„Große kriminelle Organisation“
Das Bundeskriminalamt hat am Dienstag drei weitere Festnahmen von im Wiener Servitenkloster untergebrachten Flüchtlingen bestätigt. Diese seien allerdings nicht in Zusammenhang mit den geplanten Abschiebungen erfolgt, sondern wegen des Verdachts der Schlepperei, hieß es in einer Aussendung.
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Konkret werde gegen eine „große kriminelle Organisation“ ermittelt, die Schleppungen von vorwiegend pakistanischen Staatsbürgern organisiert und durchführt haben soll. Insgesamt sechs Festnahmen gab es laut Aussendung des Bundeskriminalamts, drei davon im Servitenkloster.
Von Kleinasien über „Balkan-Route“
Bereits seit März seien über Auftrag der Staatsanwaltschaften Wien und Wiener Neustadt „intensive Ermittlungen gegen eine Tätergruppe“ geführt worden. Die Schleppungen seien von Kleinasien über die „Balkan-Route“ nach Österreich und weiter in den EU-Raum erfolgt, hauptsächlich nach Deutschland und Frankreich sowie nach Skandinavien.
Die Erhebungen mit internationaler Unterstützung hätten ergeben, dass pro geschleppte Person bis zu 10.000 Euro verlangt worden seien. Bis jetzt konnten der Organisation laut Bundeskriminalamt Schleppungen von mindestens 300 Personen - vorwiegend aus Pakistan - und ein Umsatz von mindestens drei Mio. Euro nachgewiesen werden. Die Ermittler gehen davon aus, dass von dieser Organisation in den letzten Monaten mindestens 1.000 Personen geschleppt wurden.
Festnahme vor Kloster
Die Festnahme der drei Bewohner des Klosters erfolgte nicht direkt im Kloster. Das betonte die Wiener Polizei am Dienstagnachmittag gegenüber der APA. Die drei Personen seien im Umfeld des Klosters auf der Straße festgenommen worden. In das Kloster oder andere kirchliche Einrichtungen seien keine Beamten eingedrungen, hieß es seitens der Polizei.
Caritas: Interesse an vollständiger Aufklärung
Die Caritas, welche für die Unterbringung der Flüchtlinge im Wiener Servitenkloster zuständig ist, zeigte sich „schockiert“ über den Schleppereiverdacht gegen drei Bewohner. „Die Vorwürfe der Behörde sind auch für die Caritas neu“, so Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, am Dienstag in einer Aussendung. „Wir haben jedes Interesse an einer raschen und vollständigen Aufklärung und sichern den Behörden volle Kooperation zu.“
„Wir sind extrem verärgert, falls die Caritas hier von Einzelnen ausgenutzt wurde“, so Schwertner weiter. Klar sei: „Wenn mit der Not von Menschen Geschäft gemacht wird, ist das völlig inakzeptabel und aufs Schärfste zu verurteilen.“
„Setzen uns weiter für Menschen in Not ein“
Sollte man tatsächlich von einzelnen Bewohnern des Servitenklosters hintergangen worden sein, „darf uns das als Caritas trotzdem nicht unaufmerksam machen für die Not der Menschen, die sich in einer schwierigen und verzweifelten Situation nach einer Flucht an uns wenden“, so Schwertner.
Die Caritas werde sich auch weiterhin für Menschen in Not unabhängig von Religion, Herkunft und sozialer Stellung engagieren, stellte Schwertner klar. „Das gilt selbstverständlich auch für jene Flüchtlinge, die noch immer im Servitenkloster wohnen und die sich zum Teil noch immer in laufenden Asylverfahren befinden.“
Prammer begrüßt Caritas-Ankündigung
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) begrüßte die Ankündigung der Caritas, an der raschen und vollständigen Aufklärung des Schleppereiverdachts gegenüber Bewohnern des Servitenklosters aktiv mitzuwirken. Die von den Behörden erhobenen Vorwürfe seien sehr ernst zu nehmen, denn Schlepperei sei Geschäftemacherei mit der Not der Ärmsten und nicht zu tolerieren. Gleichzeitig mahnte Prammer, das Thema nicht für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen.
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verwies auf die Angaben des Bundeskriminalamtes, wonach der mutmaßlichen Schlepperorganisation ein Umsatz von mindestens drei Millionen Euro nachgewiesen werden konnte. „Dass sich nun herausgestellt hat, dass die angeblich armen Flüchtlinge in Wahrheit schwerreiche Verbrecher sind, wird hoffentlich vielen die Augen öffnen“, meinte er.
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