Kaum inhaltliche Ansagen
Weniger von Inhalten als vielmehr von einem persönlichen Schlagabtausch war am Donnerstag die TV-Konfrontation von BZÖ-Chef Josef Bucher und Frank Stronach geprägt. Bucher reagierte auf Stronachs Angriffe zunächst sehr defensiv und wehrte sich erst recht spät. Der Austrokanadier wiederum wollte wiederum die Spielregeln eines moderierten TV-Duells nicht hinnehmen.
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Bucher meinte, er sei nicht käuflich gewesen und habe Charakter bewiesen, nicht beim Team Stronach angeheuert zu haben. Österreich sei kein „Magna-Werk“, das Recht gehe vom Volk und nicht vom Geld aus. Stronach habe ihn um 500.000 Euro „kaufen“ wollen.

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Shakehands trotz eher untergriffiger Debatte
„Ganz netter Bursch“
Stronach attackierte prompt: Bucher sei ein „ganz netter Bursch“. Wenn man seinen Lebenslauf anschaue, sehe er „ein paar kleine, halbstaatliche Jobs“. Wenn man die Bürger im Parlament vertrete, müsse man aber Erfahrungen haben. In Österreich gebe es nur Berufspolitiker, die keine Ahnung von Wirtschaft hätten - Bucher sei einer von ihnen: „Du verstehst es nicht. Du bist gleich wie jeder andere Politiker. Das Problem ist, wir haben nur Berufspolitiker.“ Und noch direkter Richtung BZÖ-Chef: „Ich glaube kaum, dass Du eine gute Stelle finden würdest“, so Stronach. Er selbst habe keine politische Erfahrung, sagte Stronach, darum sei er auch nicht verdorben.

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Bucher blieb auch bei Stronach-Angriffen zunächst zurückhaltend
Bucher schloss späteren Wechsel aus
Bucher konterte, dass es Stronach war, der an ihn herangetreten sei, ihn gelobt habe und anwerben wollte. Er betonte, er komme aus der Mitte der Gesellschaft und sei kein Milliardär. Bucher schloss auch für die Zukunft einen Wechsel zum Team Stronach aus, er sei untrennbar mit dem BZÖ verbunden. Gegen Ende der Debatte lud er witzelnd Stronach ein, zum BZÖ zu kommen und Pensionistensprecher zu werden. Über Pensionisten und Jugend mache man keine Späße, so Stronach. Einen Job für sein Gegenüber habe er nicht mehr: „Wenn er arbeitslos ist, gebe ich ihm ein Geld.“
Vage Steuerideen
Auf die gemeinsame Forderung einer „Fair Tax“ angesprochen, sagte Stronach, das derzeitige System habe Privilegien und Schlupflöcher, vor allem aber sei es viel zu kompliziert. Wenn Firmen ihren Profit in Österreich investieren, sollten sie nur zehn Prozent Steuern zahlen. Wie viel Normalbürger zahlen sollen, wollte Stronach auch auf Nachfragen nicht verraten.
Bucher wiederum verteidigte seinen „einfachen“ und „verwaltungssparenden“ Steuervorschlag, der Steuer und Sozialversicherungsbeitrag zusammenlege und damit vor allem kleine und mittlere Einkommen entlaste. Als er meinte, das BZÖ sei die einzige Partei mit einem neuen Steuersystem, sprach Stronach von „Lüge“.
Bucher versuchte, mit Stronachs Steuerangelegenheiten zu kontern. Er spielte darauf an, dass der Austrokanadier immer wieder ausreisen muss, um nicht zur Gänze in Österreich steuerpflichtig zu werden. „Wenn Du alles hier versteuerst, dann darfst du 365 Tage in Österreich sein. Das ist doch großartig!“, so sein „Tipp“ Richtung Stronach. Würde dieser sein gesamtes Einkommen hierzulande versteuern, „dann würdest du deinem Land am meisten dienen“.

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Stronach wollte loswerden, was ihm „wirklich wichtig“ ist
Kaum Antworten auf konkrete Fragen
Einmal mehr stellte sich Stronach als großer Heilsbringer für Österreich dar: Er habe in Österreich 38 Millionen in 17 Jahren verdient und 19 Millionen Steuern gezahlt. Kein Mensch habe Österreich je so gedient, meinte Stronach. 150 Millionen Euro habe er gespendet, 13.000 Arbeitsplätze geschaffen, plus 7.000 Jobs für Zulieferer.
Erschwert wurde das Gespräch dadurch, dass Stronach auf konkrete Fragen kaum Antworten geben wollte und zumeist sehr allgemein seine Werte oder andere, seiner Meinung nach die „wichtigsten Themen“ ins Zentrum rückte. Stronach beklagte zwischendurch, bei der ORF-Konfrontation zu wenig Zeit zu haben: Die „Führer“ der Parteien müssten mehr Zeit haben, um die Fragen zu beantworten und ihre Ideen zu erklären. Die meiste Zeit würde verloren gehen und vertrödelt werden. Also meinte er: „Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, funktioniert gar nichts.“ Bucher stimmte zu.
Euro und „Sozialkarte“
Vage blieb Stronach bei Überlegungen zum Euro, den er als von Anfang an gescheitert betrachtet. Jedes Land solle seinen eigenen Euro haben, der österreichische Euro werde dann sicher mehr wert sein als der griechische, sagte er.
Ebenfalls nur kurz umriss Stronach seine Idee einer „Sozialkarte“ für Bedürftige, mit der Nahrungsmittel, aber kein Alkohol gekauft werden könne. Buchers Konzept des Bürgergelds sieht 750 Euro vor, also um ein Drittel weniger als die Mindestsicherung, von der Bucher wenig hält. Dafür müsse der Bezieher aber eine Gegenleistung erbringen, etwa für gemeinnützige Vereine. Das würde den Beziehern ein „besseres Gefühl und Gewissen“ geben.
Erstaunen über defensiven Bucher
Politologe Peter Filzmaier meinte in einer Analyse in der ZIB2, Stronach habe Bucher frontal angegriffen, erst ganz am Ende habe sich Bucher gewehrt. Motivforscherin Sophie Karmasin meinte, die persönlichen Angriffe, die ausweichenden Antworten auf Fragen würden Zuseher eher abschrecken. Filzmaier sagte hingegen, Stronach sei mit dieser Taktik bisher extrem erfolgreich. Auch wenn er Medien angreife, würden die dadurch trotzdem durch gute Quoten profitieren. Sowohl Karmasin als auch Filzmaier meinten, Bucher habe eher resignierend und nicht kämpferisch gewirkt.
Laut einer IMAS-Umfrage im Auftrag der „Kronen Zeitung“ konnte Bucher das Duell klar gewinnen. Er wurde in der Kategorie „sympathisch“, „sachlich“ und „kompetent“ deutlich besser bewertet. Stronach hinterließ hingegen bei den TV-Zusehern den Eindruck, er wäre „spontaner“. Insgesamt waren 57 Prozent der Befragten der Ansicht, Bucher habe besser abgeschnitten, 21 Prozent meinten, Stronach sei der Bessere gewesen. Als gleich gut haben 21 Prozent der Befragten den BZÖ-Chef und den Politneuling Stronach bewertet. Ein Prozent der Befragten machten keine Angaben.
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