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Die graue Eminenz bei Siemens

Nach dem Aus für Siemens-Chef Peter Löscher läuft alles auf den bisherigen Finanzchef Joe Kaeser an der Spitze des Elektrokonzerns hinaus. Wie mehrere Medien am Sonntag berichteten, will eine Mehrheit im Aufsichtsrat ihn zum Nachfolger des Kärntners bestimmen.

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Der Siemens-Aufsichtsrat soll sich nach dpa-Informationen mit klarer Mehrheit auf die Absetzung von Löscher und die Berufung von Kaeser als seinen Nachfolger verständigt haben, hieß es am Sonntag aus gut informierten Kreisen. Siemens wollte dazu allerdings noch keine Stellungnahme abgeben. Formell müssen die Personalien bei der nächsten regulären Sitzung des Gremiums am Mittwoch noch beschlossen werden.

Samstagabend hatte das Unternehmen nach einer Marathonsitzung des Kontrollgremiums in München mitgeteilt, dass die Aufseher bei ihrer nächsten regulären Sitzung am Mittwoch über das vorzeitige Ausscheiden Löschers beschließen werden. In mehreren Medien hatte es am Samstagabend bereits geheißen, das Pendel schlage für Kaeser aus. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“), „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) und „Welt“ (Onlineausgaben) dann später übereinstimmend meldeten, hätten sich die Aufsichtsräte bei ihrer Sitzung bereits mehrheitlich auf den 56-Jährigen verständigt - trotz vereinzelter Widerstände.

Löscher-Rauswurf zeichnete sich ab

Löschers Rauswurf hatte sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet, nachdem Siemens am Donnerstag die Börsen mit einer neuerlichen Gewinnwarnung verschreckte. Das für 2014 angepeilte operative Gewinnziel von mindestens zwölf Prozent werde voraussichtlich nicht erreicht, erklärte das Unternehmen und schickte die Aktie damit auf steile Talfahrt. Es war bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten.

Im Umfeld des Aufsichtsrats wird es laut der Nachrichtenagentur Reuters für möglich gehalten, dass Kaeser mit der Gewinnwarnung am Donnerstag seinem Chef in heikler Zeit ein Bein gestellt haben könnte. Ohne weitere Begründung teilte Kaesers IR-Abteilung mit, dass das Renditeziel von zwölf Prozent bis 2014 nicht zu schaffen sei.

Echtes Siemens-Gewächs

Der Ablöse dürfte damit wohl auch ein interner Machtkampf vorausgegangen sein. Kaeser stahl dem scheidenden Vorstandschef mit seinem Detailwissen regelmäßig die Show. Immer wieder machte der 56-Jährige bei öffentlichen Auftritten den Eindruck, dass er sich für den eigentlichen Boss des Technologieriesen hält. Auf Analystenkonferenzen stand häufig Kaeser Rede und Antwort, während Löscher stumm daneben saß.

Kaeser ist ein echtes Siemens-Gewächs. Sein ganzes Berufsleben verbrachte er bei dem Konzern. Über verschiedene Stationen rückte er als Kaufmann immer weiter auf, wurde Strategiechef und löste schließlich 2006 Heinz-Joachim Neubürger als Finanzchef ab. Seit einem USA-Aufenthalt nennt sich der aus der Nähe von Regen in Niederbayern gebürtige Josef Käser Joe Kaeser. Den Schmiergeldskandal des Hauses überstand er unbeschadet, obwohl er als Bereichsvorstand des korruptionsverseuchten Kommunikationsgeschäfts früher gefährlich nahe an der Keimzelle der kriminellen Machenschaften arbeitete.

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