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Ende einer rasanten Politkarriere

Bo Xilai schien auf dem Weg an die Spitze. Der charismatische Politiker hatte Anfang vergangenen Jahres noch gute Aussichten, beim Generationswechsel auf dem Parteikongress der Kommunistischen Partei Chinas im November in den engsten Führungszirkel aufzurücken. Der Giftmord seiner Frau Gu Kailai an dem befreundeten Geschäftsmann Neil Heywood setzte der Karriere des 64-Jährigen aber ein jähes Ende.

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Mit charmanten Umgangsformen und souveränem Auftreten ähnelte der ehemalige Handelsminister wie kaum ein anderer chinesischer Politiker populären westlichen Amtskollegen. Er wurde schon als möglicher Regierungschef gehandelt, bevor er 2007 eher überraschend Parteichef von Chongqing wurde.

Sein modernes Auftreten stand im Gegensatz zu der neomaoistischen Kampagne, mit der sich Bo als Parteichef in der boomenden 30-Millionen-Metropole einen Namen machte. Kritiker nannten ihn einen Populisten. Seine Sozialpolitik und „roten Lieder“ machten ihn zur Galionsfigur linkskonservativer Kräfte und zum Gegenspieler eher marktorientierter Reformpolitiker in der Partei.

Persönlichkeit mit Widersprüchen

Widersprüchlich war auch sein Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Indem er in Chongqing alte Machtstrukturen aufbrach, erwarb sich Bo den Ruf als gnadenloser „Mafia-Jäger“. Seine eigenen Machenschaften, die der Polizeichef und Vertraute Wang Lijun später enthüllte, waren hingegen nicht minder kriminell.

Schon seine Herkunft hatte ihm eine große Zukunft verheißen. Bo ist der Sohn des berühmten Revolutionsveteranen Bo Yibo, der zu den „acht Unsterblichen“ der Kommunistischen Partei gehörte. Als Teenager schloss sich der „Prinzling“ den Roten Garden Mao Zedongs an. Später studiert er Geschichte und Journalismus.

Karriere zeigte steil nach oben

Seine Karriere ging steil nach oben. Vom Bürgermeister der Hafenstadt Dalian stieg Bo zum Handelsminister auf, warb um ausländische Investitionen. Er und seine Frau Gu, eine erfolgreiche Anwältin, galten als das Traumpaar der chinesischen Politik. Beide haben einen Sohn, Bo Guagua, der an der Harvard-Universität in den USA studierte.

In der Familie soll sich Gu um die Finanzen gekümmert haben. Über den Briten Heywood soll sie Geld ins Ausland verschoben haben, wobei es zum tödlichen Streit gekommen sei, wie es hieß. Bo versuchte, die Tat zu vertuschen, und überwarf sich mit seinem Polizeichef. Der „Superbulle“ Wang fürchtete um sein Leben und flüchtete ins US-Konsulat im benachbarten Chengdu, wo er auspackte.

Der Weg in den Hausarrest

Als seine Enthüllungen bekanntwurden, versuchte Bo während der Tagung des Volkskongresses 2012 in Peking noch kämpferisch vor Journalisten, die Flucht nach vorne anzutreten und die Vorwürfe zu entkräften. Wenige Tage später verschwand der Politstar im Hausarrest. Er verlor alle Posten und wurde im November aus der Partei ausgeschlossen.

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