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Überfälliger Schritt

Die deutsche Lufthansa hat Mitte September angekündigt, trotz des harten Sparkurses Milliarden für neue Flugzeuge lockerzumachen. Die Fluglinie kauft 59 neue Langstreckenjets von Boeing und Airbus. Mit einem Listenpreis von 14 Milliarden Euro ist es die größte Bestellung aller Zeiten für den Konzern - allerdings gibt es bei solchen Großaufträgen üblicherweise große Rabatte.

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Der Schritt ist überfällig, da die Lufthansa noch mit vielen alten und spritdurstigen Maschinen fliegt. In Zeiten hoher Kerosinpreise ist das nicht übermäßig lukrativ. Mit den neuen Maschinen kann Europas größte Fluggesellschaft zudem im Wettbewerb mit Rivalen aus dem Nahen Osten wie Emirates aufholen, die mit neuesten Jets und vielen neuen Verbindungen der Lufthansa Passagiere abluchsen.

„Bedarf auf Jahre abgedeckt“

Der Auftrag umfasse 34 Boeing-Flugzeuge des Typs 777-9x und 25 Airbus A350-900, teilte die Lufthansa Mitte September mit. Dafür würden ältere Boeing- und Airbus-Maschinen bis 2025 aus dem Dienst genommen. „Damit haben wir den Bedarf der Lufthansa im Passagiergeschäft zunächst auf Jahre abgedeckt“, sagte der 2014 scheidende Konzernchef Christoph Franz.

Die Investition sichere allein bei der Lufthansa 13.000 Arbeitsplätze, rechnete er vor. Die Erneuerung der Lufthansa-Flotte ist sehr langfristig angelegt. Die ersten A350 mit 314 Sitzplätzen kommen ab 2016 und sollen ältere Langstreckenjets mit vier Turbinen wie den Boeing-Jumbojet 747-400 und den Airbus A340 ersetzen.

Deutlich geringerer Kerosinverbrauch

Die neuen Jets werden von zwei Triebwerken angetrieben und sollen der Lufthansa zufolge ein Viertel weniger Kerosin verbrennen als heutige Modelle. Die Tankrechnung ist einer der größten Kostenposten der Lufthansa - allein dieses Jahr sind dafür sieben Milliarden Euro eingeplant. Der deutsche Luftfahrtexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält die Einkaufstour daher für vernünftig. Mit der schrittweisen Einführung der neuen Jets dürfte die Lufthansa pro Jahr ein, zwei Prozent an Spritkosten sparen, sagt er.

Für die in die Jahre gekommene Flotte - die Langstreckenflugzeuge der Lufthansa haben im Schnitt zehn Jahre auf dem Buckel - sei das ein wichtiger Modernisierungsschub. „Die Lufthansa ist in den vergangenen Jahren bei Komfort und Ausstattung zurückgefallen und ist nur noch durchschnittlich - jetzt beginnt die Aufholjagd“, so der Fachmann.

Größter Airbus-Kunde

Die Lufthansa unterhält derzeit eine Langestreckenflotte von 107 Flugzeugen. Der Konzern ist weltweit der größte Airbus-Kunde. Mehr als die Hälfte der knapp 640 Flugzeuge der Gesellschaft und ihrer Töchter stammt aus den Werkshallen des europäischen Flugzeugherstellers. Die Lufthansa befindet sich derzeit auf der größten Einkaufstour ihrer Geschichte und hat - inklusive der neuen Flugzeuge - 295 Jets zu einem Listenpreis von 36 Milliarden Euro bestellt. Der Listenpreis wird aber selten wirklich fällig - in der Branche sind teils große Rabatte üblich. Allein beim aktuellen Auftrag dürfte sich der Nachlass auf 20 Prozent belaufen, schätzte Analyst Pieper.

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