Auf verschiedenen Wegen zur Erholung
Für viele berufstätige Österreicher bietet sich im Sommer die Möglichkeit für einen ausgiebigeren Urlaub. Generell ist dieser dazu da, um dem Arbeitsalltag zu entfliehen, das Ferienverhalten der Österreicher ist aber von den unterschiedlichsten Motiven und Kriterien geprägt. Steigende Mobilität bedeutet dabei nicht automatisch Reisen in andere Umgebungen.
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Annähernd die Hälfte der Österreicher verbringt den Sommerurlaub zu Hause, die andere Hälfte fährt weg - das weisen sowohl Statistik Austria als auch das Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) aus. Doch das Motiv der Zuhausegebliebenen ist keinesfalls mangelnder Antrieb. Gerade in urbanen Gebieten bzw. in Gegenden mit schnell erreichbaren Freizeit- und Kulturangeboten verbringen immer mehr Menschen bewusst ihren Haupturlaub im Sommer zu Hause.
Motiv der Gruppe mit Zeitmangel
„Jene Gruppe, die im Rahmen des Haupturlaubs das Freizeitangebot der gewohnten Umgebung wahrnimmt, wird ständig signifikant größer“, erklärt IFT-Leiter Peter Zellmann gegenüber ORF.at. Etwa die Hälfte der Zuhausegebliebenen - also ein Gesamtviertel - verfolge nach den Angaben Zellmanns auch Motive, die aus dem Drang nach Aktivierung des oft vernachlässigten Freundes- und Bekanntenkreises heraus entstehen. Die andere Hälfte bleibe zu Hause, weil sie sich schlichtweg keinen Urlaub leisten kann.
Keine Überraschungen erwünscht
Doch es gibt in Österreich auch ganz anders gelagerte Motive, wie der Blick auf die Stammurlauber zeigt. Trotz des schnellen und einfachen Zugangs zu Buchungsportalen im Internet ziehen es konstant etwa fünf bis sieben Prozent der Gesamtbevölkerung vor, jährlich dieselbe Destination bzw. dasselbe Hotel zu buchen. Diese Kategorie erhält immer wieder neuen Zulauf, nämlich vor allem von jungen Familien, die zusammen mit ihrem Nachwuchs beim Urlaub keinen Wert auf Experimente legen. Insgesamt wird sie jedoch stets kleiner.
Bei Urlauben, die innerhalb Österreichs stattfinden, fahren laut der aktuellen Erhebung der Österreich Werbung 22 Prozent als Intervallgäste (sie waren schon zweimal oder öfter an dem Ort) in einen Urlaubsort, etwa 30 Prozent als treue Stammgäste. Was Reisegewohnheiten betrifft, sind die Verhältnisse in Deutschland noch um einiges eindeutiger als in Österreich. Laut einer repräsentativen GfK-Umfrage verreist jeder sechste Deutsche seit Jahren immer wieder in die gleiche Gegend und bucht sogar immer wieder die gleiche Unterkunft. Jeder Siebente gibt an, sich unwohl zu fühlen, wenn er im Urlaub nicht weiß, was am nächsten Tag auf ihn zukommt.
Weniger Strand, mehr „Erleben“
Doch neben den Gewohnheitstieren und Zu-Hause-Urlaubern gibt es noch eine andere aufstrebende Gruppe - jene der Aktivurlauber. Die Statistik Austria weist bei der aktuellen Erhebung zwar Erholung als wichtigste Reisegrundlage aus. Strand- und Badeaufenthalte haben aber im Vergleich zum Sommer 2003 deutlich an Bedeutung verloren. Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Aktivurlaube im Sommer, deren Anteil tendenziell zunimmt und sich ihm Vergleich zu 2003 mehr als verdoppelt hat. In diese Gruppe fallen auch jene fünf Prozent der Österreicher, die nach Angaben des IFT kategorisch stets eine andere Destination buchen.
Generell - und das betrifft auch die Gruppe, die ihren Haupturlaub im Sommer zu Hause verbringt - spielen Kultur- und Besichtigungsaufenthalte bzw. Städtereisen sowie Reisen zu Verwandten und Bekannten eine bedeutende Rolle. Im Fall jener, die ihm Rahmen ihres Urlaubs im Sommer bewusst zu Hause bleiben, finden diese Städtereisen besonders häufig im Frühjahr bzw. im Herbst, also zeitlich von der klassischen Haupturlaubszeit abgekoppelt, statt.
Italien im Dauerhoch, Kroatien als Aufsteiger
Die beliebtesten Reisedestinationen der Österreicher waren im Vorjahr laut Angaben der Statistik Austria Italien (21,5 Prozent), gefolgt von Deutschland (17 Prozent), Kroatien (etwa zwölf Prozent) und Spanien mit sechs Prozent. Etwa die Hälfe der Reisen fand 2012 innerhalb Österreichs statt, aufgrund der längeren Verweildauer bei Auslandsreisen entfielen darauf deutlich mehr Nächtigungen.
2012 unternahmen 5,4 Mio. Österreicher (ab 15 Jahren, Anm.) zumindest eine Urlaubsreise im In- oder ins Ausland - das entspricht bei rund 18 Millionen Reisen einer Rate von 76,2 Prozent. Jüngere waren überdurchschnittlich reisefreudig, Pensionisten unterdurchschnittlich. Generell ändert sich die Verteilung der Stamm- und Wechselurlauber kaum - dahinter verbergen sich jedoch starke individuelle Veränderungen, wie Experte Zellmann erklärt.
Wenn Urlaub wieder in Arbeit übergeht
Doch wo sich die Österreicher auch erholen, für viele bedeutet auch der Urlaub keine vollkommene Pause vom Arbeitsalltag. Knapp ein Drittel der österreichischen Berufstätigen arbeitet im Urlaub ein bis drei Stunden am Tag. Sieben Prozent opfern täglich sogar mehr als drei Stunden, und 14 Prozent könnten eigentlich gleich in der Arbeit bleiben - sie sind im Urlaub fast genauso viel im Einsatz wie sonst, geht aus einer internationalen Befragung des Marktforschungsinstituts MindMetre hervor.
Auffällig ist der Geschlechterunterschied weltweit: 42 Prozent der berufstätigen Männer gaben an, im Urlaub nahezu im gewohnten Umfang beispielsweise Anrufe entgegenzunehmen oder E-Mails zu beantworten. Bei den weiblichen Beschäftigten sind es 34 Prozent.
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