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Passagiere aus Bus geschleudert

Nach dem verheerenden Busunglück Sonntagabend in der Nähe der süditalienischen Stadt Neapel haben Helfer Dutzende Tote aus den Wrackteilen geborgen. Etliche Insassen wurden schwer verletzt. Aufgrund des unwegsamen Geländes war der Einsatz sehr schwierig.

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„Die Rettungsarbeiten waren sehr schwierig, weil der Bus nur noch ein Trümmerhaufen war und die Passagiere zwischen dem Blech eingeklemmt wurden“, sagte Feuerwehrkommandant Alessio Barbarulo der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Bei dem Aufprall wurde der Bus in zwei Teile gerissen und einige der Passagiere herausgeschleudert. Die Einsatzkräfte suchten die ganze Nacht über das Wrack des Busses und die Umgebung mit Taschenlampen ab. Sie baten immer wieder um „etwas Ruhe“, um keine Rufe möglicher Überlebender zu überhören.

Italienischer Polizist am Unfallort

APA/AP/Salvatore Laporta

Ein Polizist am Unfallort

Aufbahrung in Schule

Neben den Dutzenden Leichen in den Wrackteilen wurden drei weitere Tote unter dem völlig zerstörten Fahrzeug gefunden. An der Unfallstelle wurden die Leichen zunächst mit Tüchern bedeckt auf der Straße aufgereiht. Berichten zufolge ist auch der Busfahrer unter den Toten. Während Verkehrsminister Maurizio Lupi von 39 Toten sprach, bestätigte die Polizei 38 Todesfälle, weitere Opfer werden befürchtet.

Die Verunglückten wurden im Ort Monteforte Irpino in einer Schule aufgebahrt. Dort erfolgte auch die Identifizierung der Opfer durch Angehörige. Viele waren so geschockt, dass sie medizinisch betreut werden mussten. Eine Trauerfeuer soll voraussichtlich am Dienstag stattfinden.

Kinder unter den Verletzten

Insgesamt sollen knapp 50 Menschen mit dem Bus unterwegs gewesen sein. Wie italienische Medien berichteten, handelte es sich um eine Pilgerreise. Die Opfer sollen aus den Orten Giugliano, Mugnano und Marano in der Nähe von Neapel stammen. Die Überlebenden wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser in Neapel gebracht. ANSA zufolge sind unter ihnen sechs Kinder, von denen sich zwei Montagfrüh noch in kritischem Zustand befanden.

Kran und Buswrack

APA/AP/Gregorio Borgia

Ein Kran birgt Wrackteile aus dem Gelände

Defekte Bremsen als Unfallursache?

ANSA berichtete am Montag, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Avellino wegen fahrlässiger Tötung erstreckten sich nicht nur auf ein mögliches Verschulden des bei dem Unfall ums Leben gekommenen Fahrers, sondern auch auf den Zustand des Busses sowie der Seitenbegrenzung des Viadukts, den der Bus durchbrochen hatte. So soll der Bus möglicherweise wegen defekter Bremsen zu schnell unterwegs gewesen sein. Die Leiche des Busfahrers soll außerdem auf Alkohol und Drogen untersucht werden, wie italienische Medien berichteten. Die Unterlagen zu dem Unfallfahrzeug habe die Polizei bereits beim Busunternehmen Mondotravel beschlagnahmt.

Laut Aussagen von Überlebenden wiederum soll ein Reifen auf der linken Seite des Fahrzeuges geplatzt sein, während der Bus auf dem Viadukt unterwegs war. Der Busfahrer habe demnach vergebens versucht, das Fahrzeug zu bremsen. Italienische Medien spekulierten zudem, dass der Busfahrer am Steuer eingeschlafen sei. Die Polizei teilte mit, am Unfallort habe es keine Bremsspuren des Busses gegeben. Der steile Viadukt, auf dem auch Bauarbeiten im Gange waren, gilt als gefährlich. Hier sei es schon öfters zu tödlichen Unfällen gekommen, berichteten italienische Medien. Die Autobahn blieb nach dem Unfall stundenlang gesperrt.

An Leitschiene entlanggeschrammt

Der verheerende Crash ereignete sich Sonntagabend auf der Autobahn Neapel - Bari zwischen Monteforte Irpino und Baiano. Nach Angaben der Rettungskräfte rammte der Bus zwölf Autos, bevor er 30 Meter in die Tiefe stürzte. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah mindestens sieben ineinander verkeilte Fahrzeuge. Neun Autoinsassen sollen dabei leicht verletzt worden sein. Nach Angaben von Experten hatte der Fahrer offenbar versucht, die Geschwindigkeit zu verringern, indem er den Bus an der Leitschiene entlangschrammen ließ.

In Italien herrscht Trauer. Italiens Ministerpräsident Enrico Letta legte während eines Besuchs in der griechischen Haupstadt Athen eine Schweigeminute für die Unglücksopfer ein. Das sei ein „trauriger Moment für Italien“, sagte er. Staatschef Giorgio Napolitano sprach von einer „nicht hinnehmbaren Tragödie“. „Tief betrübt von der dramatischen Bilanz des Unfalls (...), drücke ich den Familien der Opfer meine Ergriffenheit und Nähe in ihrem Schmerz aus“, so der Staatspräsident.

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