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„Sehr, sehr ungewöhnlich“

Die USA haben ihre aus Sorge vor Anschlägen verfügten Botschaftsschließungen verlängert und ausgeweitet. Einige der betroffenen Botschaften würden bis Samstag geschlossen bleiben, zudem sollen zusätzliche Vertretungen schließen. Das teilte das US-Außenministerium am Sonntag in Washington mit.

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Betont wurde gleichzeitig, dass die Maßnahme „kein Hinweis“ auf neue Erkenntnisse über die Terrorbedrohung sei. Sie spiegle vielmehr die Verpflichtung der Regierung wider, angemessene Schritte zum Schutz des Botschaftspersonals und der -besucher zu ergreifen. Von der nun verlängerten Schließung betroffen sind unter anderem die US-Botschaften und -Konsulate in Kairo, Amman, Abu Dhabi, Sanaa, Rijad, Dubai und Tripolis. Einige Vertretungen wie beispielsweise in Kabul, Bagdad und Algier dürften am Montag wieder öffnen.

„Interessen des Westens“ als Ziel

Hintergrund der Maßnahme sollen abgefangene Gespräche zwischen Al-Kaida-Anführern sein. „Wir haben Information erhalten, dass hochrangige Al-Kaida-Anhänger auf der arabischen Halbinsel über große Anschläge geredet haben“, sagte der demokratische Abgeordnete Dutch Ruppersberger, der im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses sitzt, am Sonntag dem Fernsehsender ABC. Die Vorbereitungen der Anschläge seien demnach bereits im Gange. Das sei auch der Grund für die weltweite Reisewarnung für US-Bürger von Freitag, berichteten US-Medien.

Mit Geheimdienstinformationen vertraute Abgeordnete stuften die Berichte als einen der ernsthaftesten Terrorhinweise in den vergangenen Jahren ein. Der Republikaner Saxby Chambliss, der ebenfalls im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses sitzt, sprach von konkreten Plänen einzelner Terroristen, die mit denen vor den Anschlägen auf die USA im September 2001 vergleichbar seien. US-Generalstabschef Martin Dempsey hatte ABC News zuvor gesagt, Ziel möglicher Anschläge seien „die Interessen des Westens, nicht nur der USA“. Die Bedrohung sei „spezifischer“ als in früheren Fällen.

Mehr als 20 Botschaften der USA von Algerien über Ägypten bis nach Afghanistan blieben am Sonntag wegen der Anschlagswarnung geschlossen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien hielten ihre diplomatischen Vertretungen im Jemen geschlossen. Auch Kanada entschied sich kurzfristig, seine Vertretung in Bangladesch am Sonntag nicht zu öffnen. Ein Sprecher des deutschen Außenministeriums teilte am Sonntag mit, dass die deutsche Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa auch am Montag geschlossen bleibe.

Auch Interpol warnt

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten handelt es sich um eine beispiellose Reaktion auf eine mutmaßliche terroristische Bedrohung. „Das ist sehr, sehr ungewöhnlich“, sagte der früherer CIA-Mitarbeiter Robert Baer dem Sender CNN.

Auch die internationale Polizeibehörde Interpol gab eine globale Warnung vor erhöhter Terrorgefahr heraus und verwies auf jüngste Massenausbrüche mutmaßlicher Extremisten aus Gefängnissen in Libyen, Pakistan und dem Irak. Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri hatte den USA am Freitag ein Komplott zum Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi vorgeworfen.

Ablenkung von NSA-Affäre?

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine Hauptaufgabe des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der „New York Times“ („NYT“) zufolge deuteten Analysten und Kongressmitarbeiter an, eine Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein guter Weg, von der Kritik an den NSA-Programmen abzulenken.

Noch besser sei es, wenn zugleich deutlich gemacht werden könne, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten. Der prominente republikanische Senator Lindsey Graham sagte am Sonntag dem Sender CNN, die jüngste Entwicklung zeige, wie wichtig es sei, die Spionageprogramme fortzusetzen.

Krisentreffen mit Obama

US-Präsident Barack Obama wird nach Angaben des Weißen Hauses ständig über die Lage auf dem Laufenden gehalten. Er habe die Sicherheitsbehörden bereits vor einigen Tagen angewiesen, „im Lichte einer potenziellen Bedrohung, die auf der arabischen Halbinsel stattfindet oder von ihr ausgeht“, alles Nötige zum Schutz der Amerikaner weltweit zu tun.

Am Samstag trafen sich Obamas Sicherheitsberater, um die Lage zu erörtern, darunter mehrere Minister. Einzelne US-Militäreinheiten im Nahen Osten wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Verteidigungsminister Chuck Hagel habe mit seinen Experten erörtert, welche Einheiten im Falle eines Terrorangriffs auf US-Einrichtungen eingesetzt werden könnten, hieß es bei CNN. Die US-Marine verlegte Amphibienboote im Roten Meer näher an den Jemen.

Der französische Präsident Francois Hollande sagte, man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien. Das britische Außenministerium riet Landsleuten in einer Reisewarnung zur Ausreise aus dem Jemen.

Berichte über ungewöhnlichen Mailverkehr

Laut „New York Times“, die sich auf US-Regierungsbeamte berief, diskutierten Terroristen Attacken gegen Einrichtungen im Nahen Osten und in Nordafrika. Es sei ungewöhnlich, dass etwa E-Mails und Handygespräche von höherrangigen Al-Kaida-Angehörigen über die Planung von Operationen abgefangen worden seien - zumal in größeren Mengen. Daher hätten Experten des Geheimdienstes CIA, das Außenministerium und das Weiße Haus sofort begriffen, worum es gehe.

Bestärkt sahen sich die US-Behörden offenbar durch eine Audiobotschaft von Al-Kaida-Chef Sawahiri. Er hatte am Dienstag dazu aufgerufen, „Interessen der USA und ihrer Verbündeten“ weltweit anzugreifen. In einer weiteren angeblich von ihm stammenden Botschaft von Freitagabend wurde der Sturz des islamistischen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch „Kreuzfahrer“ und mit „amerikanischem Intrigenspiel“ kritisiert.

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