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Korruption im Mittelpunkt

Mit den bereits zur Tradition gewordenen „Taferln“ haben die grüne Spitzenkandidatin Eva Glawischnig und Frank Stronach (TS) gleich zu Beginn der ORF-TV-Konfrontation versucht, einander beizukommen. Stronach warf seinem Gegenüber Unehrlichkeit vor, die Grünen-Chefin wiederum betonte den Kampf ihrer Partei gegen Korruption und Freunderlwirtschaft und nahm in dieser Kritik auch Stronach nicht aus.

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So warf Glawischnig Stronach vor, beim Kauf des Schlosses Reifnitz einen zu geringen Preis gezahlt zu haben. Im „System Haider“ sei er mit dabei gewesen. Auch habe er sein Versprechen der Gründung eines Tourismusbetriebes mit der Schaffung von Arbeitsplätzen nicht eingehalten. Der Austrokanadier meinte, er habe dort sehr viel renovieren müssen, und kündigte an, dass er die Immobilie gern wieder verkaufen würde, „wenn wir das Geld nur zurückkriegen, das wir reingesteckt haben“.

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Eva Glawischnig, mit Frank Stronach und Moderatorin Ingrid Thurnher bei der ORF-Konfrontation

ORF/Milenko Badzic

Ein Taferl jagte zu Beginn das andere

Kritik an Wahlkampfspenden

Seine Strategie, Ex-Politiker in den Magna-Konzern zu holen, zeuge von jener Freunderlwirtschaft, die Basis für Korruption sei, meinte Glawischnig. „Sie machen sehr viele Behauptungen, die nicht wahr sind“, wehrte sich Stronach zwischendurch. Aufklärung verlangte Glawischnig im Lauf der Debatte auch über die Wahlkampffinanzierung. Demnach gebe es keine Offenlegung seiner Spenden seit April. Intransparenz wies Stronach zurück. „Ich gebe mein eigenes Geld rein, das schon versteuert ist.“

„Unehrlichkeit“ und Wirtschaftskompetenz

Gleich zu Beginn hatte Stronach der Grünen-Chefin Unehrlichkeit vorgeworfen - am Beispiel einer Anekdote, die sie bei einer anderen Diskussion erzählt hatte. Damals schilderte Glawischnig, sie habe im Gasthaus ihrer Eltern den Gästen nach Reklamationen manchmal denselben Wein in einem neuen Glas gebracht. Die Grünen-Chefin zeigte sich angesichts des per Taferl in die Kamera gehaltenen Zitats eher unbeeindruckt.

Frank Stronach bei der ORF-Konfrontation

ORF/Milenko Badzic

Glawischnigs Wein-Verfehlung im elterlichen Gasthaus als Taferl

Immerhin über zehn Minuten dauerte es, bis der eigentlich früher erwartete Stronach-Satz „Sie verstehen die Wirtschaft nicht“ fiel. Glawischnig konterte damit, dass die Aufdeckung von Korruptionsskandalen, wie es die Grünen betrieben, enormes Wirtschaftswissen benötige. Und sie verwies auch auf die ihrer Meinung nach gute wirtschaftliche Bilanz des von Industrie geprägten Oberösterreich, in dem die Grünen seit Jahren mitregieren.

Streit über ESM

Stronach sprach von einer nötigen Balance zwischen Wirtschaft und Umwelt. Er war auch bemüht, seine Umweltkompetenz hervorzukehren, und verwies auf sein unlängst präsentiertes Umweltprogramm. In Kanada gebe es ein „Programm“, das „Grüne Helden“ küre, und „ich wurde auch klassifiziert als ein Grüner Held“, berichtete er.

Er warf Glawischnig vor, beim Euro-Rettungsschirm (ESM) mitgestimmt zu haben, sie habe damit die Arbeiter und Pensionisten verraten. „Darf ich Ihnen erklären, worum es geht“, unterstellte Glawischnig ihrerseits dem Austrokanadier, sich nicht so recht auszukennen. Überhaupt wirkte das Duell streckenweise ein bisschen wie ein von wenig Gemeinsamkeiten geprägter Generationenkonflikt.

Die Grünen-Chefin meinte, ihre Partei poche auf europäische Solidarität. Für Österreich als exportorientiertes Land sei es wichtig, international an einem Strang zu ziehen. Wenn etwa Italien ins Trudeln gerate, habe das auch Folgen für Österreich. Die Zerschlagung des Euro, wie es Stronach vorschlage, würde Hunderttausende Arbeitsplätze zerstören.

Mehr Frauen in die Politik, aber wie?

Erneut sprach Stronach sich gegen Berufspolitiker aus, nach zwei Legislaturperioden sollten Politiker wieder in die Wirtschaft gehen. Mehrfach auf ihre Haltung danach befragt verwies Glawischnig darauf, dass in ihrer Partei die Kandidatenliste demokratisch gewählt werde und nicht irgendjemand die Personen auf die Liste setze.

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Eva Glawischnig, mit Frank Stronach bei der ORF-Konfrontation

ORF/Milenko Badzic

Glawischnig bei Erklärungsversuchen

In Sachen Frauenförderungen schienen die beiden zumindest grundsätzlich einig zu sein. Es sollten mehr Frauen ins Parlament und in die Regierung, meinte Stronach. Die Antwort auf die Frage, wie er das bewerkstelligen wolle, blieb Stronach aber schuldig. Er machte jedenfalls die SPÖ und die ÖVP für den Männerüberhang verantwortlich. Wer mehr Frauen im Hohen Haus wolle, müsse das Team Stronach wählen. Das kostete Glawischnig ein mildes Lächeln. Verpflichtende Frauenquoten in der Privatwirtschaft sah Stronach als nicht möglich an, da hätten schließlich die Aktionäre das Sagen.

Seitenhieb Richtung Mariahilfer Straße

Der Versuch von Moderatorin Ingrid Thurnher, den beiden deutliche Positionen zum Thema Cannabis-Freigabe zu entlocken, missglückte: Stronach wiederholte, dass er es aus medizinischen Gründen für vertretbar halte. „Ich hab’s noch nicht probiert“, hielt er aber auf Glawischnigs Frage fest. „Ich rauche nichts.“ Einen Lacher schaffte Stronach noch mit einem Seitenhieb Richtung Mariahilfer Straße: „Wie kann man die Grünen regieren lassen, wenn sie nicht einmal eine Straße organisieren können.“

Eine künftige Zusammenarbeit wie in Salzburg konnten sich beide nicht vorstellen: „Sie sagt, ich bin ihr sehr unsympathisch“, sagte Stronach. „Sie haben mich ja heute erst kennengelernt“, so Glawischnig, die eine Kooperation „mit diesen Positionen“ weiter für ausgeschlossen hält. Stronach abschließend: „Und Sie freuen sich schon, mit der SPÖ zusammenzuarbeiten.“ Darauf Glawischnig: „Wir können das, keine Sorge.“

Schaulaufen für die eigene Zielgruppe

Politologe Peter Filzmair meinte in einer ersten Analyse in der ZIB2, Glawischnigs Vorwürfe in Sachen Freunderlwirtschaft - etwa der Kauf des Schlosses Reifnitz - seien schon schwerwiegender gewesen. Bei der Diskussion sei es nur darum gegangen die eigenen Zielgruppen anzusprechen, Wechselwähler zwischen den beiden Parteien gebe es nicht, das hätten die Landtagswahlen im Frühjahr gezeigt. Stronach sei gegenüber Glawischnig weniger angriffig und konfrontativ gewesen als gegenüber den männlichen Gesprächspartnern, so Motivforscherin Sophie Karmasin.

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