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Überhöhte Geschwindigkeit

Die Aufnahmen einer Überwachungskamera direkt am Unglücksort nahe dem spanischen Pilgerort Santiago de Compostela zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe: Ein spanischer Schnellzug rast Mittwochabend mit 190 km/h auf die Kamera zu, legt sich in die Kurve, plötzlich löst sich der zweite Waggon von der Lok und rast in die Betonwand. Dann bricht das Video ab.

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Das Video wurde am Donnerstag von der spanischen Zeitung „El Pais“ ins Internet gestellt. Die Kamera ist direkt an der Kurve angebracht, wo Mittwochabend kurz vor 21.00 Uhr ein Hochgeschwindigkeitszug des spanischen Bahnbetreibers RENFE wegen überhöhter Geschwindigkeit entgleiste.

Zug

EBU

Die Lok touchierte die Betonwand und schlitterte über das Bankett

Die Bilder zeigen, dass der zweite und dritte Waggon sich zuerst von der Lok lösen und ungebremst in die Betonwand rasen. In weiterer Folge springt die Lok von den Schienen und stürzt auf die Seite. Während die Lok direkt auf die Kamera zurast, sieht man im Hintergrund, wie auch die restlichen Zugsteile von der Strecke rutschen.

„Problematische“ Stelle auf Neubaustrecke

Die Katastrophe ereignete sich auf einem Neubauabschnitt des Hochgeschwindigkeitsnetzes der spanischen Bahn. Die Kurve an der Unglücksstelle ist relativ eng. Experten hatten bei der Planung der Strecke darauf hingewiesen, dass die Kurve „problematisch“ sei. Der Unglückszug war vom Typ Alvia. Die Züge dieser Art erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h. Die Katastrophe war das erste Unglück mit Todesopfern auf diesem Abschnitt.

Zug

APA/AP/El correo Gallego/Antonio Hernandez

Wagen prallten gegen eine Begrenzungswand

Mit 190 statt 80 km/h unterwegs

Nach ersten Angaben eines der beiden Lokführer war der Zug viel zu schnell unterwegs. Statt mit den erlaubten 80 km/h sei er mit 190 km/h unterwegs gewesen. Ein technisches Gebrechen am Zug selbst schloss RENFE aus. Er sei noch am selben Tag einer technischen Inspektion unterzogen worden, sagte RENFE-Präsident Julio Gomez-Pomar Rodriguez am Donnerstag dem privaten Radiosender Cadena Cope.

Allerdings gab es keine Angaben über die Ursache für die hohe Geschwindigkeit. Einer der Lokführer soll nach Informationen der Regionalzeitung „La Voz de Galicia“ in einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten immer wieder in sein Handy gerufen haben: „Wir sind entgleist! Was können wir tun?“ „El Pais“ berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Lokführer habe hinzugefügt: „Ich hoffe, niemand ist tot, sonst wird das ewig mein Gewissen belasten.“

Rettungskräfte

APA/EPA/Lavandeira

Den Helfern bot sich ein Bild des Schreckens

Geplante Feiern abgesagt

Der 39-jährige Francisco Otero, der sich zum Zeitpunkt des Unfalls in einem Haus nahe der Unglücksstelle aufhielt, berichtete von einem „großen Knall, als ob es ein Erdbeben gegeben hätte“. „Das Erste, was ich gesehen habe, war eine Frauenleiche“, sagte er. Überall sei Rauch gewesen. Anrainer hätten versucht, mit Werkzeugen und bloßen Händen Menschen aus dem Zug zu befreien.

Santiago de Compostela ist die Hauptstadt Galiciens und ein wichtiges Pilgerzentrum, das jährlich Zehntausende Menschen anzieht. Am Wochenende sollte dort ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons von Galicien, des heiligen Jakob, stattfinden. Die Behörden sagten jedoch die geplanten Feiern nach dem Unglück ab.

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