Das sei besonders ärgerlich, da es nun einzig darum gehe, um die Erhöhung der Bundeszuschüsse für das Leopold Museum zu kämpfen.
Dazu werde in Kürze ein Gutachten des Zivilrechtlers Peter Doralt vorgelegt werden können, wonach aus dem Stiftungsvertrag die Verpflichtung des Bundes zur Anhebung der Abgangsdeckung abgeleitet werden könne. „Mir geht es jetzt nur um den Kampf ums Überleben der Leopold Museum Privatstiftung. Den werden wir halt jetzt ohne Natter kämpfen müssen.“ Man brauche dringend zusätzliche Mittel, schließlich bekomme man nur einen Bruchteil der Basisabgeltung von MUMOK und MAK. Den Mehrbedarf bezifferte Leopold mit „mindestens ein bis zwei Millionen Euro jährlich“.
„Große moralische Integrität“
Albertina-Chef Schröder stellte sich in einem ersten Kommentar hinter Natter. „Dass Natter diesen Schritt setzt, ohne zu wissen, wie es danach weitergeht, das ringt mir unglaublichen Respekt ab. Es spricht Mut und große moralische Integrität daraus.“
Auch er halte das Votum des Leopold-Vorstands nicht für richtig: „Das Leopold Museum ist in seiner Genese in den Verdacht geraten, vielleicht direkt oder indirekt Nutznießer der Judenverfolgung zu sein, der Enteignungen, der Raubkunst. Dass sich dieses Museum nun dank einer Personenidentität wieder mit einer Sammlung in Zusammenhang gerückt sieht, die jedenfalls in der Figur Ucicky eine nationalsozialistische Vergangenheit aufweist, das halte ich für keine kluge Entscheidung.“ Dass dabei die neue Klimt-Stiftung betont, Provenienzforschung zu betreiben, finde er prinzipiell gut und richtig: „Ich habe kein Indiz, ob das stimmt oder nicht. Also glaube ich das zunächst einmal.“
Weinhäupl überrascht
Weinhäupl gab sich von Natters Entscheidung überrascht: „Ich bedaure diese Entscheidung und verstehe sie nicht.“ „Mich wundert, dass er nicht das Gespräch, sondern die Inszenierung gesucht hat“, kommentierte Weinhäupl das Vorgehen Natters. Es habe in der bisherigen Zusammenarbeit der beiden Direktoren nur die üblichen kleineren Auseinandersetzungen, „aber keinerlei gröbere Konflikte“ gegeben. „Ich war immer bereit, über alles zu reden“, so Weinhäupl.

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Weinhäupl: „Ich war immer bereit, über alles zu reden“
Zu den Vorwürfen Natters betonte Weinhäupl, es handle sich bei der Stiftungsfunktion um eine ehrenamtliche Tätigkeit, mit der er geholfen habe, eine Konstruktion in Gang zu setzen, die künftig verbreitert werden soll. Er sehe keinerlei Unvereinbarkeit seiner beiden Tätigkeiten und könne sich im Übrigen nicht vorstellen, dass der Protest dagegen der wahre Grund für Natters Rücktritt sei. Der zurückgetretene Direktor stellt andere Gründe in Abrede. Das Vorliegen lukrativer anderer Jobangebote „kann ich ausschließen“.
„Es war kein leichter Schritt“, erläuterte Natter gegenüber der APA seine Kündigung, mit der eine dreimonatige Kündigungsfrist zu laufen beginnt. Er habe versucht, Leopold davon zu überzeugen, dass man nicht akzeptieren könne, dass Weinhäupl gleichzeitig mit der Tätigkeit in der seiner Meinung nach umstrittenen und völlig intransparenten neuen Stiftung weiterhin im Leopold Museum arbeiten könne.
Vorstand berät über die neue Situation
Nächste Woche wird der Vorstand der Leopold Museum Privatstiftung im Rahmen seiner routinemäßigen nächsten Sitzung die neue Situation beraten. Weinhäupl geht von einer Neuausschreibung der museologischen Leitungsfunktion aus. Dass er als kaufmännischer Direktor den Posten künftig in Personalunion bekleiden werde, sei schon rechtlich ausgeschlossen.
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